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Umsatz dank des Verzichts auf Chemie

Umsatz dank des Verzichts auf Chemie

Mit Fipronil belastete Eier: Warum sich die Vulkaneifeler Landwirte über den Skandal ärgern, obwohl sie nicht betroffen sind.

Daun Seit mehr als einer Woche sorgt der Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier für Verärgerung, Unsicherheit und Angst bei den Verbrauchern. Für sie stellt sich die Frage: Darf ich jetzt überhaupt noch Eier essen oder nicht? In fast allen Bundesländern sind die verseuchten Eier inzwischen aufgetaucht. Insgesamt sind wohl an die zehn Millionen belastete Eier an die Konsumenten verkauft worden.
Die Furcht vor dem Insektengift, das bei Haustieren gegen Läuse, Milben und andere Parasiten eingesetzt und aus guten Gründen nicht bei Nutztieren verwendet werden darf, die zum menschlichen Verzehr gedacht sind, sorgt dafür, dass der Absatz von Eiern in Verbrauchermärkten teilweise stark zurückgegangen ist. Der Discounter Aldi hatte sogar Eier ganz aus dem Sortiment genommen.
Bruno Thomé vom Demeter-Hof Thomé in Weiersbach kann auch nur den Kopf schütteln über das Verhalten der "Kollegen" aus den Niederlanden, Belgien und auch Deutschland, die das Desinfektionsmittel Dega 16 in den Ställen von Hühnern verwendet haben, er sieht sich aber auch in seiner Arbeit zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft mit "Lebensmitteln mit Charakter" bestätigt.
Rund 330 Hühner haben Bruno und Gerda Thomé in verschiedenen Ställen, jeden Tag legen die Hühner 260 Eier. Gift einsetzen bei der Herstellung von Lebensmitteln, so etwas ist für die beiden Biobauern aus Leidenschaft unmöglich. "So was kommt ethisch für uns gar nicht in Frage, wir würden uns ja unser eigenes Grab schaufeln", sagt Bruno Thomé. Für ihn ist klar: Die Natur hat für alles was. Ihre Ställe behandeln sie je nach Witterung und Bedarf mehrmals im Jahr mit Kieselgur, einem vollkommen natürlichen und unschädlichen Mittel aus fossilen Kieselalgen, gegen Milben und Läuse bei den Hühnern. Außerdem setzen sie auf die natürliche Reinigung der Tiere gegen Milben und Läuse durch sich selbst. "Unsere Hühner bewegen sich in freier Natur und graben, gerade jetzt bei der trockenen Witterung, dauernd Erdlöcher wo sie praktisch staubbaden. Dadurch werden die Parasiten abgetötet. Das macht jeder Vogel", erklärt Bruno Thomé. Ob der Eierverkauf im Hofladen nun signifikant ansteigt, Gerda Thomé kann es noch nicht genau sagen.
"Wir haben viele feste Kunden und verkaufen immer viele Eier. Aber ein Bioladen aus Trier hat schon diesbezüglich angefragt".
In Ellscheid gibt es rund 10 000 Hühner, die in den Ställen der Familie Janshen Eier legen. "Wir verwenden nur zugelassene Desinfektionsmittel ohne Chemie gegen die Rote Vogelmilbe, die wir auch nur in leeren Ställen beim Stallwechsel der Hühner verwenden. Danach bleibt der Stall zusätzlich auch noch eine Woche leer stehen", stellt Mario Janshen klar.
Die Ellscheider Familie liefert ihre Eier auch an Rewe in Pützborn, Edeka in Daun, Kelberg, Gillenfeld und Ulmen. "Ich bin froh, dass wir von so was nicht betroffen sind. Das merkt man nämlich am Absatz ordentlich", erzählt Mario Janshen.
Auch Friedhelm Jax vom Edeka-Markt Jax in Daun ist mit seiner Philosophie, regionale Produkte anzubieten, auf dem richtigen Weg. "Bisher hat sich der Skandal beim Absatz bei uns noch nicht ausgewirkt, weil wir zwei regionale Eierlieferanten, nämlich den Geflügelhof Janshen aus Ellscheid und den Geflügelhof Andres aus Mendig, haben", sagt der Kaufmann. Eier aus den Niederlanden führt der Edeka-Markt überhaupt nicht. Dass es überhaupt zu dem Skandal gekommen ist, versteht auch Friedhelm Jax nicht. "Das Mittel ist ja schon lange verboten, aber es wird immer wieder schwarze Schafe geben, die gegen Gesetze verstoßen", sagt er.