Unabhängig durch großen Branchenmix
Hetzerath/Föhren · Der Industriepark Region Trier ist eines der größten Gewerbegebiete der Region und beschäftigt etwa 2300 Menschen. Der TV sprach mit Geschäftsführer Reinhard Müller über die Zukunft des Gewerbegebietes, das aus einem Konversionsgebiet des französischen Militärs entstand.
Hetzerath/Föhren. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Entwicklung von Handel und Gewerbe ist eine gut funktionierende Infrastruktur. Reinhard Müller, Geschäftsführer des Industrieparks Region Trier, setzt daher auch auf den Hochmoselübergang, wie er im Gespräch mit TV-Redakteur Hans-Peter Linz erläutert.
Der IRT setzt vornehmlich auf regionale Unternehmen. War das immer so?
Reinhard Müller: Ursprünglich hatten wir im Bebauungsplan auch größere Flächen ausgewiesen. Bei der Gründung des IRT vor 20 Jahren war es Bedingung, dass insgesamt 60 Hektar für großflächige Ansiedlungen vorgehalten werden sollen. Die erste Ansiedlung in diesem Bereich sollte mindestens eine Betriebsgröße von 20 Hektar haben. Es war auch im Interesse des Landes, solch große Flächen zu entwickeln, wie sie zum Beispiel in der Stadt Trier gar nicht mehr vorhanden waren.
Doch es kam anders?
Müller: Ja. Damals hatte zum Beispiel die Heidelberger Druckmaschinenfabrik bundesweit einen Standort gesucht, um ein Werk zu eröffnen, und das Land Rheinland-Pfalz bemühte sich darum, einen geeigneten Standort innerhalb der Landesgrenzen zu finden. Für den IRT hätte dies sicherlich auch gepasst.
Das wären 1000 Arbeitsplätze gewesen. Letztlich siedelte sich die Firma im Osten Deutschlands an. Nach der Wiedervereinigung lockten die neuen Bundesländer mit lukrativen Bedingungen großflächige Ansiedlungen an. Der Westen hatte in dieser Zeit kaum Chancen, überregional agierende Unternehmen mit großflächigen Bedarf anzusiedeln.
Hatte das negative Konsequenzen?
Müller: Im Nachhinein war es gut so. Großflächige Industrieansiedlungen sind immer auch mit enormen Risiken verbunden. Da können auf einen Schlag Hunderte arbeitslos werden, was dann wiederum den regionalen Arbeitsmarkt und die Kommunen extrem belasten würde. Denken Sie nur an das Schicksal der Kalle-Chemiefabrik in Trier. Am Anfang gab es einen großen Impuls, dann sackt es wieder zusammen. Das sind Probleme, die häufig bei solchen Dimensionen auftreten. Durch unseren Strategiewechsel und die Möglichkeit, kleinzelliger zu werden, konnten wir mehr Unternehmen ansiedeln, haben einen größeren Branchenmix. Das macht uns unabhängiger von den Risiken der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung und des Strukturwandels.
Was halten Sie von der möglichen zivilen Nutzung der alten Militärflughäfen in der Umgebung. Macht es Sinn, auf solche Verkehrsverbindungen zu setzen?
Müller: Einen Flugplatz unmittelbar am Industriepark zu haben ist natürlich ,nice to have‘. Im Verhältnis der gesamten Verkehrsbeziehungen ist der Anteil des Verkehrs der über den Flugplatz Trier abgewickelt wird, sehr gering. Auf dem Föhrener Flughafen kann nur auf Sicht gelandet werden. Es gibt kein Instrumentenlandesystem, wodurch eine erhöhte Abhängigkeit von den Wetterverhältnissen besteht, was die Flexibilität einschränkt. Aber es gibt ja auch größere Flughäfen im Umfeld, so zum Beispiel Hahn, Luxemburg oder Frankfurt, die für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Region von großer Bedeutung sind.
Wie hoch ist die Bedeutung von Infrastruktur?
Müller: Die A 1 ist ein riesiges Plus für den IRT. Die Lage ist gut und der Park kann, ohne durch einen Ort zu fahren, angesteuert werden. Er liegt zwischen dem Kreuz Wittlich und dem Kreuz Moseltal und ist auch gut an Luxemburg angebunden. Auch der B 50-Ausbau, insbesondere der Hochmoselübergang, werden sich dabei bemerkbar machen. 95 Prozent der Transporte gehen über die Straße. Wir liegen zum Beispiel durch die A 60 sehr günstig für den Güterverkehr zu Überseehäfen wie zum Beispiel Antwerpen. Ein LKW-Transport IRT-Antwerpen hin und zurück liegt noch genau in den gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeiten der Fahrer. Natürlich ist auch der Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet wichtig, der dann über die noch auszubauende B 50 erfolgen kann.
Wie sieht die Zukunft des IRT aus?
Müller: Wir stehen mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die sich noch in diesem Jahr hier ansiedeln wollen. Insgesamt geht es um 60 000 Quadratmeter Fläche für Projekte, die bis 2016 realisiert werden sollen. Das sind sowohl Firmen aus der Region als auch Firmen, die sich innerhalb des IRT vergrößern. Das bedeutet etwa 200 neue Arbeitsplätze. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Existenzgründung. Dazu haben wir im Jahr 2000 das Technologie- und Gründerzentrum eingerichtet. Hieraus sind eine Reihe von innovativen und wachstumsorientierten Unternehmen hervorgegangen.
Wie hoch ist die Beteiligung am Technologie- und Gründerzentrum?
Müller: Zurzeit sind wir noch voll belegt. Die Bereitschaft zur Existenzgründung ist leider nicht mehr so stark ausgeprägt wie in den vergangenen Jahren. Das liegt zum einen daran, dass die Banken zunehmend zurückhaltender finanzieren, aber es liegt auch an der demografischen Entwicklung. Die Schicht der typischen Gründer, der 30 bis 45-jährigen wird dünner. Außerdem haben manche Betriebe auch Nachwuchsprobleme. Besonders in den Bereichen Metallbau, Elektrotechnik, Maschinenbau, Informationstechnik, Logistik und Druck gibt es Nachwuchsprobleme. Der kaufmännische Bereich ist da noch besser sortiert. hplExtra
Insgesamt gibt es 120 Betriebe im Industriepark. Der kleinste Betrieb hat einen Mitarbeiter, der größte 240 Mitarbeiter. Am längsten ist die Firma Linus Wittich im IRT, der jüngste Betrieb ist Fitness Center Trainer Now.