Verurteilt: Lehrer sabotiert Rennen bei Zell-Merl

Verurteilt: Lehrer sabotiert Rennen bei Zell-Merl

Ein 62-jähriger Lehrer ist zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte bei einer Motorsportveranstaltung bei Zell (Kreis Cochem-Zell) Steine, Öl und Nägel auf der Strecke verteilt.

Cochem. Ein 62-jähriger Lehrer wurde vom Amtsgericht Cochem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Der Mann aus dem Kreis Mayen-Koblenz hatte versucht, eine Motorsportveranstaltung zwischen Zell-Merl und Grenderich im Mai vergangenen Jahres zu verhindern, indem er Steine auf der Strecke stapelte, Nägel verteilte und Öl auf die Straße goss. Später bedrohte er zudem den Vorsitzenden des Motorsportvereins, der die Veranstaltung ausrichtete. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Es liest sich wie ein Krimi: Ein Ehepaar stoppt im letzten Moment vor einer Steinmauer mitten auf der Landesstraße 199 zwischen Zell-Merl und Grenderich, ein Kleinwagen rast über Steine, auf der Straße liegen Glasscherben, Öl und Nägel. Kurz danach verfolgen mehrere Männer den Täter durch den dunklen Wald, doch dieser springt zwölf Meter in die Tiefe und entkommt.
Seit Jahren protestiert eine Bürgergruppe gegen die Motorsportveranstaltung bei Zell. "Eine unsinnige Veranstaltung, die nur die Umwelt belastet", sagt der Angeklagte während der Verhandlung. Doch er selbst will nur Plakate mit der Aufschrift "Wahnsinn Autorennen: Stoppt den CO2-Ausstoß" aufgehängt haben. Für den Tatzeitpunkt am späten Samstagabend gibt er ein vermeintliches Alibi vor: "Ich war im Taunus und habe von der Sache nichts mitbekommen", sagt der Lehrer in Altersteilzeit. Dies bestätigt seine Schwester.
Doch die Indizien gegen den Angeklagten sind erdrückend. Elf Zeugen wurden geladen, um aufzuklären, ob der Angeklagte mit Steinen aus einer Bruchsteinmauer die Straße versperrt und später in einem Brief und telefonisch den Vorsitzenden des Motorsportclubs bedroht hat. Die Verfolger, die den Radfahrer durch den Wald jagten, sind sich einig: Sie erkennen den Mann an seiner Kleidung und an dem Fahrrad, das er zurücklassen musste - am selben Tag wurde er bei einem Fahrradrennen in Traben-Trarbach fotografiert. Der Lehrer erwidert: Das Fahrrad habe ein Bekannter aus seinem Schuppen genommen, dessen Namen er nicht nennen möchte. Ein weiteres Indiz: Am Tatort finden Mitglieder des Motorsportvereins das Etikett einer Weinflasche, in der das Öl transportiert wurde. Es ist Hochzeitswein mit den Namen der Eltern des Angeklagten auf dem Etikett.
Richter Wilfried Johann stimmte der Forderung von Amtsanwalt Markus Cron zu und verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe. Cron hatte keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten, weil dessen Sportkleidung mehrfach wiedererkannt worden war: "Solche Zufälle kann man ausschließen", sagte er. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Lehrer hat eine Woche Zeit, Berufung einzulegen. Denn dieser war sich während der Verhandlung keiner Schuld bewusst: "Ich habe keine Straftat begangen."