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Verkehrslärm, wo einst die Mühlen klapperten

Verkehrslärm, wo einst die Mühlen klapperten

Die Unfallkreuzung Büdlicherbrück wird in absehbarer Zeit ihr Gesicht entscheidend verändern. Der Gefahrenpunkt soll entschärft werden. Dafür wird auch das Hotel-Restaurant zur Post abgerissen, ebenso wie ein gegenüber stehendes Haus. Für die Menschen im Dhrontal nichts Ungewöhnliches: Sie sind Veränderungen gewöhnt.

Büdlich/Naurath. Zwei Verletzte bei einem Frontalzusammenstoß im Juli 2007, ein Holztransporter in Hotelgarten (Mai 2005) - nur zwei Beispiele für schwere Unfälle an der Kreuzung Büdlicherbrück. Schon bald wird der gefährliche Bereich der Landesstraße 150, die 1960 ausgebaut wurde, entschärft (der TV berichtete). Ein grundlegender Aus- und Umbau in den nächsten Jahren ist geplant. Das Gesicht des Tals zwischen Büdlich und Naurath wird sich erneut verändern. Wie schon so oft in den vergangenen 100 Jahren - mal im Interesse der Stromerzeugung, mal wegen des zunehmendenVerkehrs (siehe Extra und Grafik).
Noch gravierender veränderte vor 100 Jahren der Bau der Talsperre an der Kleinen Dhron und des Kraftwerkes bei Leiwen das Tal. Bis dahin waren an dem Zufluss der Dhron, die bei Neumagen-Dhron in die Mosel mündet, über Generationen Müller ansässig. Dann wurden ihre Mühlen überflutet und die Menschen ihrer Existenz beraubt. Denn der Bau der 1913 fertiggestellten Brücke bedeutete das Ende der Mühlen im Tal. In unmittelbarer Nähe von Büdlich betraf das vier Mühlen: eine Sägemühle, Schneidmill genannt, eine Ölmühle, die Carls- oder auch Bohnsmühle, eine Getreidemühle und etwas weiter oberhalb an der Kleinen Dhron die Robertsmühle.
Auch ein Kuriosum hat die Kreuzung zu bieten: Hier verlaufen Verbandsgemeindegrenzen, so dass das heutige Landhaus St. Urban auf der Gemarkung des Nachbarortes Naurath/Wald steht und zur Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil gehört. Ebenso wie das Hotel-Restaurant zur Post, das der neuen Straßenführung weichen wird. Ein drittes Haus steht direkt an der Kreuzung auf Büdlicher Gemarkung, gehört also zur Verbandsgemeinde Thalfang - obwohl es von der Straßenführung her näher an Naurath liegt. Eine 1973 vom Land angeregte Grenzänderung sei auf keine Gegenliebe gestoßen, erzählt die Büdlicher Ortsbürgermeisterin Gabriele Schleimer. Die Gemeinde Naurath lehnte neue Grenzen vorwiegend aus wirtschaftlichen Erwägungen ab. Außerdem wollte sie, wie auch betroffene Eigentümer, nicht von der traditionellen Verbindung zum Raum Trier lassen. So kommt es, dass die Menschen in der "Splittersiedlung" trotz unterschiedlicher VG-Zugehörigkeit an der gleichen Straße wohnen. Zu welcher VG sie gehören, verrät die Hausnummer.
Auch die beiden Mühlen weiter unterhalb direkt an der Kleinen Dhron sowie die ehemalige Schneidmill an der Zufahrt nach Büdlich liegen an dieser Straße. Aus der Sägemühle stammt Schleimers Vorgänger Rudi Adams. Herbert Klassen (87) wohnt in der Ölmühle, Büdlicher Brück 9. Als früherer Müller mit eigener Landwirtschaft hat er den Wandel des Dhrontals, in dem einst um die 30 Mühlen auf engstem Raum klapperten, teils miterlebt. "Bis 1954 hab ich noch selbst Öl ausgefahren", erzählt er. Später war er als Viehhändler unterwegs. Als Müller besaß er die erforderlichen Fahrzeuge. Neben seiner Arbeit engagierte er sich 28 Jahre in Büdlich als Ratsmitglied. So erlebte er auch die Blüte des Dhrontals als beliebte Ausflugs- und Urlaubsregion ab den 1960er Jahren. Es gab sogar Pläne für ein Freibad Büdlicherbrück.Extra

An der Büdlicherbrück kreuzen sich die Landesstraßen 150, von Thalfang kommend Richtung Autobahnanschluss Trier-Saarbrücken, und die L 148, die von Hermeskeil nach Trittenheim und Leiwen führt. Das Gelände um die stark frequentierte Kreuzung, an der sich immer wieder schwere Unfälle ereignen, hat schon vor Jahrhunderten eine wichtige Rolle gespielt. Aktuell zeugen davon der im Bereich Büdlicherbrück ausgewiesene Hunsrücker Jakobsweg, teils identisch mit dem Ausoniusweg. urs