Türkisches Lob für die Säubrennerstadt

Türkisches Lob für die Säubrennerstadt

Unter dem Titel "Ich bin Wittlicher und komme aus der Türkei" haben drei Menschen aus ihrem Herkunftsland berichtet. Die Veranstaltungen, die im Rahmen dieser Reihe von der Casino-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei organisiert werden, kommen bei den Wittlichern sehr gut an.

Wittlich. Während in den Großstädten wie München die ersten Gastarbeiter aus der Türkei schon in den 1960er Jahren ankamen, hat es in Wittlich bis 1973 gedauert, ehe die ersten Gäste aus der Türkei kamen, um bei den Firmen Dunlop, Ideal Standard und Dr. Oetker zu arbeiten.
Inzwischen gibt es eine zweite und dritte Generation der Einwanderer, die in Wittlich lebt. Momentan sind es 890 Türken im Stadtgebiet, dazu kommen noch rund 200, die im Landkreis Bernkastel-Wittlich leben. Mike D. Winter, Pressesprecher der Kreisverwaltung: "Im Landkreis wurden in den vergangenen fünf Jahren 485 Menschen eingebürgert, davon waren 75 türkische Staatsangehörige."
Die Vortragenden, Tahir Dogan, Hacer Sarioglu und Figen Kaya, erzählten ganz persönlich, wie sie zu Wittlichern wurden, sprachen über ihre Herkunftsorte mit kulturellen, politischen und religiösen Hintergründen. Im vollbesetzten Casino waren 30 der 70 Besucher Menschen türkischer Herkunft. Fragen stellten sie zur türkischen Sprache, die auch viele französische Elemente enthält, zum Islam und seinen verschiedenen Ausprägungen sowie der politischen Ausrichtung der aktuellen Regierung. Persönlich interessierte die Gäste, ob die Vortragenden zu Hause Türkisch oder Deutsch sprechen, und sie hatten Nachfragen zu der Biografie der Referenten.
Irritiert seien die deutschen Mitbürger am ehesten, so erzählt Tahir Dogan, von der Kleidung der Muslime, insbesondere über das Kopftuch, das die Frauen aus religiöser Überzeugung tragen, und nicht, weil sie gegen Europa sind, und der Fastenmonat Ramadan fällt den Wittlichern auf.
Besonders an den Wittlicher Türken ist, dass sie ein intensives Verhältnis zu den örtlichen Behörden haben. Tahir Dogan: "Es gibt natürlich auch in Wittlich Integrationsprobleme, aber wir arbeiten eng und offen mit den Behörden zusammen und haben viel Kontakt zu Wittlichern, auf der Arbeit, in der Schule oder der Familie."
Das bestätigt auch Hacer Sarioglu, die stellvertretende Vorsitzende im Beirat für Migration und Integration ist: "Vonseiten der Wittlicher und auch von unserer Seite wird hier sehr viel für die Integration getan, das ist noch lange nicht überall in Deutschland so. Wittlich ist da ein positives Beispiel." Wichtig für das Zusammenleben findet die Industriekauffrau und Dolmetscherin, dass sich die Wittlicher Türken auch untereinander sehr gut verstehen und füreinander da sind. Zum Schluss des Abends tanzten vier türkische Kinder in Originaltracht. chb

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