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Verkehrstest: Mehrheit der Stadtpolitiker wartet ab

Verkehrstest: Mehrheit der Stadtpolitiker wartet ab

Seit mehr als zwei Wochen ist die Kurfürstenstraße teilgesperrt. Der Verkehrsversuch soll noch vier Wochen dauern. Bislang hat sich kein Bürger positiv geäußert. Im Gegenteil: Beklagt werden chaotische Zustände. Der TV hat die Stadträte um eine erste Einschätzung gebeten: Die Mehrheit lehnt das zum jetzigen Zeitpunkt ab. Allein die FWG fordert einen Abbruch des Versuchs.

Wittlich. Der bereits vor Beginn heftig kritisierte Verkehrsversuch der Stadt Wittlich läuft seit mehr als zwei Wochen. Die Kurfürstenstraße ist zwischen Fürstenhof und Einkaufszentrum teilgesperrt. Eine Umfahrung ist über den Parkplatz Oberstadt möglich. Seither hagelt es weiter Kritik: Die Bürger, die sich unter anderem in Leserbriefen zu Wort melden, haben kein Verständnis für den Versuch. Und was ist die Haltung der entscheidenden Stadtpolitiker? Die drei größten Fraktionen im Stadtrat, CDU, SPD und Grüne finden, es ist zu früh, etwas zu sagen. Die FWG dagegen fordert einen sofortigen Abbruch.

Der TV hat die Fraktionsvorsitzenden und Sprecher um eine erste Einschätzung gebeten und gefragt: "Wie beurteilt Ihre Fraktion/Gruppierung den bisherigen Verlauf des Verkehrsversuchs und welche Konsequenzen wollen Sie womöglich ziehen?" Und: "Inwieweit macht es weiterhin aus Ihrer Sicht Sinn, den derzeit probeweise teilgesperrten Bereich langfristig zur verkehrsberuhigten Zone (shared space) umzuwandeln?" Nachstehend die Antworten:

Elfriede Meurer, CDU: "Der Verkehrsversuch, den die CDU Wittlich im Interesse der gesamtstädtischen Situation grundsätzlich befürwortet, läuft gerade knappe zwei Wochen. Es ist meinen Fraktionskollegen und mir nicht möglich, bereits heute eine abschließende Wertung abzugeben, da gerade erst die Herbstferien zu Ende gehen. Eine möglicherweise dauerhafte Verkehrsberuhigung in der Kurfürstenstraße wäre Teil eines Gesamtverkehrskonzeptes, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Dabei könnte auch "shared space" eine Variante sein."

Joachim Gerke, SPD: "Über ungelegte Eier spricht man nicht. Am Dienstag, 18. Oktober, findet die nächste Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses statt. Wir erwarten einen Sachstandsbericht der Verwaltung. Darüber werden wir uns dann in unserer nächsten Fraktionssitzung am 24. Oktober fraktionsintern unterhalten. Falls Sie dann noch Interesse an einer Antwort haben, will ich diese gerne geben. Um Ihre zweite Frage beantworten zu können, wird ja gerade der Versuch durchgeführt. Also warten wir doch einfach mal die endgültigen Ergebnisse ab."

Michael Wagner, Grüne: "Nach Abschluss des Verkehrsversuches werden wir in der Lage sein, eine sachgerechte und fachlich fundierte Meinung zu dem Thema und den von Ihnen angestoßenen Fragestellungen zu haben. Die Frage, ob sich der Bereich der Kurfürstenstraße wie auch der Bereich Schlossstraße für ein shared-space-Konzept eignet, ist ja Grundlage des Verkehrsversuches gewesen. Warten wir also ab, bis Ergebnisse hierzu vorliegen. Dann werden Sie sicher von mir eine angemessene Meinung unserer Fraktion zum Thema erhalten."

Michael Scheid, FWG: "Der Verkehrsversuch zeigt leider nur auf, wie es nicht geht! Man spricht von eingeschränkter Passierbarkeit und erklärt den betroffenen Teil der Kurfürstenstraße per Beschilderung zur Sackgasse. Wer trotzdem fährt, ist nach einem Staub- oder Schlammbad gehalten, die nächste Waschanlage anzusteuern. Auf keinen Fall mehr - so die überwiegende Meinung bei den unfreiwilligen Testfahrern - eine Fahrt zur Innenstadt! Mag auch die befürchtete Verkehrsverlagerung in den Bereich Sehlemet weniger stark als befürchtet eingetreten sein - die eingetretenen Folgen sind insbesondere für die Altstadt dramatisch! Die spielte einmal mehr bei diesem Verkehrsplanspiel keine Rolle. Wir fordern daher den sofortigen Abbruch dieses Verkehrsversuchs!"

Auch bei FDP und dem Linken-Ratsmitglied hat der TV nachgefragt, aber nach der allen eingeräumten Bedenkzeit von fast fünf Tagen keine Antwort erhalten.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Schreiben Sie uns. Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à 30 Anschläge lang sein und bis heute, 14 Uhr, vorliegen. E-Mail: mosel-echo@volksfreund.de. Namen und Wohnort bitte nicht vergessen.

Dr. Walter Neussel, ehemaliger Chefarzt der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin am St.-Elisabeth-Krankenhaus, schreibt in einem offenen Brief an den Bürgermeister, "dass den Verantwortlichen für dieses Desaster wenigstens klar sein sollte, dass durch die derzeitige Lösung die Einsatzzeit des Notarztwagens (...) im Regelfall in unverantwortlicher Weise verlängert wird."
Heinz-Werner Steffen, DRK-Kreisgeschäftsführer, blickt vom Büro auf den Parkplatz und sagt: "Die Situation ist sehr belastend für die Bewohner des Fürstenhofs. Das Chaos ist teilweise erheblich. Vor allem bei Dunkelheit ist es sehr schwer zu erkennen, wo man fahren soll, viele fahren auch einfach durch. Ein vierwöchiger Versuch wäre wirklich genug." sos