Ungebetene Gäste im Chorgestühl

BERNKASTEL-KUES. Zweieinhalb Tage lang war die Kapelle des St. Nikolaus-Hospitals von Holzschädlingsbekämpfern belagert. Die Spezies des "Bunten Nagekäfers" hatte sich im Chorgestühl breit gemacht. Mit Mirkowellentechnik wurden seine Larven besiegt.

Profane Arbeit an altehrwürdiger Stätte: In der Kapelle des Hospitals, wo sich normalerweise Gläubige zum Gebet versammeln, haben sich ungebetene Gäste eingenistet. Daher machten sich Holzschädlingsbekämpfer ans Werk. "Können wir die nächsten Larven heraus holen?", fragt Holzschutzsachverständiger Reiner Klopfer. Zusammen mit Bekämpfer Fritz Kohler und seinen beiden Mitarbeitern macht er sich daran, den Holzschädlingen im Eichenholz des Chorgestühls zu Leibe zu rücken. Bereits seit drei Jahren beschäftigt der Schädling Verwaltungsrat, Denkmalamt in Mainz und zahlreiche Experten, erklärt der Rektor des Hospitals, Professor Alfons Bechtel. Es gebe viele Arten, den Schädling zu bekämpfen. Den Zuschlag bekam eine Firma aus Butzbach. Sie arbeitet mit Mikrowellentechnik, einem thermischen Verfahren, das für das wertvolle barocke Chorgestühl aus der Zeit um 1760 die geeignetste, schonendste Methode ist. "Es ist deutschlandweit die erste Mikrowellenbehandlung eines solchen Chorgestühls", sagen die Experten. Wie lange die Larven ihr zerstörerisches Spielchen in der Kapelle schon treiben, weiß niemand. Drei bis zehn Jahre leben sie im Holz, bevor sie sich verpuppen und der Käfer schlüpft. Löcher im unteren Teil des Gestühls, Bohrmehlhäufchen und schlüpfende Käfer waren Hinweise auf lebende Larven im Eichenholz. Vorsichtig schritten die Bekämpfer zur Tat. Nur die Bodendielen mussten entfernt werden, das Chorgestühl konnte an Ort und Stelle behandelt werden. Mit der Mikrowellentechnik steht bei der Bekämpfung von Holzschädlingen eine umweltfreundliche, Substanz schonende und gegenüber anderen Verfahren auch kostengünstige Technologie zur Verfügung. Sie wirkt auf ökologische Weise, ganz ohne Chemie.Behandlung mit der Mikrowelle

Mikrowellen setzen ihre Energie ausschließlich in Wärme um. Diese Wärme wirkt von innen heraus in dem befallenen Holz und beseitigt Holzschädlinge zuverlässig und schnell bei einer Temperatur unter 100 Grad. Und so geht das Ganze vor sich: Ein Eichenholzklötzchen, ein so genannter Kontrollprüfkörper mit lebenden Larven, wird in den befallenen Teil des Chorgestühls eingebracht. Dann folgt die Mikrowellenbehandlung, bei der die handlichen, mobilen Geräte einfach auf die befallenen Bereiche ausgerichtet werden. Die Dauer beträgt etwa eine Stunde pro Abschnitt. Während dieser Zeit wird die "Letaltemperatur" - das ist die Temperatur, bei der die Larven absterben - kontrolliert. Anschließend wird der Prüfkörper wieder entnommen. "Sind die Larven gestorben, dann war die Behandlung erfolgreich", bemerkt Klopfer. So wurde der "Totenuhr", wie der Käfer im Volksmund auch heißt, der Garaus gemacht. Aber es besteht die Befürchtung, dass möglicherweise ein kleiner Verwandter, der "Glatte Nagerkäfer", in den beiden barocken Seitenaltären sein Unwesen treibt. Um darüber Sicherheit zu erhalten, werden demnächst Untersuchungen angestellt.