Viel Platz und zu wenig Werbung
Die erweiterte, frühere "Krankenhauslinie" fährt seit Mitte Dezember als "Stadtbus" insgesamt 19 Haltestellen im Stadtgebiet an. Für die Stadt sind die ersten ermittelten Fahrgastzahlen zufriedenstellend. In Zukunft soll aber stärker auf den Bus aufmerksam gemacht werden.
Wittlich. Günter Stellmach aus Wengerohr fährt häufig Bus. Regelmäßig steigt er am Wittlicher ZOB um auf die Linie 306. Täglich besucht er seine Frau im Haus Mozart in der alten Chaussee. Er sei froh, dass es die Stadtbuslinie gebe, sagt er. Damit ist er kein Einzelfall. Ältere Menschen fahren mit dem Stadtbus zum Einkaufen, Schüler zu Mc Donald's und Angehörige von Patienten zum Krankenhaus.
Die neue Wittlicher Stadtbuslinie gibt es seit 9. Dezember. Sie wird vorerst für ein Jahr getestet. Im Vorfeld hatte sich der Stadtrat entgegen einem Vorschlag der Grünen-Fraktion auf eine Erweiterung der bis dahin bestehenden "Krankenhauslinie" geeinigt (der TV berichtete). Mit dem ZOB als Nadelöhr fährt der Bus eine Acht und steuert unter anderem die Verbrauchermärkte am Stadtrand, das Krankenhaus und die beiden Gymnasien an.
Die Grünen im Stadtrat hatten ursprünglich ein Stadtbuskonzept mit drei kleineren Bussen gefordert, mit dem die Wittlicher Stadtteile besser an die Innenstadt angebunden werden sollten. Nach einem Gutachten erwies sich das für die Stadt jedoch als zu teuer. "Um die Stadtteile vernünftig mit der Innenstadt zu verbinden und alle zwanzig Minuten den Hauptbahnhof anzufahren, bräuchte man sogar neun Busse", gibt Norbert Gietzen, Leiter der Trierer RMV-Niederlassung, zu bedenken.
Angesichts der Fahrgastzahlen ist die Stadt bislang zufrieden. "Erfreulich" nennt Gerd Claer, Leiter der Ordnungsbehörde bei der Stadtverwaltung, die Zahl von 60,6 Fahrgästen pro Woche, die bei der ersten Zählung ermittelt wurde. Damit nutzen pro Fahrt 7,6 Fahrgäste den Bus. Es sei aber voreilig, mit dieser ersten von vier Zählungen schon die gesamte Testphase zu bewerten, sagt Claer. Ende August will die Stadt einen Zwischenbericht vorlegen.
Seitens der Stadt ist man der Ansicht, dass für den Bus zu wenig Werbung gemacht worden ist. Gerd Claer wünscht sich, wenigstens den Fahrplan für die Linie 306 gesondert auszuhängen, am besten in Farbe. Für die RMV wäre das "kein Problem", sagt Norbert Gietzen. Sollte die Linie nach dem Testjahr fortgesetzt werden, sieht Gietzen noch weitere Möglichkeiten, auf den Stadtbus aufmerksam zu machen. Wenn man die Fahrgastzahlen auf ein Jahr hochrechnet und in Beziehung zur städtischen Förderung von 26 500 Euro setzt, ergibt sich eine Subvention von 1,68 Euro pro Fahrgast (siehe Extra).sos/ves
Meinung
Umsteigen und abwarten
Die Stadtbuslinie in ihrer jetzigen Form ist ein Kompromiss. Die ursprüngliche Idee der Grünen im Stadtrat war eine andere, gilt jedoch als finanziell nicht tragbar. Allerdings hatten die Grünen mit ihrem Konzept auch auf eine Stärkung der Innenstadt abgezielt. Der jetzige Stadtbus scheint eher Kunden den Weg zu Zentren am Stadtrand zu erleichtern. Die Stadtteile werden nicht erreicht. Wie in anderen Städten auch, ist der Kompromiss ein Zuschussgeschäft und die Nutzerzahlen sind nicht grandios. Sie spiegeln die Tatsache wieder, dass die individuelle Mobilität, die ein Auto ermöglicht, bei den Menschen erste Wahl bleibt. Selbst das Angebot in der Startphase, kostenlos mitzufahren, hat kaum einen zum Umsteigen bewegen können. Zudem ist die Stadtbuslinie vielen unbekannt. Ob mehr Werbung hilft? Man sollte es probieren und nach dem Testjahr anhand der Fakten neu entscheiden. s.suennen@volksfreund.deEXTRA Zwischen 8 Uhr und 11.45 sowie zwischen 14.28 und 18.13 fährt der Stadtbus (Linie 306) 19 Haltestellen im Stadtgebiet an. Die erste von vier Fahrgastzählungen in der Woche vom 21. bis 27. Januar ergab einen Durchschnitt von 60,6 Fahrgästen pro Tag. Bei acht Runden, bei denen alle innerstädtischen Haltestellen abgedeckt werden, fahren somit 7,6 Leute pro Runde mit dem Bus. Die Auswertung der zweiten Zählung vom 5. bis 9. Mai liegt der Stadt noch nicht vor. Die Stadt zahlt für die Stadtbuslinie jährlich 26 500 Euro an die RMV.