Landwirtschaft : Landwirte fordern Planungssicherheit

Der Gewässerschutz ist das Thema der diesjährigen Aschermittwochstagung des Bauern- und Winzerverbands. Mehrere Referenten geben einen Einblick in die aktuelle Situation.

Viele Landwirte und Winzer sind in den vergangenen Monaten auf die Straße gegangen, um gegen die neue Düngemittelverordnung zu demonstrieren. Das damit verbundene Regelwerk ist noch in der Abstimmungsphase und soll den Ausstoß von Nitraten eindämmen. Es gilt auch als Reaktion auf einen von vielen Aktivisten und Umweltverbänden geforderten verbesserten Schutz der Gewässer.

Deshalb steht die diesjährige Aschermittwochstagung des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau im Kurhaus in Manderscheid unter dem Titel „Gewässerschutz MIT Landwirtschaft“. „Niemand soll uns nachsagen, dass wir uns mit dem Thema Wasser nicht beschäftigen“, sagt deshalb der Kreisvorsitzende Manfred Zelder bei der Eröffnung der Tagung, zu der rund 70 Landwirte und Winzer sowie mehrere Referenten nach Manderscheid gekommen sind. Sollte die Verordnung in Kraft treten, könne man in den betroffenen Gebieten mit Ernteminderungen von bis zu zehn Prozent rechnen, ist ein Ergebnis der Tagung. Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, weist in seiner Begrüßung auf die Bedeutung des Themas hin. „Jedem, der die Demos an den unterschiedlichsten Stellen im Land gesehen hat, dürfte klar sein, was die Landwirte bewegt. Alle wollen die Milch, die Kartoffeln und das Fleisch aus der Region kaufen. Aber an der Ladentheke sieht es dann oft anders aus. Wir stehen in Deutschland vor einer Richtungsfrage,“ sagt Junk, spannt dabei den Bogen weit bis zu den Wahlen in Thüringen und findet dazu deutliche Worte: „Man sollte darüber nachdenken, was die Gründe sind, warum so gewählt worden ist. Es kann nicht sein, dass man so oft wählt, bis es passt.“

Andere Vorschriften in der Vergangenheit: Zurück zur Region und den Landwirten: „Wir haben zum Beispiel eine Nitrat-Problematik in Hetzerath. Das kann man nicht wegdiskutieren. Aber das stammt aus Entwicklungen der vergangenen 20, 30 Jahre, und man kann diese Problematik nicht mit einer einzigen Maßnahme verändern.“

Hinzu komme, so Junk weiter, dass den Landwirten vor 30 Jahren auch andere Ratschläge und Vorschriften gegeben worden seien als heute. Manfred Zelder gibt zu bedenken, dass es zwar in Rheinland-Pfalz 700 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gebe, dass die Kritiker der Landwirtschaft aber selten die bewohnte Fläche und deren Emissionen in die Gewässer berücksichtigen würden.

Komplexe Analysen: Joachim Gerke, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, erläutert daraufhin als erster Referent den Gewässerzustand im Landkreis Bernkastel-Wittlich und schickt gleich voraus: „Ich bin über dem aktuellen Entwurf der Düngeverordnung verzweifelt.“ Gerke weist auf die Komplexität von Gewässeranalysen hin. Man dürfe nicht nur die Chemie eines Gewässers betrachten, sondern auch dessen ökologischen Zustand. Was die sogenannten „roten Gebiete“ betrifft, also jene Bereiche, in denen gewisse Grenzwerte überschritten würden, müsse etwas getan werden.  

Allerdings gehe es dabei nicht nur um Nitrat. So sei zum Beispiel im unteren Kautenbach bei Traben-Trarbach  Kupfer nachgewiesen worden, was von einem alten und stillgelegten Kupferstollen ausgeschwemmt werde. „Es geht nicht nur um Nitrat, und man muss zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser unterscheiden“,  sagt Gerke. So würden die Nitratwerte beim Grundwasser in der Wittlicher Senke und auch im Bereich der Mosel überschritten, allerdings sei hier der Trend rückläufig, wie jüngste Brunnenmessungen der Wittlicher Stadtwerke ergeben hätten.

Die stillgelegte Mülldeponie in Sehlem wiederum habe wenig Einfluss auf die Qualität des Wassers.

Klimawandel bedenken: Aus Gerkes Sicht seien die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt von großer Bedeutung. „Ich finde es dramatisch, wenn die Trockentage bis 2050 von 90 auf 120 Tage steigen werden. Sommer wie 2018 oder 2019 werden der Normalzustand sein. Dazu habe ich keine Lösung.“ Zwar sei damit zu rechnen, dass der Jahresniederschlag gleich bleibe, aber die Trockenzeiten länger werden, was zu einem Rückgang des Grundwassers führe. Deshalb sollten sich Landwirte darüber Gedanken machen, welche Produkte sie in Zukunft anbauen wollen.

Markus Hehn, Rechtsanwalt und Mediator, stimmt in die Kritik am Entwurf der Düngemittelverordnung ein. „Dieses Regelwerk lässt sich als Jurist nicht richtig nachvollziehen. Das Nitratproblem ist nicht so flächendeckend, wie es immer dargestellt wird“, sagt Hehn. Die Messstellen in den „roten Gebieten“ seien nicht aussagekräftig für die landwirtschaftliche Verursachung hoher Nitratwerte. Die zugrunde liegenden Daten seien alt und würden keine aktuelle Belastung wiedergeben. Vor allem einen Kritikpunkt hebt er hervor: Die alten Daten würden nicht die Fortschritte seit der letzten Düngemittelverordnung von 2017 abbilden.

Menge muss dokumentiert werden: Dr. Friedhelm Fritsch, Leiter der Wasserschutzberatung für die Landwirtschaft, trägt anschließend den aktuellen Stand der Düngeverordnung 2020 vor.

Demnach müsse in Zukunft die ausgebrachte Menge an Düngemittel dokumentiert werden. Dazu würden im digitalen Agrarportal spezielle Meldezugänge geschaffen, in denen Betriebe die Mengen eintragen können. „Hätte man schon vor 30 Jahren daran gedacht, dann hätten wir jetzt keine so strenge Düngeverordnung.“ Grundsätzlich könne man bei einer Absenkung des Nitratbedarfs von 20 Prozent davon ausgehen, dass nach fünf Jahren die Ernteerträge um fünf bis zehn Prozent sinken. Diese 20-Prozent-Senkung sein der neuen Verordnung für die „roten Zonen“ vorgesehen.

Aber noch sei die Verordnung nicht durch den Bundesrat. „Wir Landwirte müssen Planungssicherheit fordern: Wann und wie viel darf ich überhaupt düngen?“, fasst der Kreisvorsitzende Manfred Zelder zusammen.