Viel dem Herrgott zu verdanken

DREIS. Pastor Heinrich Schlags wurde am 9. September 1918 in Trier geboren. Der Wahl-Dreiser hatte sechs Geschwister, eine Schwester und fünf Brüder. Sein Vater war mit der ersten Frau sechs Jahre verheiratet. Sie bekamen zwei Kinder.

Nach ihrem plötzlichen Tod und einiger Zeit ohne Frau heiratete der Vater von Heinrich Schlags nochmals. Seine zweite Frau gebar vier Kinder, darunter Pastor Heinrich Schlags, dann starb sie an Tuberkulose. Nun stand der Vater mit sechs Kindern und dem Geschäft alleine da. "Er hat sich dennoch gut um uns gekümmert", erinnert sich der Pastor.Onkel finanzierte das Studium

Herr Schlags besuchte die Volksschule in Trier. Die Familie war sehr gläubig und er wurde Messdiener. Sein Onkel ermöglichte ihm sein Studium. "Von achtzehn Abiturschülern", sagte er stolz, "wollten neun Priester werden". Heinrich Schlags berichtet ganz entspannt und anschaulich aus seinem Leben. Etwas nachdenklich und traurig macht es ihn, als er von seinen verstorbenen Geschwistern erzählt. Ein Bruder blieb vermisst im Krieg, vier Brüder kamen aus dem Krieg zurück und die Schwester starb vor Ende des Kriegs bei einem Fliegerangriff. Herr Schlags musste keinen Wehrdienst leisten, weil er 1939 an Lungentuberkulose erkrankte. Diese damals lebensgefährliche Krankheit verschonte ihn von der Teilnahme am Krieg. "Zuerst habe ich mit diesem schweren Schicksal gehadert", verriet er uns, "aber dann war ich Gott sehr dankbar, weil ich so von der Kriegsteilnahme befreit war". Von der Krankheit gezeichnet, dachte er, das sei sein Ende, aber er wurde geheilt. "Gott lebt", sagt er lächelnd, "ich habe es in vielen Situationen erfahren". Er erinnert sich noch gut an die Machtübernahme Hitlers, denn diese fiel mit der Eröffnung der Heiligrock-Ausstellung zusammen. Sein Vater war der Meinung: "Der Lappen (damit meinte er Hitlers Fahne) kommt nicht ins Haus, auch wenn der Dom zu Trier eine hat." Heinrich Schlags ist mit Leib und Seele Priester. Seine Arbeit macht ihm sehr viel Freude und als Stärkung, quasi als Glaubensbekenntnis, gilt für ihn folgender Satz: "Gott liebt mich und ich weiß es." Vor Weihnachten 1944 bekamen er und drei weitere Diakone die Priesterweihe. Der letzte Wunsch seines Vaters war es, bei der ersten heiligen Messe seines Sohnes Messdiener zu sein. Kurz danach starb er an dem Geburtstag seines Sohnes am Mittagstisch an einem Herzschlag. Zum Schluss las Pastor Schlags uns den letzten Brief seines vermissten Freundes aus Stalingrad vor und man merkte seiner Stimme die Ergriffenheit an. Trotz Ruhestand ist der fast 85-Jährige als Priester in unserer Region mit Leib und Seele tätig, denn er habe, wie er immer wieder betont, viel dem Herrgott zu danken.

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