Unscheinbar oder attraktiv?

Seit Jahresbeginn sind die Arbeiten an dem Projekt "Altstadt, die Neue" abgeschlossen. Laut Stadtverwaltung und Fraktionen aus dem Stadtrat hat sich die Maßnahme mit der Passage zwischen Neu- und Burgstraße gelohnt. Als zu unscheinbar bezeichnen dagegen Kritiker den Durchgang zwischen Neu- und Burgstraße.

Wittlich. Wenn es dunkel wird, sorgt seit Januar die Lichtstele der Künstlerin Lydia Oermann im Innenhof für Licht. Die Wohnungen in dem neu geschaffenen Komplex sind vermietet. Die Geschäftsräume zur Neustraße hin dagegen stehen nach wie vor leer.
Und wie wird die Verbindung zwischen Neu- und Burgstraße angenommen? "Es sind mehr Menschen, die vorbeikommen", sagt Manuela Follmann, deren Geschäft Tuchfühlung in der Verbindung liegt. Allerdings sei das nicht wirklich nennenswert, ergänzt sie. Der Durchgang sei einfach schwer als solcher zu erkennen.
Die Mitarbeiter von Optik Geuter haben vom Geschäft aus den direkten Blick in die Altneugasse. "Menschenmassen sind es nicht, die durch die Straße kommen", sagt Finn Douglas Klein. Er selbst nutze die Abkürzung zur Neustraße aber gerne. Karsten Mathar vom Stadtmarketing weiß ebenfalls von vielen Menschen, die den Durchgang gerne als Abkürzung nehmen.
"Die Maßnahme hat sich gelohnt", sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadt Wittlich. Das Projekt "Altstadt, die Neue" sei der erste Schritt für ein aktives Stadtzentrum gewesen. Nach Mußweilers Einschätzung ist dadurch Bewegung in die Sanierung der Innenstadt gekommen. Damit es weitergeht, muss laut Mußweiler jetzt die Modernisierung des Stadtzentrums weitergeführt werden. Als Beispiel dafür nennt er die Alte Posthalterei.
Kein Termin für Eröffnungsfeier


Bei den Fraktionen im Wittlicher Stadtrat ist die Meinung zum Passagenprojekt ebenfalls überwiegend positiv. "Die Renovierungen und Umgestaltungen der alten Gebäude zu Wohn- und Geschäftseinheiten haben sich gelohnt und das Geld wurde gut angelegt", sagt Karl-Heinz Grünfelder von der FDP.
Ähnlich äußert sich Elfriede Meurer von der CDU. "Ohne Zweifel war die Entscheidung eine gute Investition für unsere Innenstadt", sagt sie. Michael Wagner von den Grünen begrüßt, dass neuer Wohnraum in der Innenstadt geschaffen wurde. "Mehr Menschen, die in der Innenstadt leben, sind auch immer potenzielle Kunden für die Geschäfte."
Ralf Dörrenbächer von der SPD bezeichnet den Durchgang mit dem Hof als gelungen. Allerdings bedauert er, dass die Geschäftsräume noch nicht vermietet sind.
Ali Damar von den Linken findet die Gestaltung zwar gelungen. "Genutzt werden die Passage und der Innenhof allerdings meines Wissens nicht im erwarteten Maß", sagt er. Und Klaus Petry von der FWG findet es noch zu früh, um sich ein Urteil zu bilden, ob die Passage und der Innenhof gelungen sind.
Die Künstlerin Lydia Oermann, die die Lichtstele im Innenhof geschaffen hat, ist enttäuscht, dass es keine Eröffnungsfeier für den neuen Innenhof gab. Ob ein solcher Termin noch nachgeholt wird, kann Jan Mußweiler nicht sagen. Bisher sei kein geeigneter Termin gefunden worden.
Extra

Kosten: Die Maßnahme hat die Stadt Wittlich insgesamt 357 041,11 Euro gekostet. Diese teilen sich auf in 315 000 Euro für den Grunderwerb der Gebäude Neustraße 10 und 12 sowie 42 041,11 Euro für die Herstellung der Passage. Reaktionen auf Facebook: Auch im sozialen Netzwerk Facebook gibt es Meinungen zu Passage und Innenhof. Martine Wells: "Wenn ich durch die Neustraße gehe, muss ich die Passage gezielt suchen, sonst gehe ich dran vorbei. Die fällt nicht auf." Claudia Jirka-Köcher meint: Ich bin noch nie durchgegangen, sie fällt wirklich nicht auf und der Eingangsbereich erscheint mir auch unattraktiv ...". Maria Klein: "bin gestern auch daran vorbeigegangen und im Nachhinein habe ich mich gefragt ,Wo war sie denn?\\'" Eine positive Meinung hat dagegen Claudia Vatter: "Ich habe die Passage schon oft, trotz Unscheinbarkeit, genutzt und ich finde sie sehr praktisch! Man sollte nicht immer alles so negativ sehen!" noj