Übermütig und mit viel Gefühl

MORBACH. (urs) Nach einer "flammenden" Vernissage setzen "Klezmers Techter" in Morbach musikalische Akzente bei "Kunst im Gewächshaus".

Viel Gefühl ist im Spiel, wenn "Klezmers Techter" sich mit der Musik der Klezmorim, jüdischer Wandermusikanten, in die Herzen ihres Publikums spielen. Und doch geht es dabei alles andere als traurig zu. Denn die Vollblut-Musikerinnen entlocken ihren Instrumenten mehr als schlichte Töne. So entspinnen sich während ihres Gastspiels bei "Kunst im Gewächshaus" Plaudereien zwischen Klarinettistin Gabriela Kaufmann, Flötistin Sabine Döll und Franka Lampe (Akkordeon). In einem musikalischen Wortgefecht fordern sie sich übermütig immer wieder zu Hochleistungen der Improvisation heraus. Mal keck, mal trotzig auf den letzten Ton beharrend, demonstrieren sie die Klangvielfalt ihres Ensembles. Für die knapp 100 Besucher ein echter Leckerbissen, der ihnen da zwischen Pflanzen, Gemälden und Skulpturen mit einer Zugabe versüßt geboten wird. "Ein schöner Abend", kommentiert Reinhold Detemple das gut zweistündige Konzert. Für den Hermeskeiler war es die erste Begegnung mit "Klezmers Techtern", die bereits vor vier Jahren in Morbach gastierten. Im Gewächshaus sei er aber öfter, weshalb er auch Informationen über Veranstaltungen erhalte. Der Termin "Kunst im Gewächshaus", ausgerichtet vom gleichnamigen Verein, wäre ihnen aber eh nicht entgangen, so Gattin Anita: "Wir hatten sowieso schon ein Auge drauf." Das gilt auch für Christine Decker und Ehemann Etienne, die wie ihre Freunde von Anfang an im Gewächshaus dabei sind und das jedes Jahr, wie die Morbacherin versichert. "Wir sind große Freunde dieser Veranstaltungen und immer sehr begeistert." Was da an Kulturellem geboten werde, sei toll und sehr ansprechend. Zaungäste der Feuer-Performance am Vorabend dürften das nicht anders sehen. Künstlerin Erika Enders kreierte unter freiem Himmel Bilder, auf denen das Feuer Spuren hinterlässt. "Mein Material ist die Flamme", erklärt Enders ihre "Prozesskunst". Sie habe keinen Pinsel in der Hand, sondern brennende Pfeile oder ein Streichholz. Mit diesem zündet sie zum Beispiel eines von Hunderten Zündhölzern an, die sie zuvor fein säuberlich aneinander gereiht in eine Gipskartonplatte gesteckt hat. Das Überspringen der Flamme von Köpfchen zu Köpfchen gibt ihr Raum für den "gelenkten Zufall". Was Enders an ihrer Arbeit fasziniert, ist der Vergänglichkeitsprozess. Beim Verbrennen versuche sie, das Lebendige festzuhalten. Die Resonanz auf das Kunst-Wochenende ist laut Bruni Kluß vom veranstaltenden Verein positiv. Die Vernissage sei wunderschön gewesen und die präsentierte Kunst gut angekommen. Was aber nicht zuletzt mit den Räumlichkeiten zu tun habe: "Die Atmosphäre in diesem Haus ist unübertrefflich." Doch auch das Rahmenprogramm habe gestimmt. So etwa die Idee von Moderator Gerald Kessler, die Künstler mit kleinen Interviews vorzustellen.