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Viel Wirbel um Kernzonen im Soonwald-Naturpark

Viel Wirbel um Kernzonen im Soonwald-Naturpark

Die Einrichtung von Kernzonen im Naturpark Soonwald-Nahe sorgt für heftige Diskussionen. Wichtige Bereiche wurden ausgeklammert.

Hunsrück. (red) Seit 2005 gibt es den Naturpark Soonwald-Nahe. Im Gegensatz zu den anderen sechs Naturparks im Land wurden darin bisher keine Kernzonen ausgewiesen. Das sind Bereiche, die wegen ihrer Einzigartigkeit unter einem besonderen Schutz stehen. Zukünftig sollen laut Entwurf einer Verordnung des Mainzer Forstministeriums zwei Kernzonen im Naturpark Soonwald-Nahe bestehen. Eine "naturnahe Erholung in der Stille innerhalb der ursprünglichen Mittelgebirgslandschaft Großer Soon und Lützelsoon" soll darin ermöglicht werden. Es darf hier weder gezeltet noch dürfen Jagdhütten gebaut werden. Zur Tabuliste gehören auch Windräder und die Anlage neuer Steinbrüche.

Erheblicher Widerstand bei Umweltschützern



Die Kernzone "Großer Soon" verläuft im Osten vom Schanzerkopf bei Argentahl zu den Glashütterwiesen und über die Anhöhe "Opel" nach Stromberg. Die südliche Grenze geht von Stromberg vorbei an Münchwald, Kreershäuschen bis nach Kallweiler. Die westliche Begrenzung führt an der Altburg entlang bis kurz vor die Gemündener Höhe. Dort macht sie einen Knick, lässt die Gemündener Höhe linksliegen und verläuft an der Nordseite des Soon-Hauptkamms entlang, an Wildburg und Simmerkopf vorbei, den Argenthaler Steinbruch aussparend, zum Schanzerkopf. Die zweite Kernzone "Lützelsoon" umkreist die Womrather Höhe bis zum Teufelsfels.

Bei Umweltschützern und Kommunalpolitikern stößt der Entwurf auf erheblichen Widerspruch. Kritisiert wird vor allem, dass die Grenzen der Kernzonen so gelegt sind, dass potenzielle Standorte für lukrative Windkraftanlagen auf den Soonwaldhöhen ausgeklammert wurden.

Dazu gehört zum Beispiel das Hochsteinchen, wo von verschiedenen Kommunen gleich mehrere Rotoren geplant sind. Nicht betroffen von der Verordnung ist auch das Steinbruch-Projekt an der Gemündener Höhe (die RHZ berichtete).

Großes Kopfschütteln im Simmmerner Stadtrat



Der Gemeinderat Gemünden hat sich bereits mit den Kernzonen beschäftigt. Ein Antrag der Wählergruppe Jung, diese Erörterung mit einer Bürgerbefragung zu verbinden, wurde von der Mehrheit des Rates abgelehnt.

Zugestimmt hat dagegen der Simmerner Stadtrat den Kernzonen - und zwar mit großem Kopfschütteln. Den kreisstädtischen Kommunalpolitikern gleich welcher Couleur gefiel der Entwurf überhaupt nicht. Von Inkonsequenz war mehr als einmal die Rede. "Eigentlich müsste der ganze Höhenzug eine Kernzone sein, und zwar komplett", monierte nicht nur Andreas Nau (aSL).

Michael Becker (CDU) spottete gar: "Das hier ist noch weniger als ein Naturpark light. Man glaubt wohl, mit uns Hunsrücker Bauern kann man es ja machen." Ins gleiche Horn stieß SPD-Fraktionschef Michael Boos.

"Es kann doch nicht sein, dass die Simmerner Waldflächen schützenswert sind, Ellern und Gemünden dagegen nicht."

Letztlich hatte der Rat gegen die Kernzonen an sich zwar keine Bedenken, forderte aber das Ministerium einstimmig dazu auf, Gemünden und Ellern in die Kernzone einzubeziehen.