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Verliebt in alte Steine: Winzerhaus in Lieser

TV-Serie : Ein Schnapsbrenner aus Lieser kauft altes Winzerhaus: „Zu modern ist nix für mich“

Wolfgang Kuntz hat sich am Markt in Lieser ein altes Winzerhaus gekauft, renoviert und einen Verkaufs- und Probierraum daraus gemacht.

Angenehm kühl ist es im Probierraum von Wolfgang Kuntz. Dabei ist es egal welche Temperatur draußen herrscht, denn der Keller ist aus Schieferbruchsteinen.

2017 hat der Schnapsbrenner in Lieser ein altes Winzerhaus gekauft, das er schon als Kind gekannt hat. Einer der Vorbesitzer seiner Brennerei wohnte dort. Er sagt: „Ich habe ein Haus gesucht, dass zentral im Ort ist, wo ich auch einen Laden unterbringen kann. Das habe ich hier gefunden.“ Das Alter des Anwesens ist nicht genau bekannt. Zwischen 120 und 160 Jahren könnte es liegen. Was dieses Haus aber immer wieder deutlich zeigt, ist wie schwer und aus unserer heutigen Sicht umständlich die Menschen früher gearbeitet und gelebt haben.

„Die Räume waren klein und eng. Sie mussten die Fuderfässer mit viel Mühe und von Hand in und aus dem Keller schieben und sie haben den Keller selbst in den Felsen gehauen. Man sieht hier noch die Spuren der Arbeiten im Stein.“

Aus dem Gebäude hat er einen Verkaufs- und Probierraum gemacht. In der Grundstruktur sind die Räume erhalten geblieben. Im ehemaligen Fasskeller kann man heute die edlen Brände und modernen Liköre des neuen Besitzers in gemütlicher Runde probieren. Große, für den Raum angefertigte Holztische, verschieden farbige Stühle und ein indirektes Lichtkonzept sorgen für den passenden Rahmen.

Der Kelterraum ist heute ein moderner Verkaufsraum, mit einer großen Theke aus Birnenholz vor einer Regalwand, in der die Produkte der Brennerei ausgestellt sind, darunter veganer „kein Eierlikör“ oder ein Heuschnaps.

Der Kuhstall ist zu Toiletten umgebaut worden und wo früher die Schweine grunzten, ist heute ein Abstellraum. „Es war eine ganz normale Winzerhofstelle mit sieben bis acht Fässern Wein und einer kleinen Landwirtschaft“, fasst Wolfgang Kuntz zusammen. Der Zustand des Hauses war nicht besonders gut, als er es übernommen hat und es hielt einige kostspielige Überraschungen bereit.

Der Dachstuhl musste beispielsweise erneuert werden und die Toiletten, wo man mit Lehmboden gerechnet hatte, war gewachsener Schiefer. Den Keller hat er selbst renoviert, die Fliesen verlegt, die Treppe betoniert. „Ich kenne hier jeden Stein und habe hier viel Energie investiert, dann wächst einem so ein Objekt ans Herz.“ Schätze, Altertümchen oder Historisches hat er im Haus nicht entdeckt, aber Sandsteinrundbögen, die Flusssteine vor dem Haus oder Türen, die schon zugemauert waren, sind durch einen Rückbau wieder in Wert gesetzt worden.

Für Wolfgang Kunz zeigt sich die Wohnqualität beispielsweise in den kleinen verwinkelten Räumen und den niedrigen Türen, bei denen sich große Menschen auch mal bücken müssen. „Zu modern ist für mich nix“, sagt er.

 Das Gebäude von Wolfgang Kuntz in Lieser steht am Marktplatz.
Das Gebäude von Wolfgang Kuntz in Lieser steht am Marktplatz. Foto: Christina Bents

Sein Lieblingsplatz ist im Keller, weil er sowohl im Sommer als auch im Winter angenehm temperiert ist und eine klare Luft hat. Zudem schätzt er die Lage am Markt, der sehr belebt ist und wo man schnell mit den Menschen, egal ob Tourist oder Einheimischer, ins Gespräch kommen kann.