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Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, wurde in den Ruhestand verabschiedet

Abschied von Ulf Hangert : Er kam als Nordlicht, er geht als Moselaner

300 Gäste haben Ulf Hangert, 20 Jahre lang Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, in den Ruhestand verabschiedet. Die kurzweilige Marathonveranstaltung zeigte: Der gebürtige Kieler hat viele Freunde und eine neue Heimat gefunden.

Von wegen kühles Nordlicht. Als Ulf Hangert seine Abschiedsrede beendet hat und ihm seine 300 Gäste stehend danken, legt er die rechte Hand mehrfach auf sein Herz und verbeugt sich. „Jetzt fällt mir der Abschied noch schwerer“, sagt er. Spätestens da wird auch dem Letzten in der Moseltalhalle in Piesport klar: Der gebürtige Kieler ist längst ein Moselaner geworden.  Nach 20 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues beginnt ein neuer Lebensabschnitt, auf den der 68-Jährige gut vorbereitet scheint.

Wehmut ist da, die große Halle ist während des dreistündigen Verabschiedungsmarathons aber auch ein Ort des Humors. Hangert trägt auch dazu bei. „Meinem Vater hätte das hier gefallen, und meine Mutter hätte alles geglaubt, was gesagt wurde“, bemerkt er bei seinem letzten großen Auftritt als Verwaltungschef der „schönsten Verbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz“. Es wird viel geredet. Leo Wächter, ab dem 1. Februar Hangerts Nachfolger, skizziert den Weg des Mannes, dem er jahrelang als ehrenamtlicher und zuletzt als hauptamtlicher Beigeordneter zur Seite stand. Dabei, wie auch bei den Worten von Landrat Gregor Eibes, wird klar: Sie verabschieden nicht nur einen Kollegen, sondern auch einen Freund. Leo Wächter zitiert das Motto, mit dem Ulf Hangert im März 2000 sein Amt antrat: „Mut zu Neuem, Chancen ergreifen, Zukunft sichern, aber Identität wahren.“ Das habe er wahr gemacht. „Es war eine Freude und Ehre, mit dir zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Wächter.

Die VG Bernkastel-Kues wird 50 Jahre alt. „Ulf Hangert hat sie ein gutes Stück mitgeprägt“, sagt Landrat Gregor Eibes. „Ein Nordlicht an der Mosel?“, habe der Volksfreund damals getitelt. Das Fragezeichen sei längst verschwunden. Eibes: „Du kannst sehr stolz sein. Als Auswärtiger bis du gekommen, heute bist du mit Leib und Leben Moselaner.“

Die Sprecher der Fraktionen im VG-Rat, Nora Wippermann (CDU), Reinhard Grasnick (SPD), Michael Thomas (Freie Bürgerliste), Johannes Politz (Grüne) und Robert Wies (FDP), halten sich erfreulich kurz. Durchaus bemerkenswert: Reinhard Grasnick nimmt das von Leo Wächter erwähnte Hangertsche Motto auf. „Sie haben Wort gehalten“, lobt er den CDU-Mann. Aloysius Söhngen, Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, Joachim Rodenkirch (Wittlich) als Vertreter der Bürgermeisterkollegen aus dem Kreis, Wolfgang Port für die Stadt Bernkastel-Kues und die 22 Orte der VG, Willi Günther als Vertreter der Schulen und Behörden und Josef Weber, Vorsitzender des Personalrats, runden den Reigen der Redner ab.

Hangert, ein Genussmensch, bekommt viele Geschenke. Vor allem – was Wunder – Wein. Originell ist das Mitbringsel von Willi Günther. Der gebürtige Saarländer überreicht Hangert eine Grubenlampe aus dem Bergbau. Damit könne er unter anderem seinen Weinkeller in Brauneberg ausleuchten. Die originellste Rede hält, auch das kein Wunder, Wolfgang Port. Am Anfang sei Hangert ein „No Name“ und für einige sogar ein „No Go“ gewesen, ein „Flachländer“, dem es schon auf der Graacher Schäferei schwindlig geworden sei, ein „Wikinger ohne rote Haare“. Er habe die Bürgermeister in der VG im Griff gehabt – zumindest weitgehend. Er sei auch in der eigenen Partei manchmal gegen den Strom geschwommen. „Loszulassen wird ihm nicht leicht fallen. Er wird es aber nicht zugeben“, sagt der Bernkastel-Kueser Stadtbürgermeister.

Verabschiedung Ulf Hangert. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Der Kunstfreund Hangert wird auch noch anders erfreut. Gudrun van Brandwijk, Mitarbeiterin der Bauabteilung der VG, singt. Mal mit Klavierbegleitung von Werner Knopp, mal mit Wolfgang Port an den Tasten und Josef Weber an der Gitarre. Sie hat das Lied „La Paloma ade“ von Hans Albers umgeschrieben und lässt bei „Bürgermeister ohe, Bürgermeister ade“ auch einige Stationen von Hangert Revue passieren. Sie begeistert ihren Chef und das Publikum auch mit der „Ballade der Seeräuber“ von Bertolt Brecht. Dem Vernehmen nach werde Hangert im Ruhestand einen Hausmeisterservice gründen. Einzige Kundin werde, so Leo Wächter, Hangerts Ehefrau Margreta sein. Ihr dankt Hangert für die „geduldige Begleitung“. „Ich war gerne Bürgermeister, und ich war es mit ganzem Herzen“, sagt er. Der belesene Mann endet so wie in jeder Ratssitzung. Mit einem Zitat, dieses Mal mit einem Satz vom Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux: „Nur wer Tätigkeiten einschränkt, erlangt Weisheit.“ Diese Zeit beginnt jetzt für Ulf Hangert.