Türmchen bietet Platz für Fantasie

Wittlich · Wittlichs älteste Immobilie ist Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die ab 1291 angelegt wurde. Die Wittlicher nennen diesen Zeitzeugen Türmchen. Es steht leer. Der TV hat nachgefragt: Was könnte man damit machen? Die Ideen reichen von Mini-Museum bis Mini-Hotel.

Wittlich. Aus einer anderen Zeit auf Wittlich gepurzelt und stehen geblieben: So wirkt das Häuschen mit dem großen, hutförmigen Dach und den krummen Mauern an der oberen Burgstraße am Beginn der Altstadt. Seit der letzte Mieter der städtischen Immobilie gestorben ist, steht das urige Denkmal und Wahrzeichen Wittlichs leer. Die Menschen lieben es: Am Tag des offenen Denkmals standen 445 Neugierige an, um in Sechser-Gruppen einmal einen Blick in das geheimnisvolle Häuschen zu werfen, das sonst verschlossen ist. Unklar ist noch immer, wie es einmal genutzt werden soll. Der TV hat verschiedene kreative Köpfe dazu befragt.

Hermann Lewen
, Mosel Musikfestival-Macher: "Es ist ja eins der wenigen Wahrzeichen der Stadt und dokumentiert ein Stück Stadtgeschichte. Ich habe sogar noch ein gebatiktes Abbild auf dem Speicher stehen. Das Türmchen könnte eine spannende Geschichte für Künstler oder Composer in Residenz sein, also für junge Künstler, die sich dort vielleicht drei Monate in einer Art Denkfabrik einschließen."

Willi Waxweiler
, Wittlicher Heimatforscher: "Punkt eins: Es muss erhalten bleiben. Punkt zwei: Es muss zugänglich gemacht werden und zum Beispiel im Jahr über ein Mal im Monat geöffnet sein. Was man dann da bieten kann, das wird im Einzelnen genau zu überlegen sein. Ich schlage dazu ein Treffen von interessierten Bürgern vor, um darüber nachzudenken, denn ein guter Gedanke, egal woher, führt zum Ziel."

Rita Neukirch
, Wittlicher Möhne: " Darüber habe ich noch nicht viel nachgedacht. Aber gibt es nicht noch irgendwas an Kleinzeug, das man vom Schloss oder der Villa gefunden hat? Vielleicht hat die Stadt solche Exponate ja irgendwo in Kellern liegen: Die könnte man dort unterbringen."

Stefan Kutscheid
, Faco-Geschäftsführer, der aktuell einen Neubau "Palais am Türmchen" plant: Was macht man damit? Vielleicht eine Unterkunft für Pilger, die über die Touristinfo vermietet wird? Zwei Personen könnten gut da unterkommen. Ich finde, das Gebäude hat etwas unglaublich Sympathisches."

Günnes Eller
, Vorsitzender der Narrenzunft, die ein Türmchen-Motiv auf ihren Plaketten zeigt: "Der verstorbene Victor Wintrich ist doch immer mit einem kleinen Holzzug vorm Zug mitgegangen. Ich schlage ein Museum für seinen Holzzug vor, der ginge da gerade so rein. Oder ein Museum für unsere Zugorden mit 35 Millimeter Durchmesser. Schade nur, dass die mit zehn Zentimeter Durchmesser nicht reinpassen. Aber wir könnten dort unser Vereinslokal eröffnen: Die einzige Kneipe, in der sich keiner beschwert, sie sei nicht voll. Da reichen ja schon drei Mann. Oder das wird eine Adresse für die Schääl Saidt als ständige Vertretung, wäre sie dann endlich auf der richtigen Lieserseite."

Karsten Mathar, Touristinformation: "Eine Ein-Raum-Wohnung zur touristischen Vermietung. Dann hätten wir mit den Unterkünften Türmchen, Kloster Himmerod, Burg Bruch unsere Erlebnisschleife am Eifelsteig optimal angebunden. 60 bis 80 Euro die Nacht wären ein marktkonformer Preis. Die Touristinfo könnte das vermarkten."

Adi Kaspari
, der als Stechermattes am Tag des Offenen Denkmals durchs Türmchen geführt hat: "Erst mal müsste da mal was gemacht werden, zum Beispiel mal getüncht werden. Man könnte alte Bilder von Wittlich oder Möbel älteren Datums reinbringen, vielleicht auch was über Wittlicher Originale, so wie am Brunnen. Es gibt ja noch mehr bekannte Wittlicher wie Victor Wintrich, Klaus Brand, Mehse Matti. Oder ich würde ein Mal im Monat das Türmchen in Stadtführungen auf Wittlicher Platt vorstellen."

Karin Brand-Picard
, die Wittlichs vergessene Geschäfte als Miniaturen nachbaut und immer zur Weihnachtszeit in ihrem Privat-Fenster zeigt: "Wir haben es besichtigt. Das ist ja gar nicht so einfach. Ich wäre ja nicht so kühn daran zu denken, aber schon viele Menschen haben mir gesagt, ich müsste mal meine Sachen ausstellen. Angenommen, es würde ein kleines Bastelmuseum mit Vitrinen, hätte ich nichts dagegen. Aber dann müsste ja immer jemand da sein." sos