Unsere Sprache

Ich bekomme immer wieder Mails von Lesern, die ihre Lieblingswörter mit mir teilen. Manche Wörter werden gemocht, weil sie lustig klingen.

Weil sie an einen lieben Menschen oder eine nette Begegnung erinnern. Weil sie lange missverstanden wurden. Oder weil man sie nur in einem einzigen Dorf kennt. So habe ich im Laufe der vergangenen Monate viele unnütze, aber äußerst amüsante neue Wörter gelernt. Einige davon möchte ich heute in meiner 100. Kolumne beschreiben. Natürlich hatte ich auch schon vorher Lieblingswörter in meinem eigenen Platt, beispielsweise den "Hobbock". Der Hobbock hört sich zwar an wie ein Fabelwesen aus einem Fantasy-Roman (ein Verwandter des Hobbit?), aber in meinem Heimatdorf St. Aldegund bezeichnet man damit schlicht eine Weinkiste aus Holz. Ordentlich angeordnet können in ihr 15 Flaschen liegend sicher transportiert werden. Die Hobbocks selbst sind zu wackelfreien Türmen stapelbar. Also ein praktischer Gegenstand mit einem sonderbaren Namen! Außer in St. Aldegund und in unserem Nachbardorf Alf ist der Begriff unbekannt. Er hat sich vermutlich durch die Arbeiter einer Alfer Kellerei verbreitet. Rätselhafterweise geht er auf das englische Wort "Hubbuck" für eine Gefahrgutverpackung zurück. Vor ein paar Monaten hat mir Brigitte Kuhnke aus Neumagen-Dhron den "Peerteler" beigebracht, für jemanden, der dauernd aus dem Zimmer raus- und reingeht. Seither habe ich den Begriff in meinen aktiven Wortschatz übernommen! Der "Peerteler" ist mit der hochdeutschen "Pforte" verwandt, von der das Verb "pförteln" für "eintreten" abgeleitet ist. Da wir auf Platt alle "Pf" am Wortanfang zu "P" machen - denken Sie an "Pferd" und "Päard"! - wurde aus dem "Pförteler" ein "Peerteler". Mein Favorit unter den Wörtern, dir mir Leser beigebracht haben, ist und bleibt der "Buchsen-Iderich", den mir Sebastian Langner aus Wittlich schickte. Er beschrieb ihn mir - ich zitiere! - als ein kleines Gewölle, das sich aus Fasern um einen Kondensationskern aus etwas Schmutz in den Tiefen der Hosentasche bildet. Buchsen-Iderich - was für ein herrliches Wort! Wie banal klingt es, wenn ich das wörtlich übersetze: "Hosenwiedergekäutes".Yvonne Treis Das Buch zur Serie: "Majusebetter! Noch mehr Moselfränkisch zum Mitholen", Michel-Verlag, ISBN 978-3-938381-50-2, ¤ 13,80.