Und der Geldspeicher geht an: unbekannt

Und der Geldspeicher geht an: unbekannt

Ein Spezialimmobilie wird seit 2003 äußerlich gepflegt, obgleich kein Mensch sie nutzt: Die Landeszentralbank in Wittlichs Beethovenstraße, zu der auch drei Einfamilienhäuser gehören, soll seither verkauft werden. Jetzt heißt es von der Bundesbank Pressestelle auf TV-Nachfrage: Es hat geklappt. Übergabe an den neuen Eigentümer soll dieses Jahr sein.

Wittlich. Ein langer Bau mit viel spiegelndem Glas duckt sich seit den 1990er Jahren an der Beethovenstraße zwischen dem städtischen Spielplatz und einem Privathaus hinter stets gepflegtem Grün. Davor ein paar Parkplätze, die Ortskundige nutzen, denn sie kosten nichts. Das ändert sich vielleicht bald. Erstes Anzeichen: Das Hinweisschild vor dem menschenleeren Bau ist verschwunden: Damit hat die Bundesbank für den Verkauf der ehemaligen Landeszentralbank mit dem großen Tresor geworben: Ein Gebäude, das einst zehn Millionen Euro gekostet hat und nur wenige Jahre genutzt wurde. Die Bank, Baujahr 1985, hat ihren Dienstbetrieb zum 30. Juni 2003 eingestellt. Das eingeschossige Gebäude auf dem 5631 Quadratmeter großen Grundstück, worauf noch drei Einfamilienreihenhäuser nebst Garagen stehen, liegt in bester Lage. Eine gute "Betongeld-Anlage" ist sie aber für die Bundesbank nicht geworden, denn die Suche nach einer Folgenutzung und der Verkauf gestalteten sich äußert schwierig. Ein Grund, neben dem massiven Tresorraum: Die Immobilie ist mit einem Erbbaurecht belastet. Eigentümer des Geländes ist nämlich die Katholische Kirchengemeinde St. Markus, sie hat gegen einen jährlichen Erbbauzins von zuletzt mehr als 26 000 Euro im Jahr, die an die Kirche dafür zu zahlen sind, das Grundstück zur Verfügung gestellt. Das Grundstück selbst gehört also trotz Bebauung weiterhin der katholischen Kirchengemeinde St. Markus. Die hat es damals nur über 99 Jahre bis zum Jahr 2079 sozusagen verpachtet gegen einen jährlichen Obolus, der stets der aktuellen Entwicklung angepasst wird, sich also seither erhöht hat. Der Pächter hat sozusagen den hohen Grundstückskaufpreis zwar gespart und darf eine Immobilie darauf bauen, daraus Nutzen ziehen und sich über 99 Jahre wie ein Eigentümer verhalten. Aber er ist es nicht und muss zudem jährlich einen Obolus an die Kirche zahlen, die ihr Land nicht hergibt. Unter anderem dieser Umstand hinderte jahrelang Interessenten, die Spezialimmobilie zu kaufen. Die frühere Kaufpreisvorstellung der Bundesbank lag einst bei 890 000 Euro. Erfolglos. Dann gab es im Jahr 2015 ein Bietungsverfahren. Nach dem Gebotsschluss am 17. April 2015 gab es demnach mehrere Bieter, und das Verkaufsexposé wurde von der Homepage der Bundesbank entfernt. Denn man dachte, der Meistbietende greife zu. Man habe ein paar Wochen mit ihm verhandelt, dann habe er jedoch vor dem Notartermin abgesagt, jetzt hoffe man, mit dem nächsten Bieter zum Vertragsabschluss zu kommen. Zu einer möglichen Verkaufssumme schwieg man. Sie sei aber "weit entfernt" von den einst gewünschten 890 000 Euro, sagte damals Anne Grüttner, zuständige Pressesprecherin der Deutschen Bundesbank. Dann tat sich lange nichts. Auf TV-Nachfrage sagt Anne Grüttner jetzt: "Ja es gibt einen Kaufvertrag." Eine Beurkundung habe Ende 2016 stattgefunden, die Übergabe des Objektes solle aber erst in diesem Jahr erfolgen. Bis dahin sei man weiter für die Pflege und Unterhaltung des Objekts zuständig. Denn wie die Außenanlagen aussehen sollen, auch das ist Gegenstand des Erbpachtvertrages mit der Kirche: Demnach sind unter anderem auf dem etwa "zehn Meter langen Teil des Bürgersteigs vor dem Kinderspielplatzgrundstück auf eigene Kosten Laub, Blüten, Früchte und abgebrochene Äste zu beseitigen". Wer den Gesamtkomplex unter welchen Konditionen und für welche Zwecke gekauft hat, dazu schweigt die Bundesbank. Anne Grüttner sagt aber, der Käufer habe quasi im Paket auch eine ehemalige Bundesbank-Filiale in Dresden erworben. Das Erbpachtverhältnis sei aufgelöst, der Erwerber habe also auch das Grundstück von der Kirche gekauft. Von deren Seite ist nichts zu erfahren. Um die Finanzen von St. Markus kümmert sich unter anderem die Rendantur Wittlich. Deren Verwaltungsratsvorsitzender, Michael Aurich, lässt auf TV-Nachfrage ausrichten, es gebe eine Verschwiegenheitsklausel, weshalb man nichts über den künftigen Eigentümer und Vertragsdetails sagen werde. Außerdem sei der Vertrag noch nicht vollzogen. Demnach stehen Übergabe des Objekts und Kaufpreiszahlung noch aus. Meinung

Das ist ja interessant …Wer kann schon einen riesigen, massiven Tresorraum, in dem einst Millionen lagerten, nebst professioneller Sicherheitstechnik, wie ihn sich Dagobert Duck nicht besser für seinen legendären Geldspeicher hätte bauen lassen können, sein Eigen nennen? Ob nun etwa ein privater Investor oder ein Immobilienfonds Käufer ist, der die Spezial immobilie gemeinsam mit der Bank in Dresden haben will, bleibt vorerst unklar. In Zeiten, in denen immer mehr Bankfilialen schließen und so etwas wie ein Schließfach, um privates Vermögen sicher zu horten wie Dagobert seine Goldstücke, knapp wird, und man für den Besitz von Geld gar Strafzinsen zu zahlen hätte, lässt sich auf jeden Fall mit Tresorfläche Geld verdienen. Viele andere Ideen von der innovativen Kulturstätte bis hin zur Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende sind in der Vergangenheit gescheitert. Nun können die Wittlicher gespannt sein, an wen die Bundesbank und die Katholische Kirche verkauft haben. Sicher ist: Letztere hat als Wirtschaftsunternehmen mit jahrhundertelanger Erfahrung als vermögende Immobilienbesitzerin sicher das beste Geschäft gemacht. s.suennen@volkfsreund.de