Und immer wieder kommt der Fluss

In seiner langen Geschichte war die Mosel nicht immer gut zu dem Haus Am Herrenberg 10 in Kesten. Als Valentin und Monika Bastgen es kauften, mussten sie es aufgrund der Hochwasserschäden entkernen. Zehn Tage nach der Komplettsanierung kam das Wasser wieder. Bis unter die Decke.

N ur 30 Meter vom Fluss entfernt musste das inzwischen denkmalgeschützte Anwesen seit seiner Errichtung im Jahr 1748 einiges an Hochwasser schlucken. Bis die Lehm- und Strohfüllung der Wände nicht mehr mitmachte. 1989 kaufen Valentin und Monika Bastgen das Haus und bauen das gesamte Innenleben wieder neu auf. Vier Jahre lang. Eine Menge Arbeit, die sie nicht scheuen, weil sie etwas Besonderes mit dem Haus verbindet: Von 1894 bis 1975 gehörte es Valentin Bastgens Familie. Dann verkaufte sein Vater.

Hochwasser kam zehn Tage nach dem Einzug



Er selber unterstützt später seinen Sohn Valentin darin, das Haus wieder in Familienbesitz zu bringen und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, als es darum geht, es stilgerecht zu sanieren. Valentin Bastgen fühlt sich mit dem Haus eng verbunden, auch weil er so viel eigene Zeit und Kraft in den Wiederaufbau gesteckt hat. Vor allem der Blick von der Moselseite auf die aus Bruchstein erbaute Scheune, die sich rechts an das Wohnhaus anschließt, hat es ihm angetan. 1894 hatte sein Urgroßvater den Trakt angebaut. Heute dient er als Garage. Besondere Schmuckstücke parkt Bastgen in dem früheren Stall auf der anderen Seite des Hauses. Zwei Oldtimer-Traktoren stehen darin. "Traktoren muss man haben", meint der Drehermeister. Jungen bräuchten das, sagt er mit Blick auf Valentin junior und meint damit auch sich. An der Decke vor dem großen grünen Scheunentor hängt ein Paddelboot. Seit der Damm errichtet ist, kommt es seltener zum Einsatz. Aber Monika und Valentin Bastgen erinnern sich noch gut daran, wie zehn Tage nach ihrem Einzug ins frisch sanierte Haus das Moselhochwasser bis unter die Decke zum ersten Stock gestanden hat. Mit Hilfe von Boot und Leiter stiegen sie damals durch Fenster in ihr Haus.

Nach dem Hochwasser von 1993 wurde Kesten 1995, 1997 und 2003 überflutet und Bastgens' Haus war immer mit dabei. Daher hat die Familie sich im ersten Stockwerk eingerichtet. Das Erdgeschoss steht aus Angst vor dem Hochwasser weitgehend leer und bietet so viel Platz für große Feste, sagt Monika Bastgen.

Feiern gehört zur Geschichte des Hauses



Das Feiern gehört zur Geschichte des Hauses. Bis um die Wende zum 20. Jahrhundert war es Halfenschenke, erzählt Valentin Bastgen. Männer kehrten dort ein, die mit ihren Pferden die Schiffe moselaufwärts zogen. "Gasthaus Selbach" stand an der Fassade zur Moselseite, wo heute ein dicker Rebstock über die Wand rankt. Er zeugt davon, dass hier bis in die 70er Jahre Winzer Zuhause waren. Noch heute lagern einige Schätze im Schieferkeller. Der braune Moselschlick, der sie überzieht, erinnert noch an die Überflutungen.

Für Valentin und Monika Bastgen hat es sich gelohnt, das alte Haus wieder flott zu machen, trotz aller Rückschläge. Schließlich ist es eine Herzensangelegenheit. Valentin Bastgen spürt seine Wurzeln hinter den dicken Bruchsteinwänden, die das Elternhaus seiner Oma waren.

ExtraEin Hochwasserdamm bringt Kesten seit August dieses Jahres mehr Sicherheit. Seit Anfang 2009 entstand das 17,5 Millionen teure Bauwerk, das auf 1100 Metern das Hochwasser abhalten soll. Ein Segen für den Moselort Kesten, der immer besonders hart vom steigenden Pegel der Mosel betroffen war. Besonders schlimm traf es die Dorfbewohner Weihnachten 2003. Damals stand das Wasser meterhoch in vielen Häusern. Mit dem Damm, der eine Mischung aus Deich und Mauer ist, soll sich das nicht wiederholen. (sys)