Viel Wandel bei den Wittlicher Rufbussen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rufbus-Projekt : Lob und Vorschläge für Wittlicher Shuttle

Die beiden Rufbusse der Säubrennerstadt werden mittlerweile von immer mehr Menschen genutzt. Bei einer Evaluation im Stadtrat gab es allerdings auch noch Verbesserungsvorschläge, vor allem was den Preis betrifft.

Zwei Shuttles mit den Namen Mathilde und Lieser fahren mittlerweile seit drei Jahren durch die Stadt Wittlich. Seitdem gibt es das Projekt Wittlich Shuttle, das am 1. August 2016 unter dem Namen Rufbus Wittlich und zunächst mit einem Bus startete. Ursprünglich war es auf zwei Jahre ausgelegt, allerdings wird der Service so gut genutzt, dass es bisher keinen Grund gab, das Pilotprojekt zu beenden.

In der jüngsten Wittlicher Stadtratssitzung in der Wittlicher Synagoge lobte Bürgermeister Joachim Rodenkirch das Wittlich Shuttle, insbesondere im Bezug auf das Thema Klimaschutz, das in der Ratssitzung ebenfalls als eigener Tagesordnungspunkt besprochen wurde. Erika Werner, die Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, stimmt Rodenkirch zu: „Das Projekt hat sich mittlerweile auf jeden Fall in Wittlich etabliert.“

Warum er so zufrieden ist, kann man auch an den Nutzungszahlen sehen, die Jan Mußweiler, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnungsverwaltung, in seiner Evaluation vorstellte. Von August 2016 bis Juli 2017 nutzten 3662 Fahrgäste den Service. Im folgenden Jahr waren es 5213. Der aktuelle Evaluationszeitraum von August 2018 bis Juli 2019 verzeichnet 10 050 Fahrgäste. Im Vergleich zum ersten Jahr hat sich die Fahrgastzahl also mehr als verdreifacht. Als das klar wird, hört man zustimmendes Gemurmel unter den Stadtratsmitgliedern im großen Saal der Synagoge.

Jan Mußweiler sagt: „Wir haben mittlerweile eine viel höhere Auslastung, das hat uns sehr glücklich gemacht.“ Er betont außerdem, dass er zuvor geäußerte Bedenken, dass das Shuttle, das über einen Rollstuhlplatz verfügt, deswegen für Gruppen von acht Personen nicht in Frage käme, ausräumen könne. In den letzten sechs Monaten habe es keine Buchung eines Shuttles mit acht Personen gegeben, auch nicht bei dem Fahrzeug, das über acht Plätze verfügt.

Das Fahrzeug Mathilde, das übrigens laut Mußweiler so heißt, weil die Fahrerin denselben Namen trägt, kann maximal fünf Personen und einen Rollstuhl befördern. Mußweiler erklärt: „Man kann einfach nicht jedes Mal die Rückbank ein- und wieder ausbauen, je nach Bedarf, das wäre zu aufwendig.“ Außerdem sei das bei Betrachtung der Zahlen auch gar nicht notwendig.

Kritik an dem Preis, der sich momentan auf vier Euro pro Einzelfahrt beläuft, gibt es auch in diesem Jahr noch. Mußweiler erklärt, dass man diesbezüglich in Verhandlungen mit dem Arbeitskreis stehe. Sein Vorschlag: Man könne versuchen, den Komfortzuschlag, der aktuell 1,90 Euro beträgt, nicht mehr pro Person zu berechnen. „Wenn man dann zum Beispiel mit einer Gruppe von Kindern ins Schwimmbad fahren will, würde man nicht pro Kind, sondern nur pro Fahrt zahlen“, erklärt Mußweiler. Außerdem zahle jeder Inhaber einer Zeitkarte, wie zum Beispiel ein Monatsticket, bereits nur den Komfortzuschlag. Die Projektkosten für die Stadt belaufen sich aktuell auf 67 500 Euro pro Jahr.
Laut Erika Werner seien auch manche Menschen nicht begeistert davon, dass man an einer Haltestelle nicht einsteigen kann, wenn man das Fahrzeug nicht vorher über die Ioki Wittlich App oder die Telefonzentrale gebucht hat. Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt, teilt dazu mit: „Da es sich beim Wittlich Shuttle um einen bedarfsgesteuerten Verkehr handelt, kann das Fahrzeug nur nach vorheriger Anmeldung genutzt werden. Der Algorithmus im Hintergrund berücksichtigt alle eingehenden Fahrtwünsche und stellt diese bestmöglich mit individuellen Routen zusammen.“

Ob das Projekt im Jahr 2020 fortgeführt wird, ist bisher noch nicht offiziell festgelegt. Bürgermeister Rodenkirch sagt aber: „Ich sehe da schon ein Stück weit Zukunft drin.“

Denn auch wenn noch einige Dinge verbessert werden könnten, zeigt Jan Mußweiler auf, dass bisher auch schon einiges verändert worden sei. Beispielsweise gebe es im Bereich der Seniorenresidenz St. Paul mittlerweile eine zweite Haltestelle. Sonst gebe es in dem Bereich keine andere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Mußweiler sagt: „Die Anwohner freuen sich darüber, dass sie dadurch auch mal in die Stadt ein Eis essen gehen können.“

Die beliebteste Haltestelle für den Einstieg ist der ZOB, für den Ausstieg ist es der Hauptbahnhof, der ZOB kommt dort an zweiter Stelle. Die Haltestelle Maria Grünewald, die bei der Einstiegsbeliebtheit direkt hinter ZOB, Krankenhaus und Hauptbahnhof kommt, sei ebenfalls sehr beliebt, vor allem dafür, dass es diese Haltestelle noch nicht von Anfang an gab. Mittlerweile können die Wittlicher Shuttles insgesamt 75 Haltestellen anfahren.

Das Shuttle Lieser für bis zu acht Personen kann zwischen 8 und 12 Uhr und 14 und 18 Uhr gebucht werden. Das Shuttle Mathilde für maximal fünf Fahrgäste plus Rollstuhl fährt von 5 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es auch online unter www.ioki.com/wittlich

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