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Unterkunft für Tiere in Not: Lebenshof in Irmenach bietet Gnadenbrot - Verein unterstützt Projekt von Peter Hild

Unterkunft für Tiere in Not: Lebenshof in Irmenach bietet Gnadenbrot - Verein unterstützt Projekt von Peter Hild

Der Verein Tierlebenshilfe Hunsrück-Mosel bietet Tieren aller Art auf einem Hof bei Irmenach eine Unterkunft. Tierliebe ist die Motivation für Peter Hild und seine Lebensgefährtin Ruth Wirtz, die sich um die Tiere kümmern.

Irmenach. Grunzend kommt Johanna angelaufen, als sich Ruth Wirtz dem elf Monate alten Schwein nähert. Vor einigen Monaten hat Johanna, das Freunde einem Hochzeitspaar als witzigen Glücksbringer und anschließenden Spanferkelbraten geschenkt haben, auf dem Tierlebenshof bei Irmenach eine Heimat gefunden.
"Das Brautpaar hat es dann nicht übers Herz gebracht, das Ferkel schlachten zu lassen und hat es dann zu uns gebracht", sagt Wirtz. Sie führt mit ihrem Lebensgefährten Peter Hild den Tierlebenshof Hunsrück-Mosel. Insgesamt sind auf dem Hof fünf Kühe, zwei Pferde und vier Schweine, aber auch kleinere Tiere wie acht Enten, zwei Gänse, neun Kaninchen, eine Katze und 18 Hunde.
Zu fast jedem kann Wirtz eine Geschichte erzählen. Die Pferde sind 23 und 35 Jahre alt und bekommen dort ihr Gnadenbrot, bis sie irgendwann eines natürlichen Todes sterben. Die Kühe stammen von einem kleinen Hof in der Eifel, dessen Besitzer gestorben ist. "Bevor die Erben die Kühe zum Schlachter bringen konnten, hat ein Tierschutzverein sie übernommen und zu uns gebracht", sagt sie.Hund mit drei Beinen


Die Hunde, darunter Tiere mit drei Beinen, stammen aus Ländern wie Rumänien und haben wegen ihrer Größe oder ihres Alters keine Chance, vermittelt zu werden. Ganz skurril ist die Herkunft der Vögel. Sie stammen von einer Frau, deren Partnerschaft in die Brüche gegangen und deren Trennung in einen Rosenkrieg ausgeartet ist, sagt Wirtz. "Der Mann hat ihr Auto mitgenommen, und als er es am nächsten Tag zurückgebracht hat, waren acht Enten und zwei Gänse drin." Auch diese haben jetzt in Irmenach eine Bleibe gefunden.
Den Tierlebenshof hat Peter Hild 1997 gegründet. Der 66-jährige Rentner, der früher als Automobilverkäufer gearbeitet hat, ist über Demonstrationen gegen Tierversuche in die Tierschutzszene gekommen und hatte erst einige Tiere in Mietställen untergebracht, bis er nach einer zweijährigen Suche den Hof in Irmenach gefunden und für seine Zwecke umgebaut hat. Das Anwesen liegt etwas außerhalb des Ortes, direkt angrenzend befinden sich sieben Hektar Grünfläche, die Hild als Weide für die Kühe und Pferde und fürs Heumachen nutzt. "Für unsere Zwecke ist das ideal", sagt er. Eigentlicher Träger des Tierlebenshofes Hunsrück-Mosel ist inzwischen der 2013 gegründete gleichnamige Verein, der 30 Mitglieder hat. Diese kommen aus ganz Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen.Paten helfen


Hinzu kommen 48 Paten, die die Einrichtung mit Spenden unterstützen, genauso wie die Tierrechtsorganisation Free Animal in Hamburg. 2000 Euro kostet die Einrichtung pro Monat, hinzu kommen oft unkalkulierbare Tierarztkosten. "Ohne finanzielle Unterstützung könnten wir das nicht stemmen", sagt Hild. Zweimal pro Woche fährt er in Lebensmittelmärkte in Simmern und Gensingen, die ihm nicht mehr verkäufliches Obst, Gemüse und Backwaren als Futter für die Tiere zur Verfügung stellen. Alleine die Enten fressen zehn Salatköpfe täglich, sagt Hild. Aber auch ehrenamtliche Helfer unterstützen Hild und Wirtz bei ihrer Arbeit auf dem Hof. Dazu gehören zwei Schülerinnen aus Enkirch, eine Kraft aus Veldenz und sogar Personen aus Neuwied, die alle drei Wochen für einen Sonntag kommen und dann "einen Tag richtig schuften", sagt Hild. Derzeit wollen Hild und Wirtz mit ihrer Einrichtung bekannter werden, da vielen Menschen nicht klar ist, um welche Institution es sich bei dem Tierlebenshof handelt. Allerdings können sie derzeit außer einem Pferd keine weiteren Tiere aufnehmen. "Wir sind voll und müssen realistisch sein und auch nein sagen können, denn es bringt nichts, wenn wir den Tieren nicht mehr gerecht werden können", sagt Hild.
Wirtz ergänzt: "Der Tierlebenshof ist bei der großen Anzahl von Tieren in Not zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber einige haben wenigstens ein schönes Leben."