Unterwelt soll 40 000 Besucher anlocken

Unterwelt soll 40 000 Besucher anlocken

In der Stadt Traben-Trarbach gibt es riesige Kelleranlagen. Mit dem Projekt "Vinotropolis" will die Stadt diese an der Mosel einzigartigen Sehenswürdigkeiten touristisch nutzen. Dafür sind Investitionen in Höhe von 300 000 Euro notwendig. Matthias Holzmann, Leiter der Tourist-Information, peilt 40 000 Besucher pro Jahr an.

Traben-Trarbach. Grünes Licht für ein ehrgeiziges Vorhaben: Die EU und das Land fördern das Projekt "Vinotropolis - Die Traben-Trarbacher Unterwelt". 300 000 Euro will die Stadt investieren, um riesige, seit vielen Jahrzehnten ungenutzte Kelleranlagen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit touristisch zu nutzen. 55 Prozent werden über das Förderprogramm Leader der Europäischen Union und zehn Prozent vom Land bezahlt. Den Rest schultert die Stadt.
Seit 2008 bietet die Tourist-Information Traben-Trarbach Führungen durch mehrere Keller in Traben und Trarbach an. Etwa 1000 Besucher nutzen im Jahr dieses Angebot - Tendenz steigend. Doch es sollen weitaus mehr werden. 40 000 Menschen könnten sich nach Meinung von Matthias Holzmann, Leiter der Tourist-Information, die einzigartige Traben-Trarbacher Unterwelt anschauen, wenn das Angebot optimiert und professionell vermarktet wird.
Holzmann hat ein auf drei Jahre angelegtes Konzept erstellt, um die Weinkeller in Szene zu setzen. Dafür sind einige Investitionen nötig, die rund 300 000 Euro kosten. Einzelne, nur durch eine Wand getrennte Keller, müssen miteinander verbunden werden, um das Gefühl eines Labyrints zu bekommen. Die Keller müssen beleuchtet und mit Informationstafeln bestückt werden. Außerdem ist vorgesehen, leere Keller teilweise wieder mit alten Holzfässern und Kellerei-Gerätschaften zu bestücken.
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Schließlich will die Tourist-Information Broschüren und Flyer in Druck geben und für das Projekt eine eigene Homepage erstellen.
Das Projekt beinhaltet ferner ein professionelles Video, das den Gästen am Anfang jeder Führung einen Überblick über die Geschichte der Traben-Trarbacher Unterwelt und der historischen Bedeutung des Weinhandels (siehe Extra) geben soll. An acht bis zehn Stationen können sich die Gäste in drei Sprachen Informationen rund um die Weinkeller anhören.
Die Besichtigungstour durch die Unterwelt wird voraussichtlich wie folgt ablaufen: Start ist am Alten Rathaus in Traben. Nach der Video-Präsentation steigen die Besucher in den großen Gewölbekeller. Von dort geht es in den Keller unterhalb der Alten Zunftscheune und schließlich in die unterirdischen Räume des Moselschlösschens und des Forstamtes. Nach einem kurzen Aufenthalt im Freien geht es weiter in den 130 Meter langen Keller unterhalb der Moselbrücke. Es folgen drei alternative Touren - unter anderem in die Keller Aacher Hof, Sartor, Breucker, Oskar Haussmann, die Keller Stiftungsweingüter, Römer, Dinkel, Emert, Franz, Weinzheimer, Adolf Huesgen, Bogner, Pölcher, Storcke Stütz, Böcking, Caspari, Graifen und Louis Klein.
Holzmann: "Es ist schon etwas ganz Besonderes, einen Keller am Moselufer zu betreten, verschiedene Bauwerke, sogar eine Bundesstraße zu unterqueren, um dann in einem Garten oder Winzerhof wieder das Tageslicht zu erblicken."
Mit den Inhabern der Keller - einige gehören der Stadt und Behörden, die meisten Privatpersonen - werden Nutzungsverträge geschlossen.
Zurzeit kostet eine Kellerführung fünf Euro, beziehungsweise 6,50 Euro mit Weinprobe. Der Eintritt in die Vinotroplis wird voraussichtlich fünf Euro teurer sein, um nicht nur die Kosten zu decken, sondern um das Projekt weiter auszubauen.Extra

Traben-Trarbach war um die Wende zum 20. Jahrhundert nach Bordeaux der zweitgrößte Umschlagplatz für Wein. Zeitweise wurde in der Stadt mehr als die Hälfte der deutschen Weinernte umgeschlagen. In dieser Zeit entstanden in Traben-Trarbach die eindrucksvollen Villen der Weinhändler, neue und immer größere Kellereien mit bis zu 100 Meter langen Tonnengewölben wurden gebaut. Über 100 Weinfirmen waren um die vorletzte Jahrhundertwende in der Stadt ansässig. Die Kelleranlagen ragten teilweise bis in die Straßenzüge hinein. Wie zum Beispiel der 80 Meter lange und acht Meter breite Keller, der vom Brückenkopf in Traben bis in die Neue Rathausstraße führt. Heute sind Großkellereien Zweckgebäude auf der "grünen Wiese". Unterirdische Kelleranlagen in diesen Dimensionen sind längst unrentabel geworden. sim