Viele Grüße aus der Urzeit

Vorweihnachtliche Freude kam jetzt beim Direktor des Naturhistorischen Museums und bei der Mainzer Kulturdezernentin auf. Denn Michael Schmitz und Marianne Grosse nahmen zwei rund 400 Millionen Jahre alte fossile Fundstücke aus dem Hunsrückschiefer bei Bundenbach in die Landessammlung auf.

Sie sind ab sofort in der Sonderausstellung "Gut aufgehoben" im zweiten Stock des Museums zu sehen.
Kirsten Grimm, die Vorsitzende der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft, überreichte das erste Fundstück - einen perfekt erhaltenen "Sonnenstern" (Art Palaeosolaster gregotyi), der seine 31 Arme flach ausgebreitet hat, ganz so, als würde er noch leben. Kulturstaatssekretär Walter Schumacher überließ dem Museumsdirektor zwei "Schlangensterne" (Art Loriolaster mirabilis). Sie wurden am Grunde des damaligen Ozeans von einem Schlammstrom mitgerissen und nebeneinander eingebettet. Dieses für beide Tiere tödliche Ereignis erscheint heute wie ein Schnappschuss, der im Fossil festgehalten wurde. "Das Stück sieht aus, als sei es gerade angefertigt worden", schwärmte Schumacher. Beide Tiere gehören in die Gruppe der Stachelhäuter, erläuterte Grimm. Dazu zählen auch Seesterne, Seeigel und Seegurken. "Sie haben in der Regel fünf Arme oder so viele Arme, dass sie durch fünf teilbar sind", berichtete die Geowissenschaftlerin. Sie zeigte sich fasziniert von den 400 Millionen Jahre alten "Momentaufnahmen" aus dem Bereich des heutigen Hunsrücks, wo sich damals ein Meer befand.
Woher stammen die beiden "neuen" Stücke? Die Rheinisch-Naturforschende Gesellschaft und das Land haben sie von einem privaten Restaurator erworben, mit dem sie schon seit Jahren kooperieren. Herbert Lutz, der stellvertretende Direktor des Naturhistorischen Museums, kümmert sich bereits seit 1990 um die Auswahl wertvoller Fossilien aus Bundenbach. Die Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz war vor 25 Jahren vom damaligen Museumsdirektor Franz-Otto Neuffer initiiert worden, erläuterte Schmitz. Bis dahin gab es in Rheinland-Pfalz kaum einen Ort, in dem Exponate aus dem weltweit bekannten Hunsrück-Schiefer aufbewahrt oder zu sehen war. Und mit dem Erwerb verknüpfen die Museumsmitarbeiter auch die Erforschung der Prunkstücke auf allerhöchstem Niveau, wie Grosse es formulierte. "Das macht uns Freude, und die Bürger haben auch etwas davon", dankte die Dezernentin der Rheinisch-Naturforschenden Gesellschaft und dem Land für das vorweihnachtliche Geschenk. "Und wir erwarten noch weitere Fossilienfunde aus der Umgebung von Bundenbach für unser städtisches Museum", ergänzte sie. Und zeigte damit, wie groß das Interesse der Stadt an einer solchen Sammlung und ihrer Präsentation ist.
Das Naturhistorische Museum (Reichklarastraße 1) verfügt über die weltweit beste Sammlung von Hunsrück-Schiefer, erläuterte Ex-Direktor Neuffer. Er lobte insbesondere das Engagement des stellvertretenden Direktors Herbert Lutz. Er nimmt die Funde akribisch in Augenschein und wählt aus, welche für die Sammlung infrage kommen - darunter die beiden neuen Stücke. red