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Viel mehr als nur ein Ort mit toller Aussicht

Viel mehr als nur ein Ort mit toller Aussicht

Die Burgruine Landshut steht auf einem Fundament aus der Römerzeit. Seit das bekannt ist, wird an einem Konzept gearbeitet, um das Gemäuer attraktiver zu gestalten - unter anderem mit einem Erlebnisrundweg. Auch der gastronomische Bereich wird saniert. Die Stadt Bernkastel-Kues investiert mehr als zwei Millionen Euro.

Bernkastel-Kues. Was ist das Beste an der Burgruine Landshut in Bernkastel-Kues? Derzeit sicherlich die Aussicht ins Tal - auf die Stadt und die Mosel zwischen Mülheim und Graach. Denn wie der Name Ruine schon sagt, handelt es sich bei dem Gemäuer nicht um eine gut erhaltene Burg mit Rittersaal und Folterkammer. Trotzdem machen sich pro Jahr geschätzte 100 000 Besucher auf den Weg zu ihr. In absehbarer Zeit können sie dort oben aber nicht einmal einen Kaffee trinken. Das Areal, einschließlich des gastronomischen Bereichs, wird umfassend saniert.

Das Ziel: Der Blick ins Tal wird zwar immer noch eine Attraktion sein, doch auch die Geschichte soll erlebbar werden. Hochbautechniker Christian Endres (Architekturbüro Berdi, Bernkastel-Kues) wird dabei bis Mitte 2015 für alles, was sich außerhalb des Innenhofs und des gastronomischen Teils abspielt, die Bauleitung übernehmen. Er erläutert die Ideen:

Der Hintergrund: Bis vor einigen Jahren war man davon ausgegangen, dass die Burg im Mittelalter gebaut wurde. Es waren zwei Gemäuer aus den Jahren 983 und 1198 bekannt. Dann wurde ein Fundament freigelegt, auf dem die beiden anderen steinernen Zeitzeugen stehen (der TV berichtete). Die Burg muss also älter sein.
Gefunden worden sind die Reste eines römischen Kastells aus dem dritten Jahrhundert. Seither ist Bewegung in die Burg gekommen, die bis dahin nur ein Ausflugslokal an einem exponierten Standort war. Nun atmet sie Geschichte (siehe Extra).

Der Bauplan: Die Burg soll vollständig von einem Weg umgeben werden. Bisher ist nur ein Teil begehbar. Wer den Rundkurs geht, soll die Epochen des Gemäuers sehen und auf Tafeln nachlesen können. Der Weg wird auf der dem Tal abgewandten Seite nicht nur unterhalb der Mauer entlang führen, sondern über Stege auch oberhalb der Mauer. "Die Burg soll dadurch Erlebnischarakter bekommen", sagt Christian Endres.
Der Fußweg zur Burg, bisher mit Treppen versehen und unbeleuchtet, wird versetzt. Zudem wird ein Aufzug gebaut. Durch ihn und einen zusätzlichen Eingang sei die Burg dann barrierefrei zu erreichen.

Der Zeitplan: "Die Arbeiten sollen Mitte des Jahres beginnen", sagt der Bauleiter. Zuerst werde der Weg gebaut. Das ist wichtig, weil dort auch ein Kran stehen wird, der für die Arbeiten unabdingbar ist. Es folgen die barrierefreie Erschließung, die Mauersanierung und die Installation des Informationssystems. Es werden auch Parkplätze geschaffen, unter anderem in der Nähe des Aufzugs zwei für behinderte Menschen. Die meisten Besucher werden aber, mit dem Burg-Landshut-Express oder zu Fuß zur Burg kommen.
Die Arbeiten werden etwa ein Jahr dauern. Um in den Genuss von Zuschüssen zu kommen, müsse das Projekt bis Mitte 2015 abgerechnet sein, erläutert Architekt Peter Berdi.
Mehr als zwei Millionen Euro will die Stadt investieren. Mehr als die Hälfte davon ist für die Sanierung des gastronomischen Bereichs geplant. Diese Arbeiten werden erst beginnen, wenn der Außenbereich seine neue Form hat. Wann sich die Burg wieder als Einheit präsentieren wird, ist noch offen. cbExtra

Vor Jahren wurde die Geschichte der Ruine durch den Fund römischer Mauerreste umgeschrieben. Das "Princastellum" dürfte einer von 16 Stützpunkten gewesen sein, über die Kaiser Constantinus (293-306) an der Mosel verfügte. Die Anlage soll 60 mal 30 Meter groß gewesen sein und bis zu 2,40 Meter dicke Mauern gehabt haben. Zu ihr gehörten vermutlich sechs Türme. Die kaiserlichen Anlagen erstreckten sich vermutlich zwischen Trier und Koblenz. "Die Burg war also kein Zufluchtsort in unruhigen Zeiten, sondern Teil eines militärischen Konzepts", schrieb Karl-Josef Gilles (Rheinisches Landesmuseum Trier) in einem Aufsatz. cb