Unverzichtbar für das Dorfleben

Mit 68 Senioren hat alles am 10. Januar 1996 angefangen: Damals haben Hilde Konrad und Ursula Reiland den ersten Seniorenkaffee in Minderlittgen organisiert. Heute ist es gerade mal die Hälfte der Gäste - aber das Engagement und die Begeisterung sind gleich geblieben. Dafür wurde das Projekt sogar vom Kreis ausgezeichnet.

Minderlittgen. Für das besondere Jubiläum hat die Mitgründerin des Seniorenkaffees in Minderlittgen, Hilde Konrad (74), ein Gedicht vorgetragen: "Ich hab zu Weihnachten einen Internetzugang geschenkt bekommen und da habe ich dieses Gedicht gefunden: Aufruf an alle Senioren!" Darin heißt es unter anderem: "Jetzt zu verreisen ist gar kein Problem, Ihr weicht dem Stau aus, Ihr fahrt bequem. Ihr müsst jetzt leben, zusammen reisen, zusammen ausgehen und herrlich speisen."
Normalerweise Hefekuchen


Damit ist das Motto des Seniorenkaffees treffend formuliert: Mehr als 62 Ausflüge haben die Senioren in Minderlittgen seit 1996 schon zusammen unternehmen können. "Die erste Fahrt ging nach Meerfeld. Da seid ihr noch gut zu Fuß gewesen: Einige von euch sind ums Maar spazieren gegangen, andere waren Kaffee trinken", richtet Hilde Konrad das Wort an die mehr als 30 Senioren, die im Bürgerhaus bei Sahnetorte und Kaffee sitzen. Übrigens eine Besonderheit zum 20. Jubiläum: "Normalerweise gibt es immer Hefekuchen. Das hat sich bewährt", so Konrad. Die Tatsache, dass die Senioren in denv ergangenen 20 Jahren mit dem Seniorenkaffee gealtert sind - "Nachwuchs" gibt es kaum - führt Konrad auf die gestiegene Mobilität der älteren Dorfbewohner zurück. "Die haben ja jetzt alle einen Führerschein und können ihre Ausflüge selbst organisieren."
68 Senioren waren am 10. Januar 1996 beim ersten Kaffee zu Gast. "Mittlerweile hat sich die Zahl halbiert." Für die 74-Jährige kein Grund zum Aufhören: "Solange ich selbst keine Wehwehchen habe - mache ich weiter." Es sei einfach toll, die Dankbarkeit und Begeisterung der älteren Gäste zu erleben. Ihre Freundin und ebenfalls Frau der ersten Stunde, Ursula Reiland (79), kann ihr nur zustimmen: "Die Arbeit macht mir einfach Spaß. Ich wäre zwar alt genug, um aufzuhören, aber das will ich nicht."
"Fingerfood" auf Platt


Deswegen wird es auch weiterhin am zweiten Mittwoch des Monats den Seniorenkaffee in Minderlittgen geben. Für einen kleinen Kostenbeitrag bekommen die Senioren Kaffee, Kuchen und belegte Brote serviert. Zum Jubiläumskaffee gibt es ein Gläschen Sekt und "Fingerfood": "Dat könnt ihr mat den Fangern essen", so Hilde Konrads Ansage an die Gäste. Sie redet immer platt. Das ist ihr am liebsten. Manchmal gebe es auch einen kleinen Schnaps. Unterstützt werden die beiden Damen übrigen seit einiger Zeit von Rosi Schiffer.
Die Busfahrten zu allen möglichen Zielen in der Region, ob zum Puppenmuseum nach Bernkastel-Kues, in die Glockengießerei nach Saarburg oder in die Mausefalle nach Neroth, hat bis vor Kurzem immer Hilde Konrads Mann Helmut unternommen. Er hatte den entsprechenden Führerschein und stand gerne als Chauffeur zur Verfügung. Allerdings hat er nun keine Lizenz mehr, was seine Frau sehr bedauert: "Aber Ausflüge werden wir trotzdem weiterhin machen - wenn auch nicht mehr ganz so oft."
Auch ohne die großen Fahrten ist der Seniorenkaffee eine Institution im Dorf - vergangenes Jahr wurde das Projekt sogar beim Ideenwettbewerb "Zu Hause alt werden" (siehe Extra) vom Kreis Bernkastel-Wittlich ausgezeichnet. 1300 Preisgeld hat es gegeben. "Da ist sicher noch die ein oder andere Fahrt drin", so Konrad. Die Räumlichkeiten im Bürgerhaus und den Kaffee stellt die Gemeinde den Senioren zur Verfügung.
Doris Lamsfuß aus Wittlich ist von Anfang an mit dabei. Für den Kaffeeklatsch fährt sie mit ihrem Mann immer wieder gerne die sieben Kilometer nach Minderlittgen. "Ich erinnere mich noch an die Fahrt zum Flughafen Hahn. Da durften wir mit dem Bus auf die Startbahn. Da denke ich immer dran, wenn ich von dort in den Urlaub fliege." Außerdem schätze sie die große Gastfreundschaft der beiden Damen und das Miteinander in der Gemeinschaft.
Mit dem Wort "Seniorenkaffee" hat sie kein Problem: "Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt!" Dieses Motto leben alle Senioren in Minderlittgen - das beweist die gute Stimmung im Bürgerhaus. Hier ein Witz oder dort ein Scherz über eine vergessene Kaffeetasse: Alle haben Spaß. Und das ist die Hauptsache.
Extra

Unverzichtbar für das Dorfleben
Foto: klaus kimmling (m_wil )
Unverzichtbar für das Dorfleben
Foto: klaus kimmling (m_wil )

Mit dem Projekt "Zu Hause alt werden" möchte der Landkreis Bernkastel-Wittlich die Voraussetzungen schaffen, um seinen Bürgern auch in Zukunft ein möglichst langes, selbständiges Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Bestehende Versorungsstrukturen sollen gestärkt und um innovative Angebote ergänzt werden. Dazu steht das Preisgeld zur Verfügung. Zwölf Projekte wurden 2015 ausgezeichnet (der TV berichtete). Darunter sind die "Wittlicher Brücke", ein Senioren- und Mitmachbüro mit Hilfestellungen unterschiedlichster Art, oder auch der "Gemeinsame Mittagstisch und Spielenachmittag" Lüxem zur Förderung von sozialen Kontakten. jwa