Überquellende Mülltonnen sorgen für Ärger

Überquellende Mülltonnen sorgen für Ärger

Ausgerechnet über den Jahreswechsel sind die Wintricher drei Wochen auf ihrem Müll sitzen geblieben. Obwohl das rein bürokratische Gründe hat, lenkte die Kreisverwaltung nicht ein.

Wintrich. Bei allem Frust über übervolle Mülltonnen ärgert sich Ulla Wendland über etwas noch viel mehr: die fehlende Bereitschaft der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, eine Kulanzregelung auch nur in Erwägung zu ziehen. Dass der Müll im Moselort Wintrich zu Beginn des neuen Jahres erst nach drei statt wie sonst nach zwei Wochen abgefahren wurde, wäre dann viel erträglicher gewesen. "Über die Feiertage war meine Ferienwohnung durchgehend belegt und die Mülltonne übervoll", erzählt Wendland. Ihre Nachfrage bei der Kreisverwaltung, ob ausnahmsweise Tüten neben der Tonne abgestellt werden dürften, brachte jedoch nichts. Zusätzlicher Müll werde nur mitgenommen, wenn er in gebührenpflichtigen Restmüllsäcken (je Sack 3,45 Euro) stecke, hieß es. Die sind aber nicht in jedem Ort erhältlich. Um nicht auf dem Abfall sitzen zu bleiben, habe mancher Wintricher seine Tüten zu Verwandten oder Bekannten gebracht, deren Tonnen weniger voll gewesen seien, berichtet Wendland.

Alexandra Reinhard sah sich vor ähnliche Probleme gestellt. Bei einem Vier-Personen-Haushalt wie dem ihren sei die Tonne alle zwei Wochen proppenvoll. Daher hätte auch sie ein Entgegenkommen der Kreisverwaltung erwartet. Doch die Mitarbeiter der Müllentsorgung seien angewiesen, zusätzlich abgestellte Tüten oder Säcke stehen zu lassen - ebenso wie übervolle Tonnen mit offen stehendem Deckel. Für Reinhard ist das nicht nachvollziehbar: "Man hätte die Leute vorher informieren müssen, dass bis zur nächsten Müllabfuhr drei Wochen vergehen." Zumal einige Leute schon den vorherigen Termin verpasst hätten. Denn der sei in Wintrich auf Heiligabend vorverlegt worden.

Die offizielle Pressemitteilung war laut Pressesprecher Manuel Follmann aber erst im neuen Jahr in den Kreisnachrichten zu lesen. Ursache des späteren Abfuhrtermins sei das Aufeinandertreffen zweier ungerader Kalenderwochen zum Jahreswechsel gewesen. Außerdem seien die Entsorgungstouren teils neu zusammengestellt worden. Das Beistellen von Tüten sei nicht gestattet worden, um die "Gebührengerechtigkeit und Gleichbehandlung" aller Bürger zu wahren.

Ähnlich wurde auch eine Anfrage von Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, beschieden. Er hatte gebeten, nach einer "bürgerfreundlichen Lösung" zu suchen. Der zuständige Dezernent antwortete jedoch, zum Jahreswechsel habe es in mehreren Orten zeitliche Verschiebungen gegeben. Ähnliche Anfragen seien ebenfalls abschlägig beschieden worden.

Ortsbürgermeister Dirk Kessler, der sich nach Bürgerbeschwerden und erfolglosen Anfragen beim Kreis an die Verbandsgemeinde gewandt hatte, bedauert diese Haltung. Dass sich seine Hoffnung auf eine "unbürokratische Regelung" nicht erfüllt habe, beweise einmal mehr, dass "Bürgernähe schon auf der untersten Ebene nicht funktioniert und eine gewisse Arroganz dem Bürger gegenüber vorherrscht". Es sei schlichtweg skandalös, die Leerung der Mülltonnen um eine Woche zu verschieben - und obendrein zu einer Zeit, in der extrem viel Müll anfalle.

Meinung

Ein Anruf reicht

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heißt es. Der Wille, einmal alle fünfe gerade sein zu lassen, war bei den überquellenden Mülltonnen nicht vorhanden. Wahrscheinlich hätte ein Anruf des zuständigen Mitarbeiters der Kreisverwaltung mit der Entsorgungsfirma gereicht und das Problem wäre erledigt gewesen. Was jetzt passiert, ist klar: Die Zahl der Leute, die sich über Verwaltungen und Bürokratie ärgern, steigt weiter. Wer ist eigentlich für wen da? Die Verwaltung für den Bürger oder der Bürger für die Verwaltung? c.beckmann@volksfreund.de

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