Polizei : Twitterperlen aus Wittlich

Der Super Bowl. Das größte Sportereignis der Welt. Moderator Christoph Dommisch sitzt im Stadion in Atlanta (USA) und lacht. „Die Polizei Wittlich hat uns jetwittert“, sagt er mit Berliner Akzent und zeigt einen Beitrag, in dem zwei Polizisten der Polizeiinspektion Wittlich American Football spielen.

„Hoffen wir, dass die heute Nacht nicht so viele Einsätze haben.“ Durchschnittlich knapp zwei Millionen Fernsehzuschauer sehen allein in Deutschland, wie der besser als „Icke“ bekannte Moderator den Tweet aus der Säubrennerstadt vorliest.

Der Beitrag ist nur einer von vielen, den das Twitter-Team der Polizeiinspektion Wittlich seit dem Start ihres Kanals im September abgesetzt hat. Doch er ist der erfolgreichste. Dabei war der Ansporn hinter dem Pilotprojekt nicht, es beim Millionenevent ins Fernsehen zu schaffen. „Wir wollen zeigen, dass wir Polizisten auch ganz normale Menschen sind“, sagt Martin Lieser, einer der Polizei-Zwitscherer, „auch wir sind sportbegeistert und haben Humor.“

Diesen zeigen sie auf dem Kanal immer wieder. Da wird von einer Dschungelprüfung bei einem Wasserrohrbruch, einem Heiratsantrag und einem nicht ganz so guten Versteck für einen Joint getwittert (siehe Fotos). Über den Kurznachrichtendienst wolle die Polizei „einfach und schnell mit dem Bürger kommunizieren“, sagt Dienstgruppenleiter Ralf Orth. Die Ziele, die hinter dem Projekt stehen sind vielfältig. Neben dem Spaß, den das Twitter-Team selbst beim Abschicken der kurzen Texte hat, möchte man auch die Arbeit der Polizei „transparent darstellen“, sagt Dienststellenleiter Dominik Sienkiewicz. Auch die Nachwuchsgewinnung könnte durch die Aktivitäten verbessert werden.  Die Initiative dazu, sich ein Profil bei Twitter zu erstellen, entstand im vergangenen Sommer. Nachdem sich die Polizisten die Erlaubnis für das Pilotprojekt eingeholt hatten, wurde im September fleißig losgezwitschert. Im Team befinden sich fünf Beamte, die immer wieder etwas schreiben. „Aber auch andere, teilweise ältere Kollegen zeigen Interesse und sagen immer mal wieder ‚wollt ihr das nicht bei Twitter reinstellen?’“, sagt Sienkiewicz. Das Projekt darf nun zunächst für ein Jahr laufen, dann werde geprüft wie erfolgreich es ist und eventuell verlängert.

Immer wieder nehmen die Beamten ihre Abonnenten mit auf die Nachtschicht. Unter dem Motto „#seiddabei“ wird direkt aus dem Streifenwagen gezwitschert, was erlebt wurde – positiv wie negativ. Doch Twitter bei der Polizei ist nicht nur Spaß und netter Zeitvertreib, sondern könnte in Zukunft auch wichtig für die tägliche Arbeit werden. „Wenn wir mal eine Großlage haben“, sagt Martin Lieser, „dann können wir schnell mit vielen Menschen Kontakt aufnehmen. Und die Aktivitäten zeigten auch schon ganz konkret Wirkung. Mitte Januar kontrollierten die Polizeibeamten morgens die Fahrtüchtigkeit von LKW-Fahrern. Ernüchterndes Ergebnis: Fünf von 14 Fahrern waren alkoholisiert und durften gar nicht erst losfahren. Dieses Ergebnis twitterte die Polizei. Eine Woche später kontrollierten die Beamten erneut an dieser Stelle – ohne Beanstandungen.

Eins darf beim schreiben nie fehlen. Der Hashtag #Säubrennerpolizei hat sich auf dem Kanal eingebürgert. Und es sogar zum Superbowl geschafft.

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