Viele kleine Wunder

MORBACH. Die Erfolge der ersten Delfintherapie von Stefanie Henn stellten sich nur langsam ein. Doch Mutter Astrid ist inzwischen begeistert von den Fortschritten, die das Kind gemacht hat.

Gelächelt hat sie auch früher. Doch nur ganz kurz, bevor der Blick sich wieder in einer unergründlichen Leere verlor. Dass sie nun ab und an nahezu unbekümmert mit festem Blick in die Kamera lächelt, ist kaum zu fassen. Es scheint, als sei das eine völlig andere Stefanie, als die Zehnjährige, die im Dezember ihre erste Delfintherapie vor sich hatte. Eigene Willensbekundung ist ein wichtiger Schritt

Die Riesenfortschritte, die das autistische Mädchen seither gemacht hat, haben sich erst nach und nach gezeigt. Eines der vielen kleinen Wunder ist für Mutter Astrid Henn, dass ihre Tochter malt. Es sei das erste Mal, dass sie Gesichter und Menschen zeichnt, statt nur herumzukritzeln. Stefanies Lehrer vermuteten zudem, dass sie lesen kann. Doch Stefanie sei auch in anderer Hinsicht eine andere: "Sie ist ruhiger geworden, hört viel besser, lässt sich auf andere Kinder ein - und wird wütender." Dass Astrid Henn gerade dies an ihrer Tochter "süß" findet, liegt daran, dass die eigene Willensbekundung ein wichtiger Schritt ist. Daher ist die Mutter auch stolz, wenn ihre "kleine Hexe" nicht nachgibt und sich durchsetzt. Mit einem anderen Erfolg hat sie aber noch ihre Probleme. Denn so sehr sie sich früher wünschte, einmal ohne klammerndes Nesthäkchen zur Toilette zu können - dass Stefanie nun kaum mehr schmust, macht ihr dann doch zu schaffen. Doch dafür entschädigt sie und ihre 19-jährige Tochter Jennifer das Erlebnis, als Stefanie in Curacao "Mamaaa" sagte. Ganz deutlich und mit fester Stimme habe sie dabei am Wortende die Stimme gehoben: "Da hatte ich Tränen in den Augen." Danach habe sie nur noch einmal gesprochen, und zwar "will haben". Da sie aber nun mehr Laute von sich gibt als früher, wenn auch in ihrer eigenen Sprache, setzt ihre Mutter große Hoffnung auf die zweite Therapie. Dabei hatte Astrid Henn anfangs auf keinen Fall mehr fliegen wollen. Klima und Tierwelt in Curacao - allen voran Ameisen, Mücken und Geckos - hatten ihr allzu arg zugesetzt. 15 Kilo habe sie in der kurzen Zeit abgenommen. Und nach zwei Gehirnschlägen plus Magengeschwür steht es mit ihrer Gesundheit eh nicht zum besten. Doch alle, mit denen sie über ihre Ängste sprach, hatten nur geschimpft, sie müsse das Stefanie zuliebe tun. Daher rafft sie allen Mut zusammen, um Strapazen und Spendensammeln wieder durchzustehen: "Sie ist es wert." Wer Stefanie helfen will, kann die zweite Delfin-Therapie nach Curacao mit einer Spende unterstützen: Patenschaftskonto von Dolphin Aid bei Stadtsparkasse Düsseldorf, Bankleitzahl 300 501 10, Konto 2000 24 24, Verwendungszweck "Stefanie Henn".

Mehr von Volksfreund