Tschechische Schnitzel von Maria Rast

Tschechische Schnitzel von Maria Rast

Hannah und Milan Karcer haben sechzehn Jahre eine Pilgergaststätte in Klausen betrieben. Jetzt sind beide im Rentenalter und zu ihrer Familie nach Rüdesheim gezogen. An die Zeit im Wallfahrtsort erinnern sie sich gerne zurück.

Bei Milan und Hannah Karcer haben sich Pilger und Einheimische wohl gefühlt. Hier ein Foto von Milan hinter der Theke. Foto: privat. Foto: Christina Bents

Klausen. "Klar würden wir es wieder machen", antwortet Hannah Karcer auf die Frage, ob sie noch einmal in Klausen eine Gastwirtschaft betreiben würde. Ihr damaliger Schwiegersohn hatte das Gasthaus direkt neben dem Aufgang zur Kirche gekauft. Hannah war in der Küche und ihr Ehemann Milan hinter der Theke. Der Renner auf der Speisekarte war das tschechische Schnitzel, das ist ein Stück Schweinefleisch, das geklopft in Reibekuchenteig gebraten, und mit Krautsalat serviert wird. Hannah Karcer: "Das Rezept habe ich noch von meinem Opa. Bei uns wurde der Teig immer mit Majoran, Kümmel und Knoblauch gemacht. Ob es jetzt ein typisch tschechisches oder österreichisches Gericht ist, weiß ich nicht genau, weil mein Opa in beiden Ländern gelebt hat."
Karcer hat viele Pilger aus unzähligen Orten und Landstrichen kennengelernt. An der bestellten Speise habe sie als Köchin jedoch nie die Herkunft des Pilgers erkennen können, so Karcer.
"Die Menschen sind verschieden und haben verschiedene Geschmäcker und zwar überall. Da kann man nicht sagen, die aus der Eifel essen lieber das eine und die von der Mosel lieber das andere."
Zum Namen "Maria Rast" kam die Gaststätte durch den damaligen Pastor Heinz-Josef Babiel. "Wir hatten keine richtig gute Idee für einen Namen, und da haben wir ihn gefragt, ob ihm etwas einfällt. Er schlug Maria Rast vor. Das hat uns gut gefallen und es passt auch, denn wir sind schließlich in einem Marien-Wallfahrtsort", so Karcer.
Die weitesten Wege hatten die Pilger aus Winterbach (Baden-Württemberg) und Kaarst (Rhein-Kreis Neuss).
Vom Pilgerboom, den das Buch "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling, haben die Karcers in Klausen nichts mitbekommen. "Nein, das hat man hier nicht gemerkt. Dazu sind wir hier zu weit von Santiago de Compostela weg." Selbst gepilgert sind Hannah und Milan Karcer nie. "Ich habe meinen Glauben, und ich bin auch überzeugt, dass es im Universum eine Kraft gibt, aber nicht unbedingt so, wie die katholische Kirche es beschreibt", sagt sie.
Dann fällt ihr lachend ein: "Ich habe einem unserer Gäste aus der Matthiasbruderschaft versprochen, mit bis nach Trier zu pilgern, aber das schaffe ich nicht. Ich war zwar als Köchin den ganzen Tag auf den Beinen, aber in der Küche gibt es nur kurze Wege. 30 Kilometer, das ist mir zu weit."
Bequem gemacht haben sie es sich nie. Milan ist meist schon um fünf Uhr morgens aufgestanden und stand um kurz vor sechs Uhr als Erster beim Großhändler in Trier zum Einkaufen vor der Tür. "Wenn die Leute dann zum Arbeiten gefahren sind, war Milan schon zurück, hat an der Tür gestanden und gewunken."
Aber die langen Arbeitstage haben ihre Spuren hinterlassen: "So ab 19 Uhr ist er dann grantig geworden, weil es anstrengend wurde, aber er ist bis zum letzten Gast geblieben, obwohl wir genügend Personal hatten." Hannah Karcer schätzt die Klausener als "treue Leute, die ein gutes Herz haben" und bei denen sie sich - wie bei all ihren Gästen - für die schöne Zeit bedanken möchte. Abschließend sagt sie: "Wenn ich zu tun habe, fehlt mir nichts. Ich werde mir jetzt auch in Rüdesheim etwas suchen müssen, damit ich unter Leute komme und etwas zu tun habe." chb

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