Versteckspiel um die neue Tourismus-Chefin
Morbach · Die Nachfolgerin von Karl-Heinz Erz an der Spitze der Morbacher Tourist-Info steht offenbar fest. Sie heißt Franziska Fleckser. Bürgermeister Andreas Hackethal will die Bevölkerung aber erst im September über die neue Leiterin informieren.
Morbach. Eine Frau soll nach TV-Informationen als Nachfolgerin von Karl-Heinz Erz die Leitung der Morbacher Tourist-Information übernehmen. Sie heißt Franziska Fleckser und ist 26 Jahre alt. Erz selbst hatte bei einer Sitzung des Fremdenverkehrsausschusses im November 2013 mitgeteilt, sich nach 33 Jahren an der Spitze der Morbacher Tourist-Information zum 31. Januar 2015 in den Ruhestand zu begeben.
Im Juni soll sich Fleckser als einzige Kandidatin im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung den Mitgliedern des Gremiums vorgestellt haben. Sie habe dabei einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, sodass der Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung per Abstimmung gebilligt haben soll. Bei Thekengesprächen werden in Morbach bereits Details über die neue Tourismus-Chefin erzählt.
Doch Bürgermeister Andreas Hackethal hüllt sich trotz mehrfacher Nachfrage des TV in Schweigen. Er hält es für besser, die Personalie erst bei Arbeitsbeginn der Dame Mitte September zu veröffentlichen, sagt er. Hackethal äußert sich auch nicht, als der TV nach eigenen Recherchen den Bürgermeister mit dem Namen der neuen mutmaßlichen Morbacher Tourismus-Chefin konfrontiert.
Immerhin bestätigt Fleckser auf telefonische Anfrage, dass sie im September nach Morbach wechseln wird. Auf weitere Fragen möchte sie erst antworten, wenn sie ihre Stelle angetreten hat.
Insofern hilft nur eine Suche im Internet, um Informationen zu bekommen. Bis Ende Juli hatte die junge Frau bei dem sozialen Netzwerk Xing ein Profil. Demnach hatte sie im Juni 2011 bei der Industrie- und Handelskammer ihre Prüfung zur Kauffrau Touristik und Freizeit bestanden. Anschließend hatte sie an der Berufsschule in Neustadt an der Weinstraße/Fachschule für Tourismus einen Abschluss als staatlich geprüfte Betriebsfachwirtin für Tourismus gemacht. Zudem hatte sie bei Xing angegeben, gute Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Spanisch zu besitzen.
Von Juni 2011 bis Dezember 2012 arbeitete sie demnach als Kauffrau für Tourismus und Freizeit im Bad Dürkheim. Seit Januar 2013 ist sie laut dem Profil in der gleichen Funktion bei der Heidelberg Marketing GmbH tätig. Auf deren Homepage ist Flecksers Aufgabe mit dem Begriff Projektmanagerin Sales (Vertrieb) beschrieben. Wenige Tage nach dem Anruf war das Profil allerdings gelöscht.
Meinung
Unverständlich und schädlich
Wissen ist Macht, sagte vor 400 Jahren der englische Philosoph Francis Bacon. Das stimmt noch heute und insbesondere dann, wenn das Wissen auf einen kleinen Kreis beschränkt ist. Diese Art von Macht sei auch jedem gegönnt. Sie endet aber dort, wo es um öffentliche Angelegenheiten geht. Denn in demokratisch verfassten Gesellschaften ist Transparenz eine zwingende Voraussetzung für ein funktionierendes Gemeinwesen. Die gewählten Vertreter sind nur Sachwalter für jene, die sie gewählt haben. Vor allem aber arbeiten sie mit dem Geld, das ihnen die Bürger zur Verfügung stellen. Deshalb haben alle ein Recht zu wissen, was Räte entscheiden, und das nicht zu einem von irgendeinem Verwaltungschef gewählten Zeitpunkt, sondern zeitnah. Die Geheimniskrämerei von Bürgermeister Andreas Hackethal ist nicht nur unverständlich und widerspricht der Informationspflicht, sie ist schädlich, weil sie in Morbach nur die Gerüchteküche befeuert. l.ross@volksfreund.deExtra
Xing ist ein soziales Netzwerk im Internet, das vorzugsweiser von Berufstätigen genutzt wird, um neue berufliche Kontakte zu akquirieren. Xing bezeichnet sich auf seiner Homepage als größtes berufliches Netzwerk im deutschsprachigen Europa und hat nach eigenen Angaben 14 Millionen Mitglieder. cst