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Umfrage bei den Jagdmeistern der Region zu aktuellen Themen

Natur : „Die Jagd ist keine        Schädlings-        bekämpfung“

Klimawandel, zu viele Wildschweine und der Umbau des Walds sind Themen, die momentan viel diskutiert werden. Wir haben die Kreisjagdmeister, die für die Beratung der unteren Kreisjagdbehörde zuständig sind, gefragt, was bei ihnen aktuell diskutiert wird, wie Wald und Wild zusammenspielen sollten, ob es Nachwuchsprobleme gibt, was Tradition für die Jagd bedeutet und was für sie besondere Erlebnisse im Wald sind. Geantwortet haben: Uli Umbach, Kreisjagdmeister Vulkaneifel, Heinz Schulten, Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg im Landesverband Rheinland-Pfalz, Gerd Grebener, Kreisjagdmeister Bitburg-Prüm und der stellvertretende Kreisjagdmeister Bernkastel-Wittlich, Fanck Neygenfind.

Uli Umbach: „Die Kitzrettung vor dem Mähtod steht bei uns momentan im Mittelpunkt. Hier hat sich die Kreisgruppe ab diesem Jahr besonders zur Unterstützung der Landwirtschaft und der Jagd engagiert. Es wurden zwei Drohnen angekauft, die in den letzten Wochen fast allmorgentlich auf Anforderung hin, unterwegs waren.“

Heinz Schulten: „Der Verlust und die Zerstörung von Lebensraum durch Bebauung, Zersiedelung und Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema. Dadurch entsteht eine Verinselung von Populationen durch Zerschneidung der Fernwechsel und die Afrikanische Schweinegrippe sind aktuelle Themen.“  

Gerd Grebener: „Der Waldumbau zu einem stabilen Mischwald und die Afrikanische Schweinepest sind wichtige Themen. Damit es zu keiner flächendeckenden Seuche kommt, müssen die Bestände stark reduziert werden. Der Ausbreitung von Waschbären und Bisam muss Einhalt geboten werden, weil unser Ökosysteme auf sie nicht eingestellt ist.“

Franck Neygenfind: „Der Klimawandel und die Schäden durch den Borkenkäfer sind wichtige Themen. Der Wald steht im Fokus der Öffentlichkeit und es ist wichtig, die Wildbestände so anzupassen, dass der Wald sich ohne Schutz verjüngen kann.“

 

Uli Umbach: „Der Wald ist Heimat und Rückzugsort unserer meisten Wildtiere. Deshalb spielt er auch eine dominante Rolle im Wirken in und mit der Jagd. Die überwiegende Zahl der Wildtiere sind Pflanzenfresser, somit verbeißen sie auch Bäume und Sträucher, die für den Menschen ökonomisch, wie auch ökologisch, wichtig sind. Die Lebensgrundlagen des Wildes zu erhalten, aber auch einen angemessenen Beitrag zur Schadensvermeidung zu liefern, ist ein wesentlicher Beitrag der Jagd.“

Heinz Schulten: „Wald und Wild sind nicht voneinander trennbar und benötigen sich gegenseitig. Die Problematiken des Waldumbaus rein auf das Schalenwild als so genanntem „Schädling“ zu reduzieren, vereinfacht die Komplexität des Themengebietes über Gebühr und bietet keinen Lösungsansatz.“

Gerd Grebener: „Es gibt kein Wild vor Wald oder Wald vor Wild. Es geht nur im Einklang.“

Franck Neygenfind: „Es geht nur Hand in Hand und mit gegenseitiger Rücksichtnahme. In den Lebensräumen des Wilds sollte es Ruhezonen geben, Äsungsräume und der Jahresrhythmus sollte berücksichtigt werden.“

 

Uli Umbach: „Jäger haben momentan keine Nachwuchsprobleme. Neben den Kreisgruppen im LJV bilden auch Jagdschulen vermehrt Jägernachwuchs aus. Im Landkreis Vulkaneifel werden jährlich rund 15 Anwärter durch die Kreisgruppe ausgebildet und etwa 25 Anwärter in der im Landkreis ansässigen Jagdschule. Auffallend, dass der Anteil an Jägerinnen in den letzten Jahren signifikant zugenommen hat.“

Heinz Schulten: „Nein. Im März 2020 gab es 397.414 Jägerinnen und Jäger. So viele wie nie zuvor. Der Anteil der Jägerinnen nimmt ebenfalls immer stärker zu. In den Jagdkursen sind mittlerweile knapp 25 Prozent der Absolventinnen weiblich.“

Gerd Grebener: „Nein, wir haben keine Nachwuchsprobleme. Im vergangenen Kurs waren 23 Personen, die den Jagdschein machen wollten. Der Anteil an Frauen wird größer. Aber Personen, die bei den Arbeiten helfen Hirschwege freihalten oder einen Hochsitz reparieren, die fehlen.“

Franck Neygenfind: „In unseren Kursen sind jedes Jahr 20 Personen, die den Jagdschein machen wollen. Wir haben keine Nachwuchsprobleme. Dieses Jahr waren sogar fünf im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, die den Jugendjagdschein gemacht haben.“

UIi Umbach: „Jagdliche Traditionen, dazu gehören die Jägersprache aber auch die waidgerechte, also tierschutzgerechte Jagdausübung sind Teil der Jagdkultur. Zur Bejagung von Wildtieren gehört auch die Hege dieser Mitgeschöpfe.“

Heinz Schulten: „Respekt vor der Kreatur und der Natur, Respekt vor Traditionen und gleichzeitig Offenheit für technische Neuerungen.“

Gerd Grebener: „Jagd ist Kulturgut und die älteste Form der Lebensmittelbeschaffung. Ehrfurcht und Respekt vor dem Wild sind eng mit den Traditionen verbunden.“

Franck Neygenfind: „Jagdkultur ist eng mit dem Respekt vor dem Wild verbunden. Das Brauchtum gehört dazu. Jagd sollte nicht als Schädlingsbekämpfung gesehen werden.“

 

Uli Umbach: „Natürlich macht sich auch der Klimawandel bei der Jagdausübung bemerkbar. Als Beispiel seien nur die schneearmen milden Winter oder die extreme Hitze in diesen Frühsommertagen genannt. Dazu kommen in kurzer Folge auftretende Mastjahre bei Buche und Eiche, die die Jagdausübung stark beeinflussen.“

Heinz Schulten: „In Regionen wie dem Schwarzwald oder Harz hat der Borkenkäfer in den Fichtenmonokulturen leichtes Spiel. Hier gilt es, gemeinsam Lösungen für die Zukunft des Waldes mit Wild zu finden.“

Gerd Grebener: „Ja, der Klimawandel macht sich bemerkbar. Die Winter sind kürzer und nicht mehr so extrem kalt. Das ist fürs Wild gut, es kommen mehr Tiere durch, aber es muss dann auch mehr geschossen werden.“

 

Uli Umbach: „Der Wolf unterliegt nicht dem Jagd- sondern dem Naturschutzrecht. Die Eignung unserer dicht besiedelten, durch zahlreiche Straßen zerschnittenen Landschaft als Lebensraum dieser Tierart darf sehr stark angezweifelt werden. Die Probleme mit dem zweitgrößten mitteleuropäischen Raubtier sind hinreichend beschrieben und diskutiert worden. Sie werden, bei einer permanenten Besiedlung unseres Lebensraumes mit Sicherheit nicht geringer.“

Heinz Schulten: „Wir begrüßen den Wolf als Großkarnivoren in seiner Funktion als Regulator von alten und schwachen Stücken. Der LJV bekennt sich ausdrücklich zum Artenschutz einwandernder Wölfe und verurteilt illegale Tötungen und Aussetzungen. Nichts destotrotz muss das Wolfsmanagement perspektivisch entwickelt werden und im Dialog mit der Bevölkerung geführt werden.“

Gerd Grebener: „Der Wolf wird aus meiner Sicht zu sehr vermenschlicht. Daran haben auch die Naturschutzverbände eine Mitschuld. Wir brauchen eine Versachlichung der Diskussion. Der Wolf ist sehr intelligent, in manchen Bereichen schon an den Menschen gewöhnt.“

 

Uli Umbach: „Ein leidendes Stück Wild zu erlösen gehört nach wie vor zu meinen glücklichen, aber auch zu meinen traurigsten Erlebnissen. Die Arbeit mit dem gut ausgebildeten und erfolgreichen Jagdhund ist und war der Schwerpunkt meines jagdlichen Lebens. Menschen zu kennen und zu erleben, die anständig und fair mit den Wildtieren umgehen, gehören ebenso zu den positiven Eindrücken in meinem Leben.“  

Heinz Schulten: „Das schönste für mich ist immer wieder, jetzt in dieser Zeit im Team mit einer Drohne über die zu mähenden Wiesenflächen zu fliegen,dabei Rehkitze zu finden und diese dann aus den zu mähenden Flächen zu tragen, denn dies wäre der sichere Tod für die kleinen Kitze. So konnten auch in diesem Jahr wieder viele Rehkitze gerettet werden.“

Gerd Grebener: „Ein beeindruckendes Erlebnis war es, als meine Tochter, nachdem sie den Jagdschein hatte, ihren ersten Bock geschossen hat. Besondere Momente sind das Beobachten der Wildkatzen hier bei Fließem. Sie bewegen sich so grazil. Das ist ein echtes Naturschauspiel.“

 Uli Umbach, Kreisjagdmeister Vulkaneifel.
Uli Umbach, Kreisjagdmeister Vulkaneifel. Foto: privat
  Heinz Schulten, Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg im Landesverband.  Foto: privat
Heinz Schulten, Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg im Landesverband. Foto: privat Foto: privat
 Gerd Grebener, Kreisjagdmeister Bitburg-Prüm.
Gerd Grebener, Kreisjagdmeister Bitburg-Prüm. Foto: privat
  Franck Neygenfind, stellvertretender Kreisjagdmeister Bernkastel-Wittlich.
Franck Neygenfind, stellvertretender Kreisjagdmeister Bernkastel-Wittlich. Foto: Christina Bents

Franck Neygenfind: „Die Bejagung von Schwarzwild im Zusammenspiel mit den Hunden ist für mich der Höhepunkt des Jagdjahres.“