Über Stock und über Stein

MORBACH/HERMESKEIL. Der geplante Saar-Hunsrück-Steig nimmt langsam Formen an. Ein Fachmann aus Immenstadt vermisst die exakte Route des 185 Kilometer langen Premiumwanderwegs. Punktgenau legt er fest, wie der Weg verläuft und wo Wegweiser und andere Markierungen befestigt werden.

Der Mann ist wetterfest. Und er muss es auch sein. Tag für Tag fährt Michael Holzmann mit seinem Quad durch den Wald. Und zwar nicht über die breiten "Forst-Autobahnen", sondern, wie es in einem alten Kinderlied heißt, "über Stock und über Stein". Bei Wind und Wetter ist er unterwegs. Meter für Meter fährt er die 185 Kilometer des Saar-Hunsrück-Steigs von Mettlach und Trier nach Idar-Ober-stein ab. Er vermisst den kompletten Streckenverlauf des Premiumwanderwegs im Auftrag des Naturparks Saar-Hunsrück. Nur wenn die empfindliche Technik streikt, dann bricht er seine Tour ab. Neben Quad und Geländewagen hat der Projektleiter GPS-Receiver und Computer, inklusive einem geografischen Informationssystem (GIS) im Gepäck. GPS ist ein satellitengestütztes Navigationssystem, wie es beispielsweise auch in Autos Verwendung findet. Mit dem handtellergroßen Receiver kann er ermitteln, wo er sich gerade befindet. Im Computer hält er punktgenau fest, wo künftig ein Wegweiser im Boden stecken oder eine Plakette mit dem Logo des Saar-Hunsrück-Steigs an einem Baum befestigt werden soll. Das grün-blaue Logo ist eine so genannte "Wort-Bild-Marke" und deutet einen geschwungenen Pfad zwischen Wald und Wasser an. Bis Holzmann seinen Quad anwerfen und quer durch die schöne Hunsrücklandschaft fahren durfte, war viel Vorarbeit nötig. In Kooperation mit dem deutschen "Wanderpapst", Rainer Brämer, vom Projektpartner Wandern Dr. Brämer/Gruber GbR in Marburg, wurde eine grobe Streckenführung ausgearbeitet, die von dafür ausgebildeten Wanderscouts konkretisiert wurde. Auf dieser Grundlage machte sich Holzmann auf den Weg, nicht ohne zuvor Waldbesitzer, Forstämter und Kommunen kontaktiert zu haben. So viel Brimborium für einen Wanderweg, mag sich mancher fragen. Der Aufwand müsse sein, versichert Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks, die an dem Tag mit von der Partie ist. Denn schließlich soll der Saar-Hunsrück-Steig ein Premium-Fernwanderweg werden, vergleichbar mit dem Rothaarsteig im Sauerland oder dem noch ganz jungen Rhein-Steig. Wichtigstes Kriterium ist der hohe Erlebniswert. Weg muss "unverlaufbar" sein

Möglichst häufig sollen sich Landschaft und Bodenbeschaffenheit verändern, betont Rau weiter. Auch reizvolle Ausblicke dürfen nicht fehlen. Und der zweite nicht minder wichtige Aspekt: Der Weg muss "unverlaufbar" sein. Auch Wanderer, die keine Karte zur Hand haben, müssen sich zurechtfinden. Alle drei bis vier Kilometer steht deshalb ein auffälliger Wegweiser - an Kreuzungen und Gabelungen sowieso. Die Plaketten an den Bäumen kommen erheblich häufiger vor. Trotz detaillierter Vorplanung: Hindernisse gab es genügend. So gab das Forstamt Dhronecken nach Holzmanns Auskunft beispielsweise keine Erlaubnis für das Anbringen der Plaketten. Sie werden üblicherweise mit Alu-Nägeln befestigt, ein Verfahren, das für den Baum selbst und später auch im Sägewerk völlig unproblematisch sei. Nun könne es sein, dass im selben Naturpark, im selben Wald nur wegen unterschiedlicher Zuständigkeit die Hinweise teils angenagelt, teils aufgesprüht werden - in der Außendarstellung problematisch und aus der Sicht des Projektleiters aus Immenstadt "völlig unverständlich". Noch gravierender ist die Entdeckung, dass der Weg zwischen Morbach und Langweiler über eine längere Strecke auf einem mehrere Meter breiten Forstweg verläuft. "Das gibt einen Punktabzug", ist Rau überzeugt. Schließlich soll der neue Weg zertifiziert werden. Eine solche Streckenführung wäre kontraproduktiv. Nach einer Alternative wird noch gesucht. Einen weiteren Rückschlag hatte das ehrgeizige Projekt zu verkraften: Die Verbandsgemeinde Birkenfeld schied im Sommer aus. "Dafür haben wir allerdings eine gute Lösung gefunden", versichert Rau. Der Weg verläuft mittlerweile auf Flächen des Staatswaldes. Das Gespräch ist kurz. Schnell drückt Holzmann wieder aufs Gas. Denn Tempo ist angesagt bei dem ehrgeizigen Projekt. Denn ab Mai soll der fertiggestellte und zertifizierte Weg vermarktet werden.