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TV-Serie über jüdische Friedhöfe: Diesmal Lösnich

TV-Serie : Jüdischer Friedhof in Lösnich: Letzte Ruhe unter Pappeln

In unserer TV-Reihe über jüdische Friedhöfe geht  es diesmal um Lösnich. Dort stehen 14 Grabsteine. Und alle tragen den Namen Schömann oder Kaufmann.

Auf der Bank vor dem jüdischen Friedhof neben hohen Pappeln hat man einen sehr schönen Blick auf die Weinlagen Erdener Treppchen,  Ürziger Würzgarten und Kröver Nacktarsch. Das Metalltor, durch das man den Friedhof betritt, ist ein besonderes. Es zeigt einen siebenarmigen Leuchter und zwei Davidsterne. „Die beiden Sterne stehen für die beiden jüdischen Friedhöfe. Vor diesem hier gab es einen weiteren, dessen Lage bekannt ist, wo aber keine Steine oder Umrandungen mehr stehen“, erklärt Werner Gessinger, der sich seit einigen Jahren mit dem jüdischen Leben im Ort sowie dem Friedhof beschäftigt und der das Tor selbst gemacht hat.

14 Grabsteine stehen auf dem hinteren Teil der 250 Quadratmeter großen Ruhestätte. Auffällig ist, dass alle hier beerdigten Personen entweder Schömann oder Kaufmann heißen. Diese Namen kommen im Ort auch häufig bei der katholischen Bevölkerung vor. Die Ursache für die vielen Schömanns und Kaufmanns liegt in einer Anordnung Napoleons aus dem Jahr 1808, in der gesagt wurde, „dass alle Untertanen unseres Reiches, welche sich zum hebräischen Kultus bekennen, deutsche Familiennamen annehmen müssen“, wie Werner Gessinger erklärt.

Zu Nachfahren der jüdischen Familien aus dem Ort gibt es immer noch Kontakt. Even Kaufmann, ein Ururenkel der Familie Kaufmann, war hier am Grab seiner Vorfahren. Er spielte als erster jüdischer Spieler nach dem Zweiten Weltkrieg für die deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. 2012 war er mit der deutschen Mannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft, die in Schweden und Finnland stattfand.

Kaufmanns Großvater wurde in Lösnich geboren, überlebte das  Konzentrationslager Stutthof und wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA aus. Kaufmanns Urgroßvater wurde im Ghetto von Lodz und seine Urgroßmutter im KZ Auschwitz ermordet. Zu Nachfahren der Familie Schömann, die in der Nähe von Paris leben, gibt es ebenfalls noch Beziehungen.

Die jüdischen Familien Lösnichs, sind schon zu Beginn der NS- Zeit aus dem Ort geflohen, entweder in größere Städte oder andere Länder. Zum Verhältnis zwischen Juden und Christen gibt es kaum Dokumente.

Die ersten jüdischen Bewohner gingen nach Zeltingen zum Gottesdienst, über das „Judenpädchen“. Als Lösnich eine eigene Synagoge hatte, kamen auch Bausendorfer hierher. Sie durften im gegenüberliegenden Moselort Kinheim aber nur eine Straße benutzen, denn Kinheim gehörte zum Kröver Reich, indem Juden unerwünscht waren. Diese Straße heißt heute noch Judengasse.

Seit 1714 lebten Juden im Lösnich, die erste Beisetzung auf dem Friedhof fand 1885 statt, angelegt worden ist er aber schon zwei Jahre vorher. In den 14 Gräbern sind auch fünf Kinder mitbeigesetzt worden.

Die Inschriften auf den Grabsteinen sind kaum noch lesbar. Es sind keine ganz einfachen Grabsteine, aber auch keine Monumente, sondern mit Blumenranken oder Kränzen verzierte Steine. Ein doppeltes Grabmal zeigt sich berührende Hände zweier Personen, was aber laut René Richtscheid vom Emil-Frank-Institut in Wittlich keinen liturgischen, sondern einen privaten Hintergrund hat.