"Uff Wallfaohrt für de Pitter"

In Zeiten der Globalisierung und Anglizismen in Wort und Schrift scheint es umso wichtiger zu sein, sich auch sprachlich an seine Wurzeln zu erinnern. Die Initiatoren des Moselfränkischen Mundartabends im Bürgerhaus Hetzerath beweisen dies mit einem bunten Programm.

Hetzerath. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur - dies unterstreicht Verbandsgemeindebürgermeister Dennis Junk in seiner Begrüßungsrede zum Moselfränkischen Mundartabend in Hetzerath. Dass er einer von hier ist, lässt sich nicht überhören. "Jed Doarf schwätzt annischd" stellt er fest und demonstriert die Vielfalt der Dialekte in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land neu am Beispiel "Kinder", aus denen Kunner, Kanner, Kinner und Kenner werden.
Humorvoll und mit sichtlicher Begeisterung für sein Tun moderiert der VHS-Programmleiter Walter Feltes durch den Abend, musikalisch unterstützt von Chris Oberweis und Söhne. Von Süden nach Norden, von Hetzerath nach Manderscheid, geht die Reise.
Den Auftakt machen Brigitte Gressnich und Renate Huberty. Anmoderiert als "besser als das Goldene Blatt" nehmen die zwei Frauen als Hetzerather Traschtanten auf der "Wallfaohrt für de Pitter" jedenfalls keines vor den Mund. Sie erklären als Hetzerather Rummelwäscher, was an einem Bach alles passieren kann, und auch die gute alte Zeit wird aufs Korn genommen, als die Tageszeitung noch als Hygieneartikel hergehalten hat.
Dass Brauchtumspflege durchaus jung halten kann beweisen die nächsten Vortragenden. Das "Dreiser Original" Katharina Pawelke begeistert die knapp 100 Zuschauer mit Auszügen aus ihrem Buch "Vatta, käf da'n Esel" und erklärt, warum "ebbes" das wichtigste Wort überhaupt ist, und die mit92 Jahren älteste auf der Bühne, die Binsfelderin Marianne Reiff, philosophiert über ausgediente Wetterhähne und ein ungewöhnliches Rheumarezept. Gedichte von Peter Zirbes, vorgetragen von Oskar Lautwein und Melitta Lautwein, zeugen vom mitunter sehr derben Humor des Dichters. Den beweist auch Peter Schmitz aus Plein bei seinem Referat über die Vielfalt der Bieren, also Birnen. Zum Schluss gibt es Mund-Art statt Mundart: Bauchredner Jürgen Krämer und seine sprechende Puppe Horst strapazieren noch einmal die Lachmuskeln. bg