Unbewiesene Endzeitvision

Zur Debatte um den Hochmoselübergang schreibt dieser Leser:

Man kann über den Sinn des Hochmoselübergangs und seiner Fortführung über den Graacher Berg geteilter Meinung sein, aber wenn man Position bezieht, müssen die Argumente redlich sein. Dies ist im Leserbrief von Herrn Kwasny nicht der Fall: 1. Der Vergleich mit der im August 2007 eingestürzten Brücke über den Mississippi in Minnesota ist an den Haaren herbeigezogen, denn a) ist das breit angelegte Mississippi-Tal keineswegs vergleichbar mit dem tief eingeschnittenen Moseltal, b) führte die Brücke zwischen Minneapolis und St. Paul gerade mal in der Höhe von 19,50 Meter über den Fluss und c) war Korrosion und Materialermüdung des tragenden Stahlfachwerks, das nie gepflegt worden war, die Ursache des Einsturzes. 2. Dass an der Stelle des geplanten Hochmoselüberganges zwei "tektonische Erdplatten" aneinander grenzen sollen, entspringt reiner Fantasie. Vielmehr ist hier das Moseltal in relativ einheitlich strukturiertes und ungestörtes Devon eingeschnitten, so dass von hier jedenfalls keine Erdbeben ausgehen. Die Rachtiger müssen sich also nicht vor dem Umkippen der Brücke fürchten. 3. Der Graacher Rutschhang befindet sich keineswegs oberhalb der gesamten Graacher Ortslage, sondern zwischen dem nordwestlichen Ortsende der Schäferei und dem südöstlichen Ausgang von Graach. Der Hang oberhalb 95 Prozent der Ortslage Graach ist stabil. Deshalb ist die Horrorvorstellung, dass das "ganze" Dorf" von "Geröll" begraben werden könnte, schlichtweg hanebüchen. 4. Hätte Herr Kwasny nur einmal eine entsprechende Landkarte betrachtet, wäre ihm wohl aufgefallen, dass die Graacher Schanzen keineswegs "unmittelbar über Bernkastel", sondern oberhalb der Graacher Schäferei liegen. Außerdem sind hier "Abraumhalden vergangener Bergbautradition" unbekannt. 5. Dass in der Bauzeit der Brücke der Tourismus "gegen null sinken wird", ist genauso eine unbewiesene Endzeitvision wie sämtliche von Herrn Kwasny aufgeführten Argumente. Ich stimme mit ihm allerdings überein, dass die "schöne Mittelmosel" geschützt werden solle. Dazu kann aber auch die Hochmoselbrücke beitragen, entzieht sie doch dem Tal den lärmenden und Schadstoffe emittierenden Durchgangsverkehr. Artur Weber, Graach Strassenbau

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