Viel mehr Lebensqualität

600 Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten beim DRK-Sozialwerk auf dem Kueser Plateau. Ein Teil lebt in Wohnheimen. Zum Beispiel im Drosselweg, wo ein solches Angebot vor 34 Jahren erstmals geschaffen wurde.

Bernkastel-Kues. Mehrfach versucht Bernd Krieger, die an einem Seil befestigte Sektflasche an der Hauswand zu zerschmettern. Es gelingt ihm nicht. "Vielleicht soll es nicht sein. Dann lassen wir es besser", sagt der Leiter des DRK Wohnheims Drosselweg auf dem Kueser Plateau. Die an eine Schiffstaufe erinnernde Tradition zeigt: Das dreistöckige Gebäude ist massiv. Es wird noch viele Jahre stehen und Menschen mit Beeinträchtigung Wohn- und Lebensstätte sein.
34 Jahre manifestiert es bereits die Arbeit des Sozialwerks des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Kueser Plateau. Es war das erste DRK-Wohnheim im Kreis, das behinderten Menschen auch ein großes Stück Eigenständigkeit ermöglichte. Deshalb hieß es auch Wohnheim 1. Zur besseren Einordnung. Das einige Hundert Meter entfernt liegende Cusanushofgut, in dem viele von ihnen gearbeitet haben oder dies noch tun, ist erst 25 Jahre alt.
1982 fanden 39 Menschen im Drosselweg Platz. Überwiegend in Doppelzimmern mit Waschbecken und mit Etagenbädern für bis zu 13 Personen", betont Christian Johann, Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks. Dazu kamen noch 14 Plätze in Außenwohngruppen in der Stadt, in Zeltingen-Rachtig und in Longkamp.
34 Jahre später präsentiert sich die äußere Hülle des Gebäudes weitgehend unverändert. Doch im Inneren hat sich in den vergangenen drei Jahren viel verändert. Nach Angaben von Christian Johann sind dort 2,6 Millionen Euro verbaut worden. Das Geld kam von den Kostenträgern, der Aktion Mensch und aus Eigenmitteln.
Nur noch Einzelzimmer


Die neue Aufteilung: vier Gruppen mit zwei Mal fünf und zwei Mal sieben beeinträchtigten Menschen, dazu noch zwei Plätze für eine Kurzzeitaufnahme. Es gibt nur noch Einzelzimmer. Jeweils zwei Personen teilen sich ein Bad. Jede Gruppe verfügt über einen großzügig geschnittenen Gruppen- und Wohnraum sowie über eine Küche. "Auch die Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Demenz sind übertragen worden", erläutert Christian Johann.
"Der Umbau geschah bei laufendem Betrieb", blickt Bernd Krieger zurück. Bewohner und Mitarbeiter flüchteten von Bereich zu Bereich", sagt er schmunzelnd.
Ganz wichtig: Für die beeinträchtigten Menschen, die in Rente sind, gibt es Räume, in denen sie tagsüber beschäftigt werden oder sich selbst beschäftigen. Auch diese Einheit verfügt über eine Küche. Bei der Sanierung sind, so Bernd Krieger, im Keller weitere Räume entstanden, die bei Bedarf auch für die Tagespflege genutzt werden.
Insgesamt 30 Personen (Vollzeit, Teilzeit) kümmern sich um die Bewohner. Dazu gehören Erzieher, Heilerzieher, Altenpfleger und Hauswirtschafterinnen. Eine der Betreuerinnen hält liebevoll die Hand von Helma Bauer. Die 67-Jährige hat 35 Jahre in der DRK-Werkstatt gearbeitet. Seit dem Tod ihrer Mutter vor 13 Jahren lebt die gebürtige Ürzigerin im Drosselweg. "Hier gehe ich nicht mehr weg", erzählt sie. Bauer genießt es, jetzt in einem Einzelzimmer zu wohnen. "Da kann ich machen, was ich will." Und was macht sie gerne? "Kochen, Backen und Kartoffeln schälen."
Zu den Gästen der Einweihungsfeier gehört auch Rita Busch, als Vertreterin der Verbandsgemeinde. Sie ist auch Gleichstellungsbeauftragte. "Wir können froh sein über solch ein Angebot", sagt sie. cb