Verständigung über Gräbern

BERNKASTEL-KUES. Jugendliche aus Israel, Tschechien, Polen und aus der Verbandsgemeinde restaurieren gemeinsam den jüdischen Friedhof deutscher Bürger auf polnischem Gebiet - in der polnischen Partnergemeinde Otmachau.

Das Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage im LandkreisBernkastel-Wittlich hatte letztes Jahr einstimmig beschlossen,das Projekt "Instandsetzung jüdischer Friedhof Otmuchów" zuunterstützen und juristisch die Trägerschaft für das Projekt zuübernehmen. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens derPartnerschaft in diesem Jahr soll der verfallene jüdischeFriedhof in Otmachau wieder hergestellt werden, um ihn alsgemeinsames kulturelles Erbe zu erhalten. Im Jahre 1938 fand dortdie letzte Beerdigung statt. Durch Zufall wurde er im Jahr 2001von Renate Khoschlessan, der Projektleiterin auf deutscher Seite,bei einem Besuch in Otmachau entdeckt. Die Grabsteine lagenzerbrochen unter dem Waldboden, nur ein Schild erinnerte daran,dass hier ein Friedhof war. Dass soll sich aber nunändern.Jugendliche aus den Partnergemeinden der VGBernkastel-Kues und Otmachau werden in den Ferien in einemWork-Camp die Grabsteine herrichten. "Dieses Projekt passt genau zu den Zielsetzungen unseres Bündnisses wie Völkerverständigung, Abbau von Vorurteilen und Aufarbeitung der Vergangenheit", versichert Jutta Blatzheim-Roegler. Dem liege die Möglichkeit zur länderübergreifenden Jugendarbeit am Herzen. Teilnehmen werden auch Jugendliche aus Israel, die alle deutsch-polnische Wurzeln haben. "Die Israelis sind neugierig auf Deutschland" weiß sie. Eine Woche bevor es nach Otmachau geht, werden sie bei deutschen Gastfamilien in der Verbandsgemeinde verbringen. Unterstützt wird das Projekt auch vom Partnerschaftskomiteé der Verbandsgemeinde und der Verwaltung. Neben der Förderung durch die Europäische Union in Höhe von 18 000 Euro unterstützt auch die deutsche Bischofskonferenz das Jugendcamp mit 15 000 Euro aus ihrem "Renovabis-Projekt" für die Annäherung zwischen Ost und West. "Über diese Hilfe freuen wir uns sehr und danken auch Mariette Becker-Schu vom Dekanat Bernkastel-Piesport und dem Bistum Trier, die die Kontakte zur Bischofskonferenz hergestellt haben", betont die Projektleiterin.

Ausflüge nach Krakau und Breslau

Auch die Verbandsgemeinde unterstützt das Projekt finanziell mit 2000 Euro, der Kreis mit 750 Euro, Innen und Bildungsministerium schießen zusammen 5700 Euro bei. Hinzu kommen Spenden in Höhe von 900 Euro, so dass ein Gesamtbudget von 42 300 Euro zur Verfügung steht. Bevor die Jugendlichen nach Polen aufbrechen gibt es einen Kennenlern-Abend am 23. Juli in Erden.

Zwischenzeitlich sind für das Camp wieder drei Plätze frei geworden. "Zunächst liefen die Anmeldungen sehr schleppend, aber die Jugendlichen, die sich gemeldet haben, sind engagiert und verantwortungsbewusst", versichert Khoschlessan. Sie wüssten, dass es sich dabei nicht um eine Ferienfreizeit auf Ibiza handele. Dennoch würde sich das Programm für die jungen Leute lohnen. Die Anreise ist am Samstag, 26. Juli. Die Jugendlichen werden mit ihren Betreuern im Schloß Otmuchów begrüßt und unternehmen einen Stadtrundgang. Am Nachmittag wird das Projekt vorgestellt und abends wird gegrillt. Die Arbeitszeit in den zwei Wochen beginnt um 9 und endet um 15 Uhr, anschließend Freizeit und Geselligkeit. Zudem gibt es Ausflüge zum Museumsdorf Opole, zum Pfeifenmuseum im Schloß Javornik, nach Auschwitz-Birkenau, Krakau und Breslau. Zum Abschluss wird die Arbeit in einer Dokumentation zusammengefasst.

Anmeldung bei der Verwaltung, Telefon 06531/54100.

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