Vergeben wird nur noch gemeinsam

Weil die Anforderungen immer weiter steigen, arbeiten die Verbandsgemeinden Hermeskeil und Ruwer zusammen.

Hermeskeil/Waldrach Ganz freiwillig kommt diese Neuerung nicht. Die Tage der Angebote im großen braunen Umschlag per Post oder per Direkteinwurf bei der Verwaltung sind gezählt. Grund ist eine vom Europäischen Parlament beschlossene Vergaberichtlinie für die öffentliche Hand. Danach muss ab Oktober 2018 die gesamte Kommunikation zwischen Verwaltung und Bietern im elektronischen Verfahren ablaufen. Daraus ergeben sich für die Verwaltungen neue Anforderungen. Die Verbandsgemeinden Ruwer und Hermeskeil werden deshalb 2018 im Waldracher Rathaus eine gemeinsame Vergabestelle für Ausschreibungen einrichten. Bürgermeister Michael Hülpes von der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil und der erste Beigeordnete der VG Ruwer, Karl-Heinrich Ewald, haben ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Bisher waren die jeweiligen Bauämter für die Bearbeitung von Ausschreibungen und Vergaben zuständig.Die Lösung für die gestiegenen Anforderungen bei den Vergaben sind zentrale Vergabestellen mit entsprechend qualifiziertem Personal. Dabei sollen diese Stellen auch das komplette Vergabeverfahren im Baubereich, für Dienstleistungen oder Sachanschaffungen abwickeln. Die Mitarbeiter einer zentralen Vergabestelle müssen also in der Lage sein, in jedem Verfahren die technischen wie auch die rechtlichen und formalen Aspekte kompetent zu bearbeiten. Eine Aufgabe für zusätzliches, qualifiziertes Personal, was für die Verwaltungen wiederum zum Kostenfaktor wird. Dazu sagt Büroleiter Franz Becker, Verbandsgemeinde Ruwer: "Wir haben uns deshalb vom Gemeinde- und Städtebund beraten lassen. Das Ergebnis war als Pilotprojekt diese gemeinsame zentrale Vergabestelle Ruwer/Hermeskeil."Laut Ewald und Hülpes werden die beiden Verwaltungen einen Techniker und einen Verwaltungsexperten neu einstellen. Die Kosten von rund 100 000 Euro jährlich tragen beide Seiten je zur Hälfte. Bei der Entscheidung für den Standort Waldrach hätten die besseren Platzverhältnisse im neuen Rathaus den Ausschlag gegeben. Hülpes: "Unsere Verwaltung in Hermeskeil platzt schon aus allen Nähten." Die Stellenausschreibung erfolgen Anfang kommenden Jahres, Mitte 2018 soll die zentrale Vergabestelle in Waldrach ihre Arbeit aufnehmen. Der Entscheidung für den Standort Waldrach waren einige politische Debatten vorausgegangen. Hülpes und Ewald sagten vor der Unterzeichnung: "Wir hätten lieber eine zentrale Vergabestelle bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg gesehen. Doch dies scheiterte an der Zustimmung dreier Verbandsgemeinden im Kreis." Als Alternative sei dann eine gemeinsame Stelle für Hermeskeil, Ruwer und Kell angedacht worden. Da die VG Kell jedoch mit der VG Saarburg fusionieren möchte, sei es letztlich bei der Zweier-Lösung in Waldrach geblieben.In der Verbandsgemeinde Ruwer sei das Projekt sofort angenommen und vom VG-Rat einstimmig beschlossen worden. Im Hermeskeiler Rat habe eine große Mehrheit dafür votiert. Es habe aber auch ein paar kritische Stimmen gegeben. "Da hatten einige Angst, wir könnten etwas aus der Hand geben. Dabei ist das eine rein verwaltungstechnische Geschichte und völlig undramatisch", sagt VG-Chef Hülpes. Bedenken einzelner VG-Ratsmitglieder, dass Hermeskeiler Antragsteller künftig extra nach Waldrach anreisen müssten, hätten selbst Firmenvertreter aus dem Hochwald zurückgewiesen. Schließlich werde ab Mitte 2018 die Kommunikation ohnehin nur noch auf elektronischem Wege ablaufen. KommentarMeinung

Foto: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"

Gute Lösung für komplexe AufgabeDie Vorschriften, die europaweit für die Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand gelten, werden immer komplexer. Und sie erfordern deshalb eine immer höhere Qualifikation von denjenigen in der Verwaltung, die diese Dinge umsetzen sollen. Da scheint es keine schlechte Idee zu sein, wenn sich zwei Verbandsgemeinden bei der Umsetzung dieser Aufgabe zusammentun. Die Verbandsgemeinden Ruwer und Hermeskeil teilen sich die dadurch anfallenden Kosten und zugleich die Suche nach dem ausreichend qualifizierten Personal. Die gemeinsame Vergabestelle kann damit ein gutes Beispiel für grenzüberschreitende Kooperation werden. Bedenklich ist allerdings, dass dieser Schritt nicht ganz freiwillig kommt. Dass Vorschriften für die Verwaltungen so komplex geworden sind, dass Verbandsgemeinden sich damit allein überfordert fühlen, gibt einem schon zu denken. c.weber@volksfreund.de

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