Verwirrung um Luxemburger Herzpatienten

Bernkastel-Kues/Luxemburg · Herzpatienten aus Luxemburg wurden bisher nach Operationen ins Reha-Zentrum nach Bernkastel-Kues verlegt. Dieser Praxis könnte das Aus drohen, weil ambulante Behandlung im eigenen Land bevorzugt wird. Zu möglichen Folgen läuft eine Anfrage im luxemburgischen Parlament. An der Mosel wäre man über eine weitere Zusammenarbeit froh.

Bernkastel-Kues/Luxemburg. Eine Anfrage in der Luxemburger Abgeordnetenkammer sorgt in Bernkastel-Kues für Aufregung und stößt auf Unverständnis. Marc Spautz, Mitglied der Christlich Sozialen Volkspartei (CSV), will vom Gesundheitsministerium und vom Minister für soziale Sicherheit wissen, ob wirklich keine Luxemburger Herzpatienten mehr im Reha-Zentrum auf dem Kueser Plateau Aufnahme finden.
Europäische Dimension


Hintergrund: Seit 1999 werden Patienten des Herzzentrums der Hauptstadt des Nachbarlandes nach Operationen in die Moselstadt überwiesen, weil es im eigenen Land keine Möglichkeit zur Anschlussbehandlung gab und bis heute nicht gibt.
Das Projekt hat sogar eine europäische Dimension. Mit Mitteln (knapp 350 000 Euro) der EU, des Landes Rheinland-Pfalz, des Reha-Zentrums und des Herzzentrums wurde eine sogenannte Datenautobahn geschaffen, auf der die Unterlagen der Patienten im Eiltempo ausgetauscht werden (der TV berichtete). Die Verantwortlichen des Reha-Zentrums reagieren überrascht auf die Meldung über die Anfrage. "Wir nehmen weiter Patienten aus Luxemburg auf", betonen Verwaltungsleiterin Eva-Maria Bergerfurth und der kaufmännische Leiter Till Beier. Der TV hat versucht Licht ins Dunkel zu bringen und die beiden Luxemburger Beteiligten um Aufklärung gebeten. Ein Gespräch mit Marc Spautz ist offenbar erst möglich, wenn seine Anfrage beantwortet ist. Das kann, so Serge Conrad (CSV-Generalsekretariat), bis zu 60 Tage dauern. "Sobald eine Antwort vorliegt, steht Herr Spautz Ihnen gerne Rede und Antwort", schreibt Conrad. Immerhin so viel sagt er: "Die Informationen an Herrn Spautz wurden ihm von Patienten angetragen sowie von Patienten, die im nationalen Herzzentrum (INNCI) behandelt wurden und anschließend zur Reha nach Bernkastel-Kues überschrieben werden sollten."
Und was sagen die Verantwortlichen des Herzzentrums dazu? Nicht viel. "Wir sind in der Tat damit befasst eine Antwort auf die Frage von Herrn Spautz zu formulieren. Sie werden sehr gerne zur gegebenen Zeit darüber informiert", antwortet Verwaltungsdirektor Andre Pütz auf die entsprechende Frage. Die Nachfrage, ob weiter Patienten nach Bernkastel-Kues überwiesen werden oder nicht, bleibt unbeantwortet.
Eva-Maria Bergerfurth hat sich, nachdem der TV angefragt hat, informiert. Es gebe wohl eine Änderung bei den Luxemburger Versicherungsträgern. Danach werden ambulante Rehamaßnahmen präferiert. Ob der Zusammenarbeit damit das Aus droht, weiß sie nicht.
Letztes Jahr wurden 150 Patienten aus dem Nachbarland in Bernkastel-Kues behandelt, 2015 waren es bis jetzt 110. "Es wäre schade, wenn sie nicht mehr kämen", sagt Bergerfurth, "wir müssten uns dann nach Alternativen umschauen."