Vertrauen für Müller

ZELL. Der Aufsichtsrat der Raiffeisenbank (Raiba) Zeller Land stärkt seinem Vorsitzenden Matthias Müller den Rücken. Denn 162 Mitglieder der Genossenschaftsbank fordern dessen Abberufung. Doch Norbert Schneiders, Vize-Aufsichtsratsvorsitzender, sagt: "Matthias Müller genießt unser volles Vertrauen."

Die "Interessengemeinschaft für den Erhalt der Raiba Zeller Land" hat 162 Unterschriften gesammelt, um die "Abberufung von Herrn Matthias Müller als Mitglied des Aufsichtsrates" zum Thema bei der nächsten Generalversammlung zu machen (TV vom 18. April). Hundert Unterschriften hätten genügt, um dieses Begehren durchzusetzen.Antrag schafft es auf die Tagesordnung

"Das Genossenschaftsgesetz ist sehr basisdemokratisch", sagt Matthias Müller, "deshalb wird dieser Punkt in die Tagesordnung aufgenommen, damit ihn die Generalversammlung als genossenschaftliches Parlament klären kann." Um den Aufsichtsratsvorsitzenden abzuberufen, müssen 75 Prozent der Mitglieder dafür stimmen - keine leichte Hürde. Auch der Fusionsversuch der Bank scheiterte zweimal an der fehlenden Dreiviertelmehrheit. Doch nun geht es nicht um eine strategische Entscheidung, sondern um eine Person. Matthias Müller ist seit 16 Jahren im Aufsichtsrat der Bank, seit fünf Jahren ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Raiba Zeller Land. Hans-Joachim Mons, Sprecher der "Interessengemeinschaft", wirft Müller vor, er habe in der Fusionsversammlung im Juni 2004 die wirtschaftliche Situation der Bank falsch dargestellt. Dem widerspricht nicht nur Müller, sondern auch der Bankvorstand. "Wir haben die Fusion vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Wettbewerbs und einer überbordenden Ausweitung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen vorgeschlagen", sagt Walter Hoff. "Dabei haben wir ganz klar gesagt, dass die Bank aktuell gesund ist." Die Kritiker kreiden Müller auch an, dass er die Bank in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt juristisch vertreten hat - unter anderem bei einem Rechtsstreit mit dem ehemaligen Mitglied Hermann-Josef Simonis. Bestand darin ein Interessenkonflikt? Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht. Demnach darf ein Aufsichtsratsmitglied die Bank in Angelegenheiten Dritter vertreten, wenn dies seine Überwachungstätigkeit als Aufsichtsrat nicht betrifft. Rückendeckung bekommt Matthias Müller auch von seinen Kollegen aus dem Aufsichtsrat, die vor einer Woche tagten. "Wir haben ihm ausdrücklich unser Vertrauen ausgesprochen", sagt Norbert Schneiders, Vize-Vorsitzender in diesem Gremium. Er bedauert, dass sich die Auseinandersetzung zwischen Interessengemeinschaft und Bank nun auf Matthias Müller zuspitzt. "Denn er hat nie etwas anderes gemacht als das, was der Aufsichtsrat beschlossen hat." Nach Meinung von Schneiders steht die Forderung nach Müllers Abberufung "im krassen Widerspruch zur erfolgreichen Entwicklung der Bank". Im Jahr 2004 ist die Bilanzsumme um 1,2 Prozent auf 189,5 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der Mitglieder hat um sich um 253 auf 4864 Anteilseigner erhöht.