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Versöhnungsversuch hier, Schuldzuweisung da

Versöhnungsversuch hier, Schuldzuweisung da

Versöhnen, ohne einen der beteiligten Menschen im Zwist um Tourismuschef Matthias Holzmann anzugreifen: Das haben der katholische Pfarrer Markus Eiden und sein evangelischer Kollege Jörg-Walter Henrich bei einem Gottesdienst in Traben-Trarbach versucht. Deutlich Stellung bezogen hat dagegen der Künstler Norbert Küpper bei seinem Solidaritätskonzert für Holzmann.

Traben-Trarbach/Wittlich. Die Temperaturen in der Kirche ist an diesem Abend fast so eisig wie das Verhältnis zwischen den Parteien im Streit in Traben-Trarbach. Unter den rund 250 Menschen in der St. Nikolaus-Kirche ist auch Matthias Holzmann, der im Mittelpunkt des Streits steht. Ihm wurde bereits zweimal gekündigt, der Streit zwischen ihm und der Stadt Traben-Trarbach, allen voran Bürgermeisterin Heide Pönninghaus, beschäftigt seit mehr als einem Jahr die Gerichte. Holzmann-Freunde und Gegner stehen sich seitdem unversöhnlich gegenüber.Pfarrer Markus Eiden von der katholischen Kirche stellt klar, dass die Stadt und ihre Menschen unter diesem Streit leiden. Und er betont, dass es in dem Versöhnungsgottesdienst nicht darum geht, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. So werden auch konsequent keine Namen genannt. Auch sein evangelischer Kollege Jörg-Walter Henrich ruft die Gemeinde zum Frieden auf. Er bittet darum, den Streit nicht durch Kommentare in der Presse oder im Internet weiter anzuheizen. "Wo die Zuschauer fehlen, laufen Anfeindungen ins Leere", sagt er. Er räumt auch ein, dass manche sicher so zerstritten seien, dass sie sich die Hand nicht mehr reichen können. Das müsse man akzeptieren. Es liege jedoch an jedem Einzelnen, auf die andere Seite zuzugehen.Henrich zeigt drei Schritte zur Versöhnung auf. Zum einen solle man Gerichtsurteile anerkennen. Im zweiten Schritt sollte man sich wieder auf das besinnen, um was es eigentlich geht, und nicht ständig neue Kampfplätze eröffnen. Und drittens solle jeder sich fragen, was sein Anteil am Streit ist.Als äußeres Zeichen für eine mögliche Versöhnung lassen die Geistlichen einen Korb mit Wollfäden herumgehen. Daraus darf jeder einen Faden nehmen und zur Versöhnung an einen anderen knüpfen. Aber nicht an diesem Abend in der Kirche. Denn, so die Pfarrer, sei das dann nur ein symbolischer spontaner Akt, der nicht wirklich weiterhelfe.Während in Traben-Trarbach in der kalten Kirche auf jegliche Art der Parteiergreifung konsequent verzichtet wird, ist das bei dem von Justinus Maria Calleen moderierten Solidaritätskonzert des Kölner Künstlers Norbert Küpper in Wittlich anders. Rund 40 Menschen sind diesem Aufruf in den angenehm temperierten Alten Bahnhof gefolgt. Küpper macht keinen Hehl daraus, wer für ihn der Schuldige in dem Streit ist. Er findet deutliche Worte für die Gegner Holzmanns und spricht von Tätern, die menschenverachtend handeln. Holzmann sei nicht das einzige Verfolgungsopfer in dieser Gegend, klagte Küpper. Zuschauer würden eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht. Das habe es auch schon bei den Nazis und in der DDR gegeben.Nicht ganz so extrem äußern sich die Bahnhofs-Chefin Hanna E. Murray und der Traben-Trarbacher CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Jürgen Römer. Murray bedauert, dass in einer zivilisierten Welt so etwas passieren kann. Römer lobt, dass bei dem Versöhnungsgottesdienst, an dem auch er zuvor teilgenommen hatte, auf irgendwelche Spitzen verzichten wurde. Aber auch er bezog eindeutig Partei und sprach von einem "Bombardement gegen Holzmann, das unmenschlich ist".Das letzte Wort hat Holzmann. "Wir wollen bleiben bis zum letzten Urteil", stellt er klar. Das Thema müsse gelöst werden. Aber "ich spüre keinen Hass".Meinung

Zweifelhafte SolidaritätMatthias Holzmann wäre besser nach dem Gottesdienst mit der Erkenntnis nach Hause gegangen, dass es Menschen in Traben-Trarbach gibt, die guten Willens sind. Guten Willens, Gräben zu überwinden und wieder Frieden für die Menschen zu finden. Stattdessen fuhr er nach Wittlich und erlebte dort, was Verbitterung anrichten kann. Die Vergleiche zur Nazizeit und zur DDR mögen in Norbert Küppers Weltsicht begründet sein. Das moralisierende Klassifizieren von Tätern und Opfern mag zudem das persönliche Mütchen derjenigen kühlen, die sich seit jeher im Besitz der Wahrheit fühlen. Das bringt jedoch weder Holzmann noch irgendjemand anderen auch nur einen Deut weiter. Vielmehr entzweit die in Wittlich zelebrierte Art der Solidarität, wo es gilt, zusammenzuführen. h.jansen@volksfreund.de