Verwaltung ist nicht langweilig - Azubi-Blog in Wittlich-Land

Ausbildung : Verwaltung ist nicht langweilig - Azubi-Blog in Wittlich-Land sagt Klischees den Kampf an

Zwei Auszubildende der VG Wittlich-Land starten einen Azubi-Blog. Darin berichten sie über die Zeit in Verwaltung und Schule. In sozialen Netzwerken sind sie schon aktiv – und planen mehr.

Was haben Sie vor Augen, wenn Sie an einen Verwaltungsbeamten denken? Einen Mitfünfziger, der hinter dem Schreibtisch kauert. Eine Hand an der Kaffeetasse, ein Auge immer auf die Uhr gerichtet, um zu wissen, wann die nächste Pause ansteht. Er sitzt in einem Büro, das aufgrund der Altlasten aus der Zeit, in der noch auf der Arbeit geraucht werden durfte, einen leichten Nikotingeruch mitbringt.  Von Arbeit keine Spur. Kurz gesagt: Verwaltungsarbeit ist eintönig und langweilig. Stimmt‘s?

Nein, sagen zumindest Jasmin Brandt und Adrian Gräf. Die beiden haben vor einem Monat nicht nur die Ausbildung bei der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, sondern auch einen Azubi-Blog begonnen – mit einer klaren Maßgabe: „Ziel unseres Blogs ist es, dass wir der jüngeren Generation zeigen, dass die Verwaltung nicht langweilig und eintönig ist, sondern sich weiterentwickelt und modernisiert hat.“ Außerdem wollen sie ihren Lesern zeigen, dass man sehr viel Spaß mit seinen Kollegen in der Verwaltung haben kann.

Der erste Beitrag im Internet ist bereits erschienen. Darin erzählen sie vom ersten Monat in der Verwaltung – unter anderem vom Entwerfen eines Flyers für die Ausbildung in der Verwaltung und von der Einladung zum Betriebsausflug nach Köln.

Die Zielgruppe der Verwaltungsblogger ist klar definiert: Schüler und Jugendliche, die für eine Ausbildung infrage kommen. Wie erreicht man die am besten? Klar, über soziale Netzwerke. Die Verbandsgemeinde ist ein Vorreiter, was den Umgang mit moderner Kommunikation angeht und zeigt auf Facebook und Instagram eine große Präsenz und Aktualität. Die Auszubildenden wollen daran anknüpfen und planen, darüber hinaus noch weitere Netzwerke zu erobern: „In weiterer Planung sind Netzwerke wie Snapchat und Twitter.“ Die VG startet mit Hilfe ihrer Blogger die Social-Media-Offensive und sagt den Klischees den Kampf an.

Wirklich spannend wird es im zweiten Eintrag, dessen Veröffentlichung unmittelbar bevorsteht. Für die beiden geht es zur Verwaltungsschule nach Mayen. Dort kommen sie mit Verwaltungsschülern aus ganz Rheinland-Pfalz zusammen. Der Blog ist in seiner Form einzigartig und in der Schule noch unbekannt: „Wir glauben, viele wissen gar nicht, dass wir einen solchen Azubiblog leiten.“ Das könnte sich spätestens mit der Veröffentlichung des zweiten Eintrags ändern – und als Ansporn für weitere Formate dienen: „Wir denken, dass wenn unsere Mitschüler es wissen würden, es bei einigen von ihnen Interesse wecken würde, vielleicht selbst einen zu führen.“

Doch der Blog ist auch ein Spagat. Wie ehrlich kann über Dinge berichtet werden, die den beiden an der Ausbildung oder in Mayen nicht gefallen, ohne die Verwaltung zu kritisieren? Für die Schreiberlinge ist ganz klar, dass sie authentisch bleiben wollen: „Wir bringen unsere ehrliche Meinung ein. Unsere Eindrücke sind alle echt, und das wird auch seitens der VG respektiert.“ Den Blog betreiben Jasmin und Adrian in ihrer Freizeit, sprich am Wochenende: „Dann reflektieren wir, was wir in dieser Woche erlebt haben.“ Momentan haben sie die Wochenenden frei, doch jeder, der studiert hat, weiß: In der Prüfungsphase wird das anders sein. Der Blog soll darunter nicht leiden, auch wenn das schwer vorherzusehen ist: „Momentan sind wir noch nicht in der Prüfungsphase, und von daher ist der Ablauf des Wochenendes auch noch nicht mit Lernstress vollgepackt, so dass wir immer genügend Zeit finden. Natürlich hoffen wir, dass es nicht zu stressig wird und wir den Blog nicht vernachlässigen.“

Ein ambitioniertes Ziel, doch vielleicht schaffen es Brandt und Gräf tatsächlich, mit den Vorurteilen aufzuräumen und Verwaltung sexy werden zu lassen. Kaffeepausen kann man ja trotzdem machen.