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Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues erhält mehr Flächen für Solarenergie

Kommunales : Die Mosel setzt auf grünen Strom

Der Rat der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues beschließt, welche Flächen für Photovoltaik ausgewiesen werden können. Das soll den Anteil an erneuerbaren Energien erhöhen.

Photovoltaik wird derzeit kontrovers diskutiert, was zum Teil auch an der eher niedrigen Einspeisungsvergütung liegt, also dem Geld, das der Betreiber einer Anlage erhält, wenn er dem Netz überschüssigen Strom zur Verfügung stellt. Einerseits sollen dennoch innerhalb der Städte und Gemeinden möglichst viele Dachflächen genutzt werden, um CO2 zu sparen, andererseits gibt es aber auch auf dem Land noch Potenzial für größere Anlagen.

Die Mitglieder des Verbandsgemeinderats Bernkastel-Kues haben in ihrer Sitzung in Piesport über die Solarenergie in der Fläche diskutiert und die dafür notwendige Fortschreibung des Flächennutzungsplans auch beschlossen. Dieser Plan ist die Voraussetzung für die Genehmigung solcher Anlagen. Joachim Sautter vom Trierer Büro BGH-Plan hat das Gebiet der Verbandsgemeinde untersucht.

Insgesamt sind 642 Hektar Flächen außerhalb der Städte und Ortskerne nutzbar, die fast ausschließlich im Süden der Verbandsgemeinde liegen: Im Umfeld der Gemeiden Hochscheid, Kleinich, Longkamp, Monzelfeld, Gornhausen und Neumagen-Dhron. Zum Vergleich: Die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues hat eine Gesamtfläche von 24 800 Hektar, damit sind 2,6 Prozent der Fläche für Photovoltaik nutzbar.

Inwieweit dort tatsächlich Anlagen entstehen, hängt von potenziellen Investoren und vom Votum der betroffenen Gemeinden ab. Generell rechnet man pro Hektar und Jahr bei einer Photovoltaik Freilandanlage mit 400 000 bis 500 000 Kilowattstunden Stromerzeugung.

Zum Vergleich: Der Stromverbrauch der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues lag laut Energieatlas Rheinland-Pfalz bei 130 367 Megawattstunden, die Einspeisung mit Solarstrom beträgt momentan rund 18 000 Megawattstunden.

Es gibt allerdings auch Kritik an der Einrichtung von Photovoltaik-Anlagen auf dem Land, weil dadurch möglicherweise landwirtschaftlich wichtige Flächen nicht mehr genutzt werden können (der TV berichtete mehrfach). Johannes Schneider, Mitglied im VG-Rat sagte: „Ich bin grundsätzlich für Photovoltaik, habe aber Bedenken. Wir brauchen eine andere Priorisierung. Zuerst sollten versiegelte Flächen damit ausgestattet werden. Dann sollte man überlegen, ob die Panels der Solaranlagen so hoch aufgeständert werden können, dass darunter auch Kühe weiden können.“

Damit spricht Schneider jene Kritik seitens der Landwirtschaft an, denn herkömmliche Solar-Farmen sind meistens nicht so hoch aufgeständert, womit das Gelände für Viehzucht verloren geht. Joachim Sautter von BGH-Plan greift das Thema dann auch auf: „Das ist ein wichtiger Punkt: Die sogenannte Agro-Photovoltaik. Da soll Landwirtschaft mit Photovoltaik verbunden werden.“ Wie Sautter erläutert, könnten die Panels dann statt drei auf sechs Meter Höhe aufgeständert werden, womit die Fläche weiterhin zum Beispiel für Viehzucht nutzbar wäre.

Bei privaten Anlagen sei wegen der geringen Einspeisungsvergütung nicht immer eine Rentabilität gegeben, aber bei Großanlagen sei das anders, bemerkt Dirk Kessler, Bürgermeister von Wintrich: „Wenn da ein Investor Millionen ausgibt, dann wird der sich das schon überlegt haben.“

Ob tatsächlich in Zukunft weitere Solarparks in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues entstehen, ist zwar noch nicht klar. Aber: Durch den Beschluss des Rates sind jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen.