Uropas Eiswein

REIL. 97 Jahre alt ist Winzer Robert Melsheimer aus Reil am Samstag geworden. Wahrlich ein Grund zum Feiern. Sein schönstes Geschenk: Am gleichen Tag ernteten Sohn Eberhard und Enkel Thorsten einen hochwertigen Eiswein.

Mit wachen Augen und klarem Verstand beobachtet Robert Melsheimer noch stets das Dorf- und Weltgeschehen. Seine 97 Jahre sieht man dem rüstigen Rentner, der sich sogar noch gelegentlich an das Steuer seines Volvo setzt, nicht an.Viele Jahrzehnte führte er das renommierte Weingut Melsheimer in Reil, 1970 übergab er es seinem Sohn Eberhard, der es nun zusammen mit Enkel Thorsten bewirtschaftet.Als am vergangenen Samstag Thorsten Melsheimer seinem Großvater das Ergebnis der morgendlichen Eisweinlese in der Spitzenlage Moullay-Hofberg verkündete, freute sich der "Seniorchef" ganz besonders über dieses Geschenk der Natur. 150 Grad Oechsle zeigte die Mostwaage an - ein Spitzenwein zum Abschluss eines ohnehin außergewöhnlichen Jahres. "Uropas Eiswein - das wäre doch ein schöner Name für einen solchen Wein," schmunzelt Thorsten Melsheimer.Bis zum Jahr 2003 war der 1921er Robert Melsheimers Favorit unter den besten Jahrgängen. Damals lernte er als 14-Jähriger an der Ahr, sein Vater August holte ihn für acht Tage nach Hause, damit der Sohn dabei ist, wenn ein solcher Jahrhundertwein gelesen wird.Jetzt ist es Enkel Thorsten, der den 2003er, wiederum ein Jahrhundertwein, im Keller ausbaut. Gerade die Reiler Winzer dürfen vom 2003er noch mehr erwarten als viele ihrer Winzerkollegen. Als es im Sommer unerträglich heiß und trocken war, sorgte ein Gewitterregen über Reil in einer Augustnacht für 40 Liter Regen. Wasser, das die Reben gierig aufnahmen und zusammen mit Nährstoffen und Sonne in Zucker umwandelten. Das Weingut Melsheimer erntete Auslesen, Beerenauslesen und sogar eine Trockenbeerenauslese mit 250 Grad Oechsle. Der "geringste" Most wies noch 88 Grad Oechsle auf.Großvater Robert, der täglich zum Essen ein Viertelliter Wein trinkt, probiert heute noch stets die füllfertigen Weine und gibt seinen fachmännischen Kommentar. Bis vor zwei Jahren griff er noch selbst zur Wingertsschere und schnitt die jungen Rebanlagen. Im Frühjahr und Sommer pflegt er seinen 500 Quadratmeter großen Garten - eine Beschäftigung, die zusammen mit dem täglichen Schoppen Riesling wohl zu seiner Gesundheit auch im hohen Alter beigetragen haben.

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