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TV-Serie: „Verliebt in alte Steine“: Meyer“ Haus in Hetzerath

TV-Serie : Man muss einem alten Haus vertrauen

In der Region gibt es sehr viele liebevoll restaurierte Häuser, die eine lange, bewegte Geschichte haben. Ihre Besitzer haben sie mit viel Fingerspitzengefühl renoviert. In der Serie „Verliebt in alte Steine“ stellen wir einige Häuser und ihre Bewohner vor. Den Anfang macht das „Meyer“ Haus in Hetzerath.

Imposant wirkt die alte Scheune des „Meyer Hauses“ in der Kirchstraße in Hetzerath. Mit einem Satteldach, aus Sandstein gebaut, mit kleinen Rundbogenverzierungen und zwei Toren. Der Besucher ahnt, dass es sich hier um einen besonderen Bau handeln muss. Tatsächlich waren Haus und Scheune eine Pferdewechselstation der Post, deren Route durch Hetzerath führte. Das erklärt auch Größe und Architektur. Um die Jahrhundertwende kam das Anwesen in den Besitz der Familie Meyer und hat so den Namen „Meyer Haus“ bekommen.

Durch die Scheune sind auch Constanze Küsel und Daniel Thull auf das Gebäude aufmerksam geworden. Sie erzählen: „Ein Bekannter hatte uns gebeten, die Scheune mit ihm anzusehen. Als wir da waren, hat uns die ehemalige Besitzerin auch das Haus gezeigt.“

Sofort haben die beiden Kunsthistoriker gesehen, dass hier viel Potenzial ist. „Die Räume waren wenig überformt, es gibt hohe Decken, große Fenster und die Türen waren noch im Original- Zustand. Erst einmal haben sie sich aber einige Monate genommen, darüber nachzudenken, ob sie das Haus kaufen möchten, „denn mit der Größe des Anwesens muss man schon umgehen können“, sagen sie. Zudem hatte das Paar Bedenken, aus der Stadt wegzuziehen. Zuvor hatten sie in Trier gelebt.

Doch die pfleglich behandelte Substanz des Hauses und die Würde, die es ausstrahlt, trugen dazu bei, dass sie sich für das Anwesen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden. Bereut haben sie es bisher nicht. „An die Größe gewöhnt man sich schnell“, sagt Daniel Thull lachend und seine Lebensgefährtin ergänzt: „Das Haus hatte viele Überraschungen für uns, und die meisten waren positiv“.

Es kamen beispielsweise unter vielen Schichten Tapete und Farbe sehr schöne Schablonenmalereien zum Vorschein. Constanze Küsel hat davon die Formen aufgenommen und sie entweder behutsam ergänzt oder als Reminiszenz an das Haus auf einer Wand als Blickfang aufgetragen.

Erhalten ist auch noch die Schwarzküche, Teile der Wandschränke, und der Räucherkammer sowie Fußböden und ein Erker, der als Toilette genutzt wurde. Alte Eichenböden und Schmuckformen, die sich im gesamten Haus wiederfinden, zeigen, dass hier Menschen gelebt haben müssen, die viel in das aufwendige Dekor und hochwertiges Baumaterial investiert haben.

Sie hatten zudem einen eigenen Stil, der sich durchs Haus zieht. Daniel Thull meint: „Man muss so einem Haus auch vertrauen. Wir waren mit verschiedenen Gewerken hier, es war trocken und von der Substanz her gut und dann haben wir uns daran gewagt.“

Bei dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, hat das Paar vieles selbst gemacht. Böden, Decken und Wände haben sie bearbeitet. Im Hof haben sie den Beton herausgeklopft, um die original Steinbefestigung wieder sichtbar zu machen. Das Haus hatte keine Heizung, als sie es gekauft haben und sie haben sich für eine Wandheizung entschieden, die angenehme Wärme ausstrahlt und im Raum nicht störend wirkt, weil man sie unter dem Lehmputz nicht sieht. Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz empfand das Paar als sehr gut, denn sie wollten gerne mit Naturmaterialien wie Kalk und Lehm arbeiten. „Da gab es keine Reibungspunkte“, fassen sie zufrieden zusammen.

 In der Scheune hatten früher die Pferde Platz.
In der Scheune hatten früher die Pferde Platz. Foto: Christina Bents

Inzwischen haben die beiden auch Lieblingsplätze in ihrem neuen Zuhause, einer davon ist eine Bank im Garten des Hauses vor einem alten Buchsbaum mit Blick in die Natur und auf die Rückseite des Hauses. Dort können sie ein wenig verschnaufen, denn das Haus bietet noch einige Herausforderungen, die sie aber gerne annehmen.