Verschleppt über Nacht: Die vergessenen Opfer der Nazis

Verschleppt über Nacht: Die vergessenen Opfer der Nazis

Weggesperrt, ohne Aussicht auf einen fairen Prozess: Die sogenannten Nacht-und-Nebel-Häftlinge sind den wenigsten ein Begriff. Ihre Geschichten hat die Wissenschaftlerin Lena Haase jetzt in Wittlich erzählt.

Wittlich. Wir schreiben das Jahr 1941: Der sogenannte Führererlass tritt im nationalsozialistischen Deutschland in Kraft - eine geheime Richtlinie für die Verfolgung von Straftaten gegen das "Reich". Rund 7000 Verdächtige aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen wurden nach Deutschland verschleppt und dort ohne Aussicht auf einen fairen Prozess jahrelang in Haft gehalten. Festgehalten wurden sie auch im Trierer Gefängnis und der JVA Wittlich. Da die mutmaßlichen Straftäter oft über Nacht spurlos verschwanden, werden sie heute auch Nacht-und-Nebel-Häftlinge genannt. Ihre Angehörigen erhielten keinerlei Auskünfte über ihren Verbleib.
Über dieses dunkle Thema in der Geschichte der Region hat Lena Haase, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes "Gestapo Trier"an der Trierer Universität, in der Wittlicher Synagoge gesprochen. Anhand von Quellen aus dem Dritten Reich vollzog Haase Lebens- und Leidensweg der französischen Familie Hascoet nach, die britische Soldaten vor den Nazis versteckt haben soll - nur der jüngste Sohn der Hascoets überlebte die nationalsozialistischen Verbrechen - alle anderen wurden in Konzentrationslagern getötet oder starben kurz nach ihrer Befreiung. In der Schlussdiskussion über den Vortrag zeigte sich, dass die Nacht-und-Nebel-Häftlinge auch heute noch eine weitestgehend unbekannte Gruppe von Verfolgten des Naziterrors sind. Im KZ Hinzert erinnert eine Gedenktafel an sie.
Der Vortrag in der Wittlicher Synagoge wurde von rund 60 Zuhörern besucht. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Kulturamt der Stadt Wittlich, dem Emil-Frank-Institut und dem Arbeitskreis Jüdische Gemeinde Wittlich. Sie fand im Rahmen des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus statt. red

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