Unsere Sprache

Schnippelt man sich für eine Gemüsesuppe zu Tode, putzt man endlos den schlammigen "Moosuhr" (Feldsalat) aus dem Garten, rappt man sich für "Krumpereschnittscher" oder "Déppe kooche" einen Ast oder verausgabt man sich beim Entkernen und Einmachen einer Jahresernte Mirabellen, dann schnippelt, putzt, rappt, entkernt man sich in unserer Alltagssprache schon einmal "zom Äppelkärfje". Warum das Apfelkörbchen stellvertretend für ermüdende, kleinteilige Arbeit steht, ist mir ein Rätsel.

Aber neben dem Apfelkörbchen finden wir noch andere wunderliche Dinge in unserem Küchen-Platt. Rechts unten im Schrank stehen die Geschwister "Siff" und "Säih" - eventuell sprechen Sie das zweite Wort eher "Saih" aus. Die Begriffe hören sich zwar an, als wäre da unten schon lange nicht mehr geputzt worden, aber es ist natürlich nicht "der Siff" sondern "dat Siff", und mit ihm ist einfach ein Sieb gemeint. Die "Säih" ist eine Schüssel mit größeren Löchern zum Abtropfen. Aus dem Hängeschrank über dem Herd holt der Eifler für seine "Zopp" (Suppe) eine "Schottel" (Schüssel) und aus der Besteckschublade eine "Boll". In meinem eigenen Platt heißt der Schöpflöffel nicht "Boll", sondern "Schäpper" (Schöpfer). Und für uns Aldegunder ist eine "Boll" eine große Tasse. Neben dem Schöpflöffel liegt bei der Bengelerin der "Scheimelääfel" (Schaumlöffel), mit dem die "Mellkließ" aus dem heißen Wasser gefischt werden. In dieselbe Schublade habe ich den Öffner zum Öffnen der "Bichse" (Dosen) und der den "Stóppelzeejer" (Korkenzieher) für die Weinflaschen geräumt. Neben dem Essbesteck liegt in Lieser das ein oder andere "Knäipschie" (Schälmesser) - bei Ihnen vielleicht ja auch. Sind die Messer stumpf geworden, dann schneiden sie in unserer Familie entweder Wasser bis auf den Grund oder "nur Wasser un foule Käas". In Manderscheid - so lese ich im Wörterbuch von Carlo Padilla - soll man auf stumpfen Messern sogar bis nach "Pariss" reiten können! Ich ziehe jetzt meine imaginäre "Kittelschétz" aus und fahre mal lieber mit der Metro statt auf einem stumpfen Messer ins Pariser Büro. Yvonne Treis Yvonne Treis ist in St. Aldegund geboren und mit Moselfränkisch als Muttersprache aufgewachsen. Die Sprachwissenschaftlerin arbeitet in Paris in einem Forschungsinstitut. Das Buch zur Serie: "Majusebetter! Noch mehr Moselfränkisch zum Mitholen", Michel-Verlag, ISBN 978-3-938381-50-2, Euro 13,80.