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Verpackungshersteller will Gehalt um 30 Prozent kürzen

Verpackungshersteller will Gehalt um 30 Prozent kürzen

60 Mitarbeiter der Firma Huhtamaki klagen vor dem Arbeitsgericht in Koblenz gegen Gehaltskürzungen, die Anfang des Monats wirksam wurden. Seit mehreren Jahren wird in dem Werk in Alf (Kreis Cochem-Zell), in dem unter anderem Lebensmittelverpackungen hergestellt werden, Personal gekürzt.

Alf. Knapp 50 Prozent der einstmals mehr als 400 Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen. Jetzt sollen die Gehälter um bis zu 30 Prozent gekürzt werden, es wurde ein neuer Haustarifvertrag mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie ausgehandelt.
Mitarbeiter verraten und verkauft



"Die Mitarbeiter wurden verraten und verkauft", sagt Rechtsanwalt Georg Wohlleben aus Zell an der Mosel, der die Angestellten des Alfer Werkes mehrheitlich vertritt. Er habe in 20 Jahren Berufserfahrung nie eine solche Senkung von Grundgehältern erlebt. Laut Gewerkschaftsvertreter Holger Zimmermann erwartet die Mitarbeiter mit dem neuen Haustarif eine gestaffelte Lohnsenkung. So wurde grundsätzlich das Gehalt um neun Prozent gesenkt, zusätzlich sollen die Angestellten in andere Tarifgruppen eingeteilt werden. "Viele Menschen haben Qualifikationen, die laut Unternehmen nicht mehr gebraucht werden", erklärt Zimmermann. Dies sei für die Mitarbeiter sehr hart. Jedoch würden die Lohnsenkungen gestaffelt. Hat zum Beispiel ein Maschineneinrichter bisher 3000 Euro im Monat verdient, soll das Gehalt nun als Maschinenbediener um 1000 Euro gesenkt werden. Zu Beginn des Monats Juli fallen in diesem Fall 150 Euro weg, ab April 2015 jährlich weitere 100 Euro. Zudem soll es Härtefallregelungen geben.
Laut der Gewerkschaft war der bisherige Verlauf der Umstrukturierung des Werkes in Alf einmalig. So sei seitens des Unternehmens nie verhandelt worden, die Mitarbeiter wurden nicht informiert. Noch im Februar sei unklar gewesen, ob die finnische Konzernleitung die Umstrukturierung und die wieder aufgenommenen Verhandlungen mit der Gewerkschaft akzeptiert. Das Aus des Werkes sei zu diesem Zeitpunkt eine realistische Option gewesen.
Auch jetzt bestehe das Risiko, dass aufgrund der Klagen die neu geschaffene Struktur nicht funktioniere. Anfang August wird es den ersten Gütetermin vor dem Koblenzer Arbeitsgericht geben. Jedoch rechnen die Beteiligten nicht damit, dass dort eine Einigung erzielt werden kann. Auch aus der Erfahrung heraus, dass der Konzern in den vergangenen Jahren alle Streitigkeiten vor Gericht ausgetragen hat. Das Unternehmen selbst hat sich bisher nicht zu den Entwicklungen geäußert. Die Produktion wurde in den vergangenen Jahren aufgrund der Personalkürzungen massiv zurückgefahren, jetzt soll es allerdings erste Lichtblicke und neue Kunden geben, die auf eine Verbesserung der Situation in Alf hoffen lassen.