Üben, vertiefen und gestalten

Die Grundschule Wintrich startet im Sommer 2008 mit einem erweiterten Betreuungsangebot.

Wintrich. (urs) Ganztagsschulen machen es kleineren Schulen zunehmend schwer, sich zu behaupten. Da sie die Mindestteilnehmerzahl kaum erreichen können, bleibt es nicht aus, dass Schüler zu benachbarten Ganztagsschulen "abwandern".Die Grundschule Wintrich steuert ab dem Sommer 2008 mit einem erweiterten Betreuungsangebot dagegen. Seit 2002 können Schüler dort bis 14 Uhr betreut werden, was derzeit 13 Schüler, etwa 50 Prozent, nutzen. Eltern können sogar wählen, ob sie ihre Kinder um 13 Uhr oder um 14 Uhr abholen oder ab dem nächsten Schuljahr um 16 Uhr. "Wir können da auf die individuellen Wünsche Rücksicht nehmen", erklärt Schulleiterin Ursula Casel. Das Angebot schließt zudem ein warmes Mittagessen ein. Außerdem eine Hausaufgabenbetreuung, bei der in kleinen Gruppen Üben, Wiederholen und Vertiefen im Vordergrund stehen. Daneben sind künstlerische und musische Angebote vorgesehen, für die eine entsprechend ausgebildete Erzieherin eingestellt werden soll. Abgesehen davon können die Kinder sich Themen wie Wale oder Weltraum aussuchen. Zu diesen können sie dann via Internet oder aus Büchern Informationen sammeln oder mit Ton oder Farben gestalterisch aktiv werden. Autogenes Training oder "Traumreisen" runden die Angebote ab.Anders als bei einer Ganztagsschule seien aber keine parallelen Angebote möglich, erklärt Casel. Die Entscheidung der Schule begründet sie damit, dass immer mehr Elternteile berufstätig seien. Die Schule wolle diejenigen entlasten, die auf eine Betreuung angewiesen seien. Gleichzeitig erhielten die Kinder die Chance, auch Angebote im Dorf wahrzunehmen. "Die Schule im Ort hat ja ihren Wert", betont Casel. So seien die Schüler weiter ins Vereinsleben eingebunden wie im Wintricher Kinderchor oder bei den Passionsspielen. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele Bindungen verloren gingen, sei es wichtig für Kinder, "ein Netzwerk zu haben, in dem sie sich geborgen fühlen können". Ortsbürgermeister Dirk Kessler sieht in dem Konzept "eine wirklich gute Alternative zu einer Ganztagsschule". Zum einen sei es mit wesentlich weniger Investitionen verbunden, zum anderen beinhalte es keine Verpflichtung, was die Freizeitgestaltung der Kinder erleichtere. Auch Michaela Rudnik vom Elternbeirat begrüßt das Konzept. Sie kämpft schon seit Jahren dafür, "dass die Schule im Dorf bleibt". Der große Vorteil sei die Flexibilität, was etwa Eltern schätzten, die nur zwei oder drei Tage die Woche arbeiteten. In der Verbandsgemeinde gibt es laut Sachgebietsleiter Manfred Knob derzeit zehn Grundschulen mit Betreuungsangebot. Zusätzliche Kosten des in Wintrich von Bürgermeister und Schule an gegangenen Erweiterungskonzeptes werde die Verwaltung tragen.