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Verona Kerl über Jungwinzer und warum es wichtig ist, über sie zu schreiben

Auslese : Star-Rummel um Jungwinzer?

Liebe Weinfreunde! Gerne trete ich mit Ihnen in einen Dialog. Nicht selten erhalte ich echt gute Anregungen, über was wir mal berichten oder was wir recherchieren könnten.

Dabei greife ich gerne Hinweise auf, die mit Jungwinzern und Jungwinzerinnen zu tun haben. Egal, ob sie an der Saar, an der Obermosel oder Mittelmosel ihre Wingerte pflegen – sie sind die Zukunft des Weinbaus. Neulich erreichte mich jedoch eine Zuschrift, die mich sehr nachdenklich stimmte. Ein Leser schrieb: „Dieser Starrummel um Jungwinzer geht einem schon auf die Nerven, ich brauche auch keinen Winzer mit Philosophieambitionen, ich trinke gern Wein und habe beste Weine bei einfachen, ehrlichen Winzern gefunden, die Philosophie und die Rebellion sind mir keinen Cent wert.“ Eine starke Meinung! 

Werde ich sie mir zu Herzen nehmen und weniger über Jungwinzerprojekte schreiben? Nein. Jede Generation macht Dinge anders. Das ist im Weinbau nicht anders als im Journalismus, in der Gastronomie oder im Handwerk. „Anders“ heißt, sich zunächst einmal völlig vorurteilsfrei über ein Konzept zu informieren und es dann einzuordnen und zu bewerten. Viele Jungwinzer von Mosel, Saar und Ruwer sind  innovativ und aufgeschlossen. Und das ist gut so. Sie wissen, das Kirchturmdenken der Tod allen Fortschritts ist und haben gemeinsam so erfolgreiche Veranstaltungen wie Mythos Mosel, Rhythm and Wine und so manche legendäre Jungwinzer-Weinprobe auf die Beine gestellt. Sie beschäftigen sich mit neuen Marketingstrategien, experimentieren mit Rebsorten oder probieren moderne Techniken und Anbau- und Ausbaumethoden aus. Das nennt man Fortschritt. Die  Philosophien, die hinter diesen zahlreichen Ideen stecken, sind es allemal wert, beleuchtet zu werden.

Daher werde ich weiter berichten über junge Menschen, die vor allem anderen zwei wichtige Eigenschaften besitzen: Leidenschaft und Hingabe für den Wein und Mut, ihre Träume zu leben und Dinge anders zu machen. v.kerl@volksfreund.de